Geschichte der Heraldik. V. 3.
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Aus den 80er Jahren stammen folgende
„Heraldisch Genealogische Wissenschaften uher dasGeschlecht Stoeckel.
Das Wappen befindet sich in der grossen Euro-päischen Wappen-Sammlung im I. Theile vol. 121 aut-gezeichnet.
Sie führen ihr Wappen in einem quadrirten Schilde;wo in dem ersten und vierten hlauen Schilde ein gol-dener aufgerichteter Löwe und im zweiten und drittenrothen ein silberner Pfeil sichtbar. Auf dem gekröntenTurnier-Helm ist ein goldener Löwe, einen Pfeil haltendzwischen zwei blauen Adlerflügeln.
„Die Helm-Decken sind blau und gold, rotn undweiss.
Genealogische Nachricht.
„Stoeckel. Der Ursprung dieser Familie ist nachAngabe der ältesten Autoren und Heraldiker Schwaben,wo schon zu Anfang des 12. Jahrhundert Familienlebten, die dieses umstehend näher beschriebene Wappenführten. Sie haben sich vor langen Zeiten unterschied-lich Stoeckel, Stöckel; Stöcker, Stöckert auch btockigeschrieben, was durch die damalige Schreibart ent-standen, wodurch später die verschiedenen Namen her-vorgegangen, die aber alle eines Ursprungs oder Ab-stammung sind. Eine ausführliche genealogische Tabelleoder Stammreihe ist nicht aufzufinden.
„Als besonders bekanntgeworden werden erwähnt:Hedwig S., die als Aebtissin zu Seedorf um das JahrH08 florirte. Balthasar Friedrich S. ist um das Jahr1203 Ritter des Ordens St. Lazarus in Jerusalem ge-wesen. Albrecht S. hat um das Jahr 1496 in grossemAnsehen florirt, sich das Gut Steinsberg im Thurgausehen erworben und dem Könige Philipp IL inSpaniengute Kriegsdienste geleistet. Sein Sohn Sebastian Faulhat 3 Erben hinterlassen, der älteste war Decanus zuEinsiedel, der andere Hauptmann zu Thurgau, derdritte Offizier iu spanischen Diensten. Von deren Nach-kommen haben sich Zweige nach verschiedenen Landernund Provinzen verbreitet und vermehren ihren Stammdaselbst." , , _ ,,
Eine gewisse Berühmtheit hat der Fall des Leopold(Levi) Herschbach in Cöln erlangt, welcher im Janre1888 wegen betrügerischen Wappenhandels von der1- Ferienkammer des Königlichen Landgerichts in Coln2 U einer Strafe von drei Monaten Gefängniss und zu denKosten verurtheilt wurde. Herschbach, Israelit, imJahre 1798 geboren, früher Juwelier und Graveur jetzt»Heraldiker," machte seine Geschäfte auf die Weise,dass er in Gasthäusern sich an die Gäste herandrängteUnd das Gespräch auf sein Wappenbuch (den alten bieb-»lacher in der Ausgabe von 1734) brachte, von dem«n zweites Exemplar nur noch im kaiserl. hera disenenAmte zu Wien vorhanden sein sollte. Er machte denLeuten, die ihm Gehör schenkten, das Anerbieten, naen-s ehen zu wollen, ob er ihren Namen finden könnte. iNacneinigen Tagen brachte er dann die Nachricht, dass erd en Namen gefunden habe. Er schlug im Register denNamen auf; fand er nun kein genau passendes Wappen,so radirte er die Ueberschrift und ergänzte die lernen-den Buchstaben mit Tusche. So änderte er Balbi mJalchem, von Bergen in von Berkenkainp, Salder infalber, Schüler in Schuhmacher, v. Bollen und v. Raaben111 von Bautenstrauch; Aeichel in Aickehn um. boRegelte er den Leuten zuweilen auch eine adelicheAbstammung vor, wenn er einen besonderen Köder iur^gebracht hielt. . . Wo „„ on
In der Regel verlangter die Kunden das Wappen? dem Buche selbst einzusehen, ehe sie es malenJessen. Ein Stadtverordneter in Cöln, der seinen Namen**eimal fand, zugleich aber auch die Rasur in derÜberschrift bemerkte, wandte sich an den btaat-
bibliothekar in Cöln, welcher den ganzen Schwindelaufdeckte, Einer der Geschädigten denuneiirte denHerschbach bei dem Staatsanwalt. Es wurde ein Ver-fahren eingeleitet, welches wie oben erwähnt, mit derVerurtheilung endete. 8 Betrugsfälle wurden demHerschbach nachgewiesen, das Geschäft war aberviel umfangreicher, — ein Maler sagte aus, dass er fürHerschbach ungefähr 250 Wappen gemalt habe.
