Geschichte der Heraldik. V. 3.
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Abgesehen von den oben (S. 786) angeführtenAutoren, die aber doch ihre Vorwürfe an die falscheAdresse richteten, geschah von den berufenen Vertre-tern der Wissenschaft nichts, um den Mittelstand überdie Mittel und Wege zu belehren, die der Betätigungdes Familiensinnes angewiesen sind. Einen verdienst-lichen Versuch machte der herzogliche BibliothekarLudwig Beckstein •) in folgender Schrift:
Der Meine aufridjtige urtb polfstbiimlidje I?cr olb ober.Anleitung für 3ebermanu fieb ein fdjöncs uub fmnooUes,f amiIien.2Po.ppen 311 mahlen uub anzueignen ooerRuberen berglcidicu mahlen 311 liclfeu. ZIebft einem Anhang:Wappen, Sdnifcpatrone uub Jahnen ■ färben ber Künftler«üb ^aubmerfer. ilteiuiugeu uub ^ifoburgbaufen. »«{«9"üb Drucf von f. ID. ö5abom 11. So&n I85q. 8°. WS.Das Schriftchen ist in einem volkstümlichen loneverfasst und darf um SO weniger einer strengen I rutungin Bezug auf die Form unterzogen werden, als es einenAnspruch auf Wissenschaftlichkeit gar nicht erhebt.Der Verfasser hat sich jedenfalls mit den wichtigstenRegeln der Heraldik bekannt gemacht und ein richtigesVerstandniss derselben in mancher treffenden Bemerkungan den Tag gelegt. Als ein Versuch, dein eingerisse-nen Unfug der Wappencomptoire und der herrschendenGeschmacklosigkeit zu steuern, verdient das W erkehenalles Lob>.
Kennzeichnend sind die folgenden, der Schrift vorange-druckten, dem Lied.vom BauernTroll nachgebildeten Verse.Meister Maler, wollt Ihr wohl
Mir ein Wappen malen?Da es stattlich werden soll,
Will ich's gut bezahlen.Dieses Wappen darf nicht klein,Nur recht buntig muss es sein,Prahlen vor den Leuten,Und auch was bedeuten.
Spar' er Gold und Silber nicht,
Denn das fällt in's Auge,Wappen führt so manch ein Wicht.
üb er auch nichts tauge.Mancher denkt, die WappenkunstWäre eitel blauer Dunst;
Dächte das mit nichten,
Ließ er sich berichten.
Wenn Fr mir kein Sinnbild weiss
Low', Hirsch oder Hase,In dieß kleine Buch mit Fteiss
Steck' er seine Nase.
t „Der Sache nach hätte indessen der von dem N.beabsichtigte Verkehr demselben durch einen (jeweroe-s chein gestattet werden können, da sowohl Wappen«nd Devisen auf Papier (zu 2) als auch Kahmeaus Goldleisten (zu 3) den Kr amwaaren gieicdachten sind und demgemäß der Gewerbescheua «f den Hausirhandel mit diesen Gegenstanden hattegestellt werden. Dadurch würde der N. auch zu demB.estellu„g SS uchen in der zu 2 u. 3 bezeichneten Weise£ie Befugniss erlangt haben , indem dieses Suchen aasGeringere in Vergleich mit dem Hansirhandel st, undeinem Gewerbeschein-Inhaber, welchem der HaunMaa<*el mit gewissen Gegenständen gestattet womot,dadurch auch ohne weiteres erlaubt ist, Bestellungendarauf zu suchen. . _. . . „.,._„»
. „Nach dem Vorstehenden wird die Konigl. RegierungSl ch künftig in ähnlichen Fallen zu achten haben.L, 1) Derselbe ist mir von dem früheren Besitzer^aeiFirma F. W. Gadow & Sohn, Herrn Bürgermeister ^w - Gadow in Hildburghausen als Verfasser genanntforden.
