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Geschichte der Heraldik. V. 2.
technikum in Dresden und der Kunstakade mie«inen Lehrstuhl für angewandte Heraldik zu gründen,und hielt auf Veranlassung des Prof. Graff an derKunstgewerbschule am 12. November 1877 zu Dresdeneinen Vortrag i ).
Der Gedanke fand bei Einzelnen, auch bei ein-flussreichen Persönlichkeiten vielen Anklang, er wurdeaber schliesslich doch von der Mehrzahl der Betheiligtenzurückgewiesen. —
Wenn nun auch die Heraldik als Wissenschaft sichwahrscheinlich niemals eine bleibende Stätte in denLehrplänen der Schulen erringen wird, so ist es dochziemlich sicher, dass die Lehrerkreise sich nach undnach dafür werden gewinnen lassen, einzelne Wappenfür den Anschauungsunterricht in Tier Geschichte zuverwenden. Einsichtsvolle Männer haben damit bereitseinen vielversprechenden Anfang gemacht.
Professor Dr. H. Schmidt hat 1877 eine Schulaus-
§abe des Preußischen Wappens nach der Allerhöchstenabinet's-Ordre von 1873 veranstaltet und dazu historisch-heraldische Erörterungen geschrieben'). Ueber denAnlass dazu schreibt er;
„Als der Unterzeichnete eine Abbildung des großenvervollständigten preußischen Wappens nach der Aller-höchsten Cabinetsordre vom 11. Aug. 1873 für dieRealschule in Görlitz anschaffen wollte, damit dieSchüler dasselbe gründlich kennen lernen und an ihmgewissermaßen die glorreiche Geschichteunseres Vaterlandes studiren könnten, mussteer sich zu seinem Erstaunen überzeugen, dass ein dazugeeignetes Blatt vollständig fehlt. Mehrfache an Kunst-anstalten gerichtete Aufforderungen die Anfertigungzu übernehmen, fanden keine Beachtung. So nahmdenn der Unterzeichnete die Sache in die Hand."
Von dem Tableau, welches 65 Centimeter hoch und47 Centimeter breit ist, sind drei verschiedene Aus-gaben zu 9, 15 und 50 Mark erschienen.
Professor Dr. William Pierson , Oberlehrer amDorotheenstädtischen Realgymnasium zu Berlin hielt am19. April 1882- in der Sitzung des Gymnasial- undRealschul-Lehrervereins einen Vortrag über ein Hülfs-inittel beim Unterricht in der preußischen Geschichte*).Dieses Hülfsmittel ist das große Staatswappen.Pierson sagt:
„Ich weiss aus meiner Erfahrung, dass eine Er-klärung dieses Bildwerks die Schüler in hohem Gradeinteressirt und ich glaube, der Gegenstand kann in derKlasse \ in einer Weise betrieben werden, dass dieSchüler,' davon ebenso Nutzen wie Vergnügen haben.
„Namentlich bei den Repetitionen in der Prima istdas Wappen ein sehr geeignetes Hülfsmittel. Es bietetAnlass, den Stoff nach den verschiedensten Gesichts-puncten zu gruppiren; jedes Wappenfeld eröffnet eineneue Gedankenreihe und alles einzelne hat doch wiedereine feste und bestimmte Beziehung zum Ganzen undunter sich."
„Dabei kommt die Anschauung dem Gedächtnissezu Hülfe . . .
1) Wie ich von einer Seite, die es wissen muss,erfahren habe, wurde dieser Vortrag im Manuscripteinem Bekannten geliehen, der ihn alsdann als seinWerk drucken ließ.
2) Breslau 1877 Maruschke und Berendt. gr. 4°.28 S.
3) Abgedruckt in der Zeitschrift für das Gymna-sialwesen 36. Band S. 544 ff.
