Geschichte der Heraldik. V. 3.
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abnehmen lassen solle. Auf die entschiedene Weigerungdes Grafen Lötzow legte der zügellose Haufen selbstdie Hand ans Werk. Das Kaiserliche Wappen wurdeherabgerissen, von der verworfenen Menge auf diePiazza del popolo geschleift und daselbst verbrannt.
Der Kaiserliche Botschafter erließ auf der Stellean den Kardinal-Staatssecretär eine Note, nm ihn zubenachrichtigen, dass er über den begangenen Frevel demKaiserlichen Hofe Bericht erstatten und dessen Befehleabwarten werde, bis dahin aber seine diplomatischenBeziehungen zu dem päpstlichen Ministerium als unter-brochen ansehen müsse." ,
Der Kardinal-Staatssecretär Antonelli machte ineiner Note vom 22. März bemerklich, „dass die papst-lichen Behörden nicht unterließen, sich zu zeigen umfür die Rücksichten Sorge zu tragen, welche das Vol-ierrecht dringend erheischte, dass es ihnen aber un-glücklicherweise nicht gelang, die Wuth des Volkes zuzügeln." — Der Papst drückte persönlich dem .Bot-schafter den tiefen Schmerz und Kummer aus, den ihmdas Attentat verursacht habe. —
„Nach offiziellen Berichten aus Genua vom 23. März(1848) hat daselbst ein Volkshaufe am nämlichen lägevon dem Kaiserl. Konsulat das oesterreichische Wappenherabgerissen und durch die Strassen geschleift, ohnedass die Behörden dieses sträfliche Beginnen gehinderthatten. Der Kaiserl. General-Konsulats-Verweser hathierauf seine Pässe gefordert." ')
In Neapel wurde am 25. März 1848 das oester-reichische Wappen von dem Eingangsgitter des he-sandtschafts-Hotel's herabgerissen und auf einem eigens»uf öffentlichem Platze errichteten Scheiterhaufen ver-hrannt. Eine 40 Mann starke, von einem Oflizierhefehligte Abtheilung der Bürgergarde sah diesemFrevel zu, ohne zu wagen, .ihn zu verhindern, uerGesandte, Fürst Schwarzenberg forderte„ 1) dass das Wappen auf Befehl der Konig hebenRegierung und in der Gegenwart eines öffentlichen■Beamten wieder an die Stelle, von der es genommenWurde, gesetzt werde, . .„.
2) dass eine die Ausdrücke der Mißbilligung, wo-mit der Minister Staats-Secretär für die auswärtigenAngelegenheiten in einer Note vom 27. März die er-mähnte Verletzung des Völkerrechts gebrandmarkt hat,enthaltende Erklärung in kürzester Frist in das otn-z ielle Giornale delle due Sicilie eingerückt werde.. Da der Gesandte keine befriedigende Antwort oe-ka m, reiste er am 28. März von Neapel ab.' 8 )ö In Leipzig fand in Folge der standrechtlichen«'nrichtung des aus Leipzig stammenden Buchhändlersf obert Blum (in der Brigittenan bei Wien am 9. JNovem-»er 1848) ein Volkstumult statt, bei welcher Gelegen-heit das Oesterreichische Consnlarwappen herabgerissenWurde. Der Rath der Stadt Leipzig erließ dann amb - Decbr. 1848 folgende Bekanntmachung: „Nachdem5? heutigen Tage das Kaiserl. österreichische General-Konsnlat-Wappen an seinem früheren Orte wieder auf-gestellt worden, machen wir dies hiermit .bekannt^pfehlen den Schutz desselben dem Rechtssinne derhiesigen Einwohnerschaft und drücken dabei die zuver-e »ehtli che Erwartung aus, es werde das völkerrechtlicheC-astreeht, welches wir selbst auch für unsere Reprä-sentanten im Auslande fordern, niemals hier wiederVerletzt werden" , .,,
7t Aus der Pfalz wurde am 23. Mai 1849 der Allgem.£&• gemeldet: Die Anarchie ist bei uns in schönster^üthe. Man reisst die bayerischen Wappen ab etc. ;
1) Allgem. Preuß. Ztg. 1848 Nr. 96.