Hier ist alles ausgedrücktWas ein Wappen ziert und schmückt,Kann ihm gar nicht fehlen,Und braucht kein's zu stehlen.
Der Inhalt der Schrift ist folgender : Vom Ursprung,Namen und Verbreitung der Wappen und Siegel. Vonden Helmen und Kronen. Von den Wappen-Schilden.Von den Wappen - Farben und Metallen. Von denHerolden und ihrer Kunst. Von Figuren, Bildern undSinnbildern in den Wappen. Von den redenden Wap-pen. Die Symbolik der Farben und Bilder. Von denNebenfiguren, Prachtstücken und Beizeichen. Wappender Künstler, Handwerker und einiger anderer Ständenebst deren Schutzheiligen und Fahnen-Farben.
Ich kann es mir nicht versagen, einige Stellen derSchrift auszuheben:
„Viele Menschen, hauptsächlichlieh junge Männer,wünschen sich ein Wappenbild, theils damit zu siegeln,theils dasselbe für sich oder für ihre Freunde zumAndenken auf Pfeifenköpfe, Tassen etc. malen zulassen "
„Weil nun doch immer ein Drang nach Wappenvorhanden, obgleich an bürgerlichen Wappen weniggelegen und nichts auf dieselben ankommt, so sindBetrüger aufgetreten, welche umherreisen und denLeuten versprechen, ihnen ihre Wappen aus großenWappenbüchern nachzuweisen, die in irgend einerBibliothek, oder irgend einem Rathhaus zu Leipzig,Wien, Mailand etc. liegen sollen; sie lassen sich denNamen sagen, schlagen in eiuem der bekannten, injeder guten Bibliothek vorhandenen Wappenbüchernach, nehmen ein Adelslexikon zu Hülfe, und findensie ein Wappen, gut, so wird es in ein bereits vor-räthiges, nach einer (Jhabloue gemaltes Schild einge-malt, mit grellen Tüncherfarben und schlechtem Blatt-gold und Silber und dann erhält der gutinüthige undleichtgläubige Besteller den kaum 2 Groschen werthenQuark gegen Erleguug eines Thalers, nebst einerweist erlogenen Angabe des Landes, wo seine Familieherstammen soll. Findet sich zum Namen kein Wap-pen — auch gut.
„Sanct Mattheis bricht das Eis, fiud't er keinsso macht er eins." Der Wappenbetrüger pfuschtauch ein Wappen zusammen, dass es eiue Art hat... ."
„Wenn sich ein Bürgerlicher oder Adeliger eineRegentenkrone über sein Wappen oder seinen Namens-zug stechen oder malen lässt, so geht der Kopf nichtherunter; er zeigt aber, dass er wenig Grütze in sel-bigem hat, denn er maßt sich lächerlicherweise einZeichen an, das ihm nicht gebührt."
„Für Vaterlandsvertheidiger passt herrlich übersolches Wappen ihr II e 1 m, ihr Käppi oder die Wehr-mannsmütze, der Tyrolerhut mit dem Gamsbartetc. Selbst ein Freischärlerhut mit der krakehligenHahnenfeder nimmt sich nicht minder schön aus wiesin Ritterhelm und auch die Nachtmütze könnte einWappen eben so gut zieren wie die Narrenkappe, dieso viele auf ihrem Kopfe und ihrem Schilde tragen,nur unsichtbar, wie die Hirschhörner."
„Leicht kann ein Theil für das ganze gewähltwerden. Ein aufgesperrtes Maul könnte Schreierbedeuten, ein Auge Seher, eine offene Hand den NamenGeber aussprechen, ein Maulwarf würde passend denNamen Wühler bezeichnen, falls Jemand ihn führensollte oder wollte.
„Diejenigen z. B., welche das Wort Fisch inihrem Namen haben, brauchen nicht gerade einen Fischzu führen, es bieten sich auch noch Nachen, Netze,Angelbaken, Reussen und dergleichen zur Auswahldar.«