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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. V. 3.

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TTT. Abschnitt.

Das Wappenwesen der Gegenwart.

(Erot; betn Dernicbtungseifer, mit roetcbem bas \<). 3a*!rr(unbertgegen alle Ueberbleibfel bes Mittelalters cerfäbrt, fdjcint (bas tt>appen>tuefen) nicht nur con feinem Untergänge noij fetjr roeit entfernt 3Ufein, fonbern oielmeljr con ber bilbenben Kunft in ftets fteigenbemUmfange als ein fiödjft brauchbarer unb nnÜTommener §roeig ber©rnamenttf aufs ZTeue f/eniorgejogen, benutjt unb nacb ben bes-fallftgen Sebürfniffen bes Künftlers weiter entroicfelt 311 werben.

Grote, Gesch. d. Preuss. Wappens (1861).

1. Oapitel.öie Lebensfähigkeit des Wappenwesens.

Bei Gelegenheit der heraldischen Ausstellung schrieb2We Gegenwart herausgegeben von Th. Zolling No. 15vom 15. April 1882:

Ob der Herold von einer Wiedergeburt des Wappen-wesens in unseren Tagen reden kann, scheint uns frag-würdig. Man hat bereits angefangen, die Wappen-kunde, bisher die Domäne des Dilettantismus und derPhantasterei als wissenschaftliches Fach zu behandelnUnd es bleibt zu gewärtigen, ob sie sich wirklich zueinerzuverlässigen Hilfswissenschaft der Geschichte"entwickeln werde. Jedenfalls hat das WappenwesenWenig Zukunft. Der demokratische Geist hat die Heral-dik abgethan und jeder Wiederbelebunsgversnch dürftekläglich scheitern, so sehr sich auch der Adel dafürinteressiren mag. Das Wappen kann nicht mehr dasErkennungszeichen sein, denn wir reiten nicht mehrmit Rüstung- und Visirhelm vermummt zur SchlachtUnd Turnier. Auch als Familienzeichen, als Ornament

gewordener Familienname ist es ohne praktischen Werth.er Familiensinn ist uns leider sehr abhanden ge-kommen . . . Unsere moderne Zeit zeigt auf den Geld-8 ack und sagt mit Mephisto:

Sieh her, das ist das Wappen, das ich führe.In Ermangelung eines praktischen Zweckes hegtft ber in der Heraldik unleugbar ein ethischer, künstle-rischer Sinn. Was wäre die Kunst der Glasmaler, derGraveure ohne das Wappen, das stets auch eine Zierdedes Geräthes bildet ? Man sehe nur in der Ausstellung,wie diese bunten Schilde Leben und Stimmung machen \to In einer späteren Nummer bestätigte J. A. M.Mensinger (wahrscheinlich ist Mensinga zu lesen) dieRichtigkeit dieses Urtheils:noch geringer ist der Werthder Wappen als Familienzeichen; dieser ist ein reinjubjectiver, so viel oder auch so wenig als der Be-treffende ihnen beimessen will. Und welche Anstreng-ten auch gemacht werden, um die Wertschätzungderselben zu heben, es wird vergebens sein: sie sindnicht mehr zeitgemäß, sie sind schon, in VergleichungJjt früheren Zeiten bedeutend gesunken und werdenaI lmählich noch tiefer fallen. Freilich, es kann langedanern, bevor es so weit mit ihnen ist."tt Herr Th. Zolling täuscht sich gründlich! Wie«eraldik ist nicht abgethan, - man sehe nach derSchweiz') und man wird finden, wie trefflich sich da

. , 1) Herr Kantonsapotheker C. Keller-Escher in Zürich8c wieb mir im April 1886: ^. _.

s »Die Heraldik fand hier stets eifrige Pflege- Vonalteren Denkmalen erinnere ich (von der berühmten

Demokratie und Wappenwesen vertragen haben. EinGleiches ist in Hamburg der Fall, wo alle notablenBürgerfamilien ihr in Ehren gehaltenes Wappen führen.Nicht die Demokratie ist eine Feindin des Wappen-wesens , sondern der flache, schändliche Utilitarismus,der nichts achtet, als was er in Geld umsetzen odermit den Sinnen genießen kann. Diese Feindschaftfürchten wir nicht, sondern suchen sie uns zu erhalten.Nichts kann ehrenvoller sein!

In Schlacht und Turnei wird das Wappen seit 500beziehungsweise 400 Jahren nicht mehr zur Schau ge-tragen. Dieses Argument konnte also Herr Zollinggegen die Gegenwart nicht anführen; er wiederlegtsich sodann selbst, indem er auf denethischen, künst-lerischen Sinn" in der Heraldik hinweist. Die Prachtder heraldischen Ornamentik und der ethische Sinn des

Wappenrolle von Zürich nicht zu reden) z. B. nur ah.das prächtige Wappenbuch der Zürch. Burgerschaft,1604 von Dietrich Meyer, dem berühmten Kupferstecherin Jost Amann'scher Manier herausgegeben. Zahlreichez. Thl. sehr interessante Wappenbücher existiren inManuscript. Auf allen Gebieten des Kunsthandwerkeswurden die Wappen von Städten, Familien etc. stetsmit Vorliebe verwendet (Glasmalerei, Goldschmiede-arbeiten , Holzschnitzerei, Stickereien etc. etc.) Im16. und 17. Jahrhundert hatten wir hier Stempel-graveure und Steinschneider (besonders die FamilieStampfer) deren Arbeiten brillante Leistungen auf-weisen und von den geschicktesten Künstlern der Neu-zeit in Berlin, Wien und München nicht übertroffenwerden. Dies ist viel gesagt, aber Thatsache: Diesog. Stampfersiegel sind herrliche Werke in Bezug aufkorrekte Zeichnung sowohl, als auf Technik des Schnittes.Gegen Ende des XVIII. und Anfange des XIX. Jahrh.war auch hier eine trübe Zeit. Das Verständniß fürWappen ging auch gebildeten Leuten beinahe völligverloren Dann .legte in den 30 und 40er JahrenDr. Ferd. Keller (der die Wappenrolle der Vergessen-heit eutriss), der verdiente Alterthumsforscher, Gründerund Präsident derAntiquarischen Gesellschaft" diegrosse Siegelsammlung der Antiq. Ges. an. Im Jahre1857 begann Herr Wilhelm Tobler-Meyer die Heraus-gabe eines Wappenbuches der Büiger Zürichs, in Farben-druck und begleitet von einem sehr guten historisch-genealogischen Texte. Dieses Wappenbuch erlebte zweiAuflagen und ist längst vergriffen. Preis ca. 40 frs.,jetzt antiqurisch 100 -120 frs.! 1865 folgte als zweiterBand derAusgestorbene Adel von Stadt und Land-schaft Zürich", 51 Tafeln In Farbendruck (Gold undSilber) mit ca. 620 Wappen, und 225 Seiten Text inGrossquart! Wer sollte glauben, dass ein solches Unter-nehmen in der Republik rentiren würde 1"