2) Wiener Ztg.
3) Allgem. Ztg. 1849 Nr. 148.
Gustav Freytag schildert in seinem Romane Sollund Haben durchaus lebenswahr die Schändung desPreußischen Wappens durch polnischen Pöbel bei Ge-legenheit eines Aufstandes in einer Stadt der ProvinzPosen:
„Dort lag das Steueramt, schon von weitem kennt-lich durch, das Wappenbild des Staates, das auf Holzgemalt neben dem Fenster hing. Dort drängten sichdie Massen wieder ; ein Posten von Sensenmännern standvor dem Hause, aus der Ferne sah Anton, dass einMann eine Leiter ansetzte, zu dem Wappen hinauf-stieg und mit einem Hammer auf das Schild pochte,bis es herabfiel auf die Steine. Als das Wappen aufSteine schlug, ging durch die versammelte Menge einleiser Ton wie ein Seufzer; es war still geworden, dassman jeden Laut hören konnte. Eine Rotte von trun-kenem Gesindel stürzte sich mit wildem Jauchzen aufdas Schild , ein Strick wurde daran gebunden, und mitHohngeschrei wurde es in den Rinnstein und über dieStrasse geschleift.
„Anton war ausser sich, eine Fluth von stürmischenLeidenschaften drängte nach seinem Herzen: „IhrSchurken!" rief er laut und rannte durch die Umstehen-den auf die Bande zu. . .
„Anton sah sich hastig in dem Haufen (der ihnumgebenden Deutschen) um und rief: „das dürfen wirnicht leiden, ihr Männer, dass wir hier in der deutschenStadt umstellt werden wie Gefangene, und dass sieunser Wappen beschimpfen, die Schändlichen!"— DieAufständigen werden überwältigt:
„Die heruntergerisseneu Wappen wurden gesäubert,einige Frauenhände trugen aus den Gärten der Stadtdie ersten Blumen zusammen und schmückten die Wap-penbilder mit Kränzen und Gewinden. In feierlichemZuge wurden sie an das Steueramt und die Post ge-tragen, die ganze Mannschaft marschirte auf, präsen-tirte das Gewehr, und der Hauptmann brachte eineAnzahl patriotischer Hochs aus, welche von vielenhundert Kehlen nachgerufen wurden. . ."
Im Juni 1881 berichteten die Zeitungen:
„In Bologna ist es vorgekommen, dass in der Nachtvom 21. auf den 22. ds. das Wappen des dortigen, vorder Porta Galliera befindlichen französischen Konsulatsvon einen Unberathenen mit einer schwarzen Flüssig-keit befleckt wurde. Das Bubenstück wurde imSchutze der Dunkelheit verübt, und als beim erstenTagesgrauen die Sicherheitsagenten des beschmuztenSchildes ansichtig wurden, beeilten sie sich, hievonden Konsul zu verständigen, im Einvernehmen mitwelchem dann binnen weniger Minuten die Reinigungdes Wappens bewerkstelligt wurde, ohne dass der Vor-fall weitere Folgen gehabt hätte."
In Folge der Bewegung, die in Italien nach derHinrichtung Oberdanks entstand, erliess die ital. Regie-rung („Gazetta ufficiale" vom 4. Januar 1883) eine In-struction an die Präfecten mit dem Bedeuten, dass sieunter ihrer Verantwortlichkeit die Personen, den Sitzund dasWappen auswärtiger Vertretungen vor jederInsulte zu' bewahren haben („di preservare da qualsiasioffesale persone, le sedi e le insegne delle Legazionie dei Consolati esteri").
Den meisten Lesern werden die „kroatischenWappenkrawalle" des Jahres 1883 noch in Erinne-rung sein. Alle Tagesblätter brachten im August undSeptember jenes Jahres breitest angelegte Leitartikel,von denen man übrigens nicht sagen kann, dass siedas Verständniss jener Vorgänge gefördert hätten.Das Thatsächliche bestand nach einer durchaus glaub-würdigen Mittheilung des damaligen Banus von KroatienPejacsevics darin: Im J. 1880 schon, nachdem derBanus kaum sein Amt angetreten hatte, meldete ihm