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beschichte der Heraldik. V. 3.
„Die Richtigkeit der vorstehenden Urkunde beschei-nigt hiermit der unterzeichnete Heraldiker und alleinigeBesitzer des im Kaiserreiche Deutschland einzig nurnoch existirenden Weigelischen WappenbuchesCöln im November des Jahres 1887gez L. Hirschbach".
Der Verein Herold sucht durch saehgeinässige Be-lehrung, die auf Anfragen ertheilt wird und die unterUmständen auch den in fünf grossen Berliner Zeitungenabgedruckten Sitzungsberichten einverleibt wird, demverderblichen Geschäftsgebahren der Wappenaustaltennach Kräften entgegenzuwirken. Viel Gutes hat na-mentlich die „Y\ appenfibel" von Prof. Ad. M. Hildebrandtgewirkt, gerade weil sie wegen ihres billigen Preiseseiner grossen Verbreitung fähig ist. Freilich hat esder Verfasser auch erleben müssen, dass einer seinerSätze, aus dem Zusammenhang herausgerissen, in denFlugblättern der Wappenanstalten mit Vorliebe citirtwird.
Ein nützliches Unternehmen, welches in bürger-lichen Kreisen anregend und belehrend wirken wird, istdas „Genealogische Handbuch bürgerlicher Familien''(Verlag von F. Mahler in Charlottenburg). Angehörigedes Bürgerstandes, welche Sinn für Familiengeschichtehaben, erbalten hier eine Fülle von Mustern für dieAufstellung von Stammtafeln, die sie zum Vortheil ihrereigenen Familie benutzen können. Auch den Wappenwird alle Beachtung geschenkt. Ich zweifle nicht, dassder wohlthätige Einfluss dieses Werkes auf die familien-geschichtlichen Bestrebungen des Mittelstandes alle Er-wartungen übertreffen wird.
6. C a p i t e 1.Die Auwendung der Hapiirn.
Was die Anwendung der Wappen in der Gegen-wart betrifft, so fehlt es nicht an Stimmen, welche sichdahin aussprechen, dass sich der Verwendungskreiseher erweitert als verengert habe. So sagt Grote 1 ),es werde „die Thätigkeit nicht blos etwa der Graveursund etwa noch der Steinmetze, sondern auch derEmaille-Maler für 0 rdenszeichen und Bijoute-rien, der Porzellanmaler für Vasen, Tassen undPfeifenköpfe, derLackirer für Wagen wnd Firmen-schilde r. der Gürtler für Li vreeknöpfe, für Stem-pel zum Stempeln des Briefpapiers, der Drellweberfür TiscJidecken und Servietten, der Posamen-tirer ffir Livree- und Kutschenborten, der Buchbinderfür Prachtbände, der Zinngiesser für Sargver-zierungeu, der Litographen für Vis itencharten,der Stickmusterzeichner für zahllose Hochzeits- undGeburtstagsgeschenke an Rückenkissen, Portfeuilles undBricken, der Maler zur Anfertigung von Fahnen fürjede Stadt, jeden Flecken, jedes Dorf, dessen Deputirtean irgend einem gelehrten, theologischen, musikalischenbesonders aber freisinnigen Congresse Theil nehmensollen, der Architecten zur äussern und der Tapeziereund Decorateurs zur inneren Verzierung der Gebäudealler Art, und vieler anderer Gewerbtreibenden in An-spruch genommen."
Wenn es nun auch richtig ist, dass sich das Wappenneue Gebiete erobert hat, so ist nicht zu leugnen, dasses andere unwiderbringlich verloren hat. Ich glaubenicht, dass der Hausschild, die gemalte Wappenscheibejemals ihren alten Platz wieder erlangen werden. 2 )
Eine Berliner Zeitung berichtete im J. 188S: „DasRedern'sche Wappen auf der Ecke des Palais amPariser Platz ist eine Jugendarbeit des berühmten Bild-hauer Kiss, der dasselbe nach Schinkels Angaben aus-geführt hat. Das Wappen sollte ursprünglich an demBalkon der Vorderfacade angebracht werden, dochschrieb darüber Schinkel am t>. Oktober 1829 an denGrafen Folgendes: „Das Palais Euer Hochgeboren hatals ein Eckgebäude und bei der einmal nothwendig ge-wordenen Disposition der Fenster eigentlich keine andereMitte, als die fJcke selbst, von welcher ab die Stellungder Fenster au jeder Seite systematisch geordnet ist.Das Herausheben einer solchen nicht ganz gewöhnlichenFckmitte wurde in dem erst entworfenen Projekt durcheinen Ecktliurni bewirkt; da dieser jetzt fehlt, mussnothwendig ein Aequivalcnt eintreten, welches sehrpassend durch den Aufsatz des Wappens gefundenwird." Man sieht, wie bescheiden Schinkel war, undauf wie Vieles er von seinen Ideen verzichten musste!Statt eines stolzen trotzigen Eckthurms, der hier präch-tig wirken müsste, ist er schon froh, dass der Graf einWappen gestattet! Zu der Ausführung sagt er ferner:„Der geschickte Bildhauer Kiss, Schüler der ProfessorenRauch und Tieck, hat das Wappen nach der Angabesehr verstanden etworfen und ich habe mir die grössteMühe gegeben, die wohlfeilste Art der Ausführung, diezugleich recht dauerhaft ist, mit ihm zn verabreden;der projektirte Zinnguss ist ungleich wohlfeiler alsSandstein und Eisenguss ausgefallen" u. s. w. Für dievöllige Fertigstellung des Wappens in Modell undOriginal erhielt Kiss vertragsmässig 500 Thaler."
Den mittleren Theil des Berliner Rathhausthurinesschmücken seit 1884 acht Sandstein-Bären, modellirtvon dem Bildhauer Wolf („Thier-Wolf") und ausgeführtvon dem Hofsteinmetz Wimmel. Von den unbrauchbargewordenen thönernen Modellen, die früher die Stelleeingenommen hatten, wurde eines einem Wappen-vettern, dem Abgeordneten von Behr verehrt, welcheres vor seinem Schlosse Schmoldow bei Greifswald auf-stellen liess.
Bei der Restauration des Mittelbaues des LübeckerRathhauses ;1885) wurde auch der Wappenschmuck mitSorgfalt wiederhergestellt. Einer Zeitung (HamburgerCorrespondent Nr. 136 vom 17. 5. 1885) wurde damalsgeschrieben : „Der glücklich vollendete Mittelbau machtjetzt einen freundlichen und befriedigenden Eindruck,wozu die Wappenschilder mit ihren frischen Farbennicht unwesentlich beitragen."
Bei dem Bau öffentlicher, monumentaler Gebäudewird leider noch immer in sehr ungenügender Weisefür einen angemessenen Wappenschmuck gesorgt. kosoll die Ausführung des heraldischen Schmuckes für dasneue deutsche Reichstagsgebäude in die Hände einesKünstlers gelegt worden sein, der nicht das geringsteVerständniss für Wappenkunst hat.
Es gilt übrigens in dieser Beziehung das Wortdes Meister Urian, wie folgende Zeitungsnachricht be-weist, die ich Anfangs Dezember 1883 gelesen habe.„In der letzten Sitzung des österreichischen Reichsratgab es grosse Demonstrationen. Der Abgeordnete Su esgab seiner Entrüstung darüber Ausdruck, dass bei" 1Bau des neuen Parlamentshauses der Reichsadlevergessen wurde. In der That verhält es sich so.Oberbaurat Hansen hatte den Reichsadler vergessen
1) Geschichte der Weifischen Stammwappen S. 122.
2) Ein Feuilletonist der Berliner Nationalzeitung{Nr. 709 vom 25/12 1884) erwähnt, dass in Berlin das
Aushängen von Wahrzeichen (Hausschilden) nur noselten sei. „Das i st Schad e," sagt er, „denn egiebt den Straßen etwas Lustiges, wenviel buntes Gethier und Gebilde über de»Hausthüren zu sehen ist und auf die Strashinausbaumelt."