Herschbach pflegte nur ganz kurze Beschreibungenzu den Wappen zu geben. In einem Falle gab er demDrängen eines Kunden, der etwas Ausführliches habenwollte, nach, und unterschrieb ein Schriftstück, das derKunde selbst mit verstellter Handschrift aufgesetzthatte. Dasselbe hat folgenden Jnhalt.
„Urkunde zudem Wappen der schlesingischen Adels-familie von B. (nicht Bergen.)
„In der Vorrede zu der neuen Auflage des grossen,vollständigen Weigelischen Wappenbuches, geschriebenam 1. July 1734 zu Altdorf von Johann David Köhlers,berichtet derselbe, dass dieses grosse, vollständige an-fangs Siebmacher'ische hernach Fürstische und Helmer'-ische, nun aber Weigelische Wappenbuch gestiftet seiim Jahre 1379 von Kaiser Wenzeslaus, erneuert undvervollständigt unter Kaiser Friedrich III im Jahre1485 und die letzte Auflage im Jahre 1734 herausge-geben und bei Lorenz Bieling in Nürnberg gedrucktworden sei. Das alleinige original Weigelische Wappen-buch befindet sich auf dem Kaiserlich heraldischen Amtezu Wien, woselbst etwaige Anfragen über Wappen unddergleichen gegen Erlegung von 20 Silbergulden Beant-wortung finden. Im Auftrage des Kaisers Wenzeslaushat Johann Siebmacher, Bürger zu Nürnberg, von Ge-werbe ein Gradirer, die Wappen aus alten Urkunden,sowie von Grab- und sonstigen Denkmälern angesam-melt und dann entworfen und ist von Johann Georgvon Wendenstein und anderen wohlangesehenen Männerndabei unterstützt worden. In dem 24 Folianten um-fassenden Weigelischen Wappenbuche sind die Namenund Wappen der sämmtlichen dermaligen fürstlichenGeschlechter, gräflichen adelichen und ehrbaren bürger-lichen Familien enthalten, und welche ehrbareFamilie der Zeit noch kein Wappen besessenhat, der ist nunmehr ein solches vom Kaiserverliehen worden. Somit befindet sich ein jederName, den damals eine ehrbare Familie geführt hat,in diesem Wappenbuche verzeichnet und darunter seinWappen mit Sinnbildszeichen und Angabe der Farben,nebst Bedeutung der Sinnbilder und Farben.
„In des Wappenbuches I. Teil Seite 55 befindet sichunter den Namen der schlesingischen Adelsfamilie der-jenige derer von B. mit ihrem Wappen. Dasselbe be-steht aus dem goldberandeten Wappenschild, welchesin 3 Felder eingeteilt ist, das untere in Silber, dasmittlere besteht aus zwei Balken, ein jeder hat 5gleiche viereckige Felder in den Farben rot und weiss,das obere Feld ist tiefblau. Auf dem Schild ruht dermit der Ehrenkette geschmückte Wappenhelm, welcherdas blaue mit goldigen Schnüren und Quasten ver-zierte Ehrenkissen trägt. Auf diesem steht der vonvon einem rot und weissen Bande zusammengehalteneaus 9 Federn bestehende Pfauenfederstrauss. Der vomHelm ausgehende, das Ganze umfassende Wappenmantelist in den Farben rot und silber.Pfauenfederstrauss bedeutet: berechtigten Stolz.Kissen n : Ehren-U.Gnadengeschenk.
Kette n '■ ehrenhalber verliehene
Ordenskette,gold n : Ehre.
Silber » : Unschuld,
rot * : Liebe.
bl au „ : Freundschaft,
weiss j : Unschuld.