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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. V. 2.

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oder unbewusst, mit dem Wappen den Adel verband;dann mag die Schuld bislang auch an den Persönlich-keiten gelegen haben, die sie pflegten und nicht imStande waren, ihre praktische Bedeutung zu erkennen;und schliesslich waren die heraldischen Schwärmereiender romantischen Periode so wunderlich in ihren Aeus-serungen, dass sie der Wissenschaft noch obendrein dieSchelle der Lächerlichkeit anhängten. In der jüngstenZeit, die sich auf so viel Verlassenes und Aufgegebenesaus dem Leben unserer Väter besinnt, die an allenEcken und Enden wieder aufzuwecken sucht, was inden traurigen Jahren der Armuth und Erschöpfung ein-geschlafen war, ist auch für die Heraldik ein neuerTag