„. . . . Innerhalb dieser Schranken aber wird dieWappenkunde uns gute Dienste leisten; — nicht alsselbstständige Disciplin, aber hülfsweisfe, gelegentlich,insbesondere am Schlüsse des historischen Cursus undnnd dem gereifteren Schüler gegenüber."
Ueber die Art, wie er den Gegenstand in derGlasBe behandelt, sagt der Verfasser:
„Ich leite ein mit einem Gespräch über Wappen.Ich erinnere die Schüler, dass sie in ihrem Leben schonhie und da Wappen gesehen haben; — Familienwappen,auf Briefsiegeln, auf Ringen; Staatswappen, an öffent-lichen Gebäuden, auf Geldmünzen, auf den Schilden vonHoflieferanten u. s. w. Ich lasse einige beschreibenund berichtige, wo es noththut. Was haben alle dieseWappen gemein ? Wie unterscheiden sich die gesehenenFamilienwappen von den bekannten Staatswappen ? Esergeben sich Gattungen. Es ergeben sich wesentlicheund unwesentliche Merkmale. Wir kommen durch Ein-theilung des Umfangs und durch Zergliederung des Inhaltszu einer Definition des Begriffs Wappen und im Beson-dern des Staatswappens. Beispiele zeigen, dass einsolches Abzeichen eines Staates außer seiner Hoheit undseinem Range oft auch seine Geschichte symbolisirt.
. „Sodann gebe ich einen kurzen historischen Berichtvon dem Wappenwesen . . .
„Nachdem so vom Wappen im Allgemeinen gehan-delt worden, stelle ich das preußische Wappen an dieTafel. . . . Ich richte die Aufmerksamkeit zuerst aufdie Haupttheile: das ist der Schild, das der Helm, dieSchildhalter, das Zelt, der Schmuck. Dann theile ichden Schild ein. . .
„ ... Bei dem letzten Wappenbilde . . . dem Ab-zeichen der Stadt Frankfurt a. M. i?t von der Wahlnnd Krönung der alten Kaiser, von der politischenStellung der deutschen Reichtstädte und sodann vonGöthe die Rede.
„Nun aber, nachdem das Wappen im einzelnendurchgenommen worden, muss der Stoff noch nach andernGesichtspuncten, als der heraldischen Reihenfolge,betrachtet und behandelt werden. Wir fassen die Ein-zelnheiten zunächst nach der geographischen Lagezusammen. Wie vertheilen sich diese Felder hier autdie 12 Provinzen des Staats? Daraus ergiebt sich danndie Antwort auf die Frage: Wie sind unsere Provinzenhistorisch entstanden? . . . Darauf eine Zusammen -Stellung in chronologischer Ordnung. ,
„Der Rückblick auf den Entwicklungsgang unadas Wachsthum Preußens lehrt, wieviel Mühe und Arbeitder Fürsten und des Volkes dieser stolze Bau gekostet ,wie Generation auf Generation daran gearbeitet undwieviel Grund wir haben, das Vermächtniß der Väterhoch und werth zu halten. — Wir erkennen ferner uidieser Geschichte den Triumph der sittlichen und intel-lectuellen Kräfte über die Ungunst der Natur unasehen in dieser Staatsschöpfung ein politisches Kunst-werk, dessen Studium zugleich belehrt, erfreut un<ierhebt."
Der Vortragende fand allgemeine Zustimmung.ebenso allgemein war aber die Klage, dass es ein 6zweckmäßige Schulausgabe des Wappens nicht gebe*Der Aufforderung eine solche zu veranstalten, kam *>•'Pierson bereitwillig nach. Zugleich erschien folgendSchrift: .
Das preujjtfcbe IDappen als IDanbtafet für ben S«l u ''nnterridjt. «rfldrt unb erläutert von prof. Dr. rütllia 1 ?pierfon. Berlin 1882. HJintfelmamt u. Söhne. 8° V*71 S.
Wollen wir hoffen, dass Dr. Pierson unter seine»Collegen recht viele Nachfolger finden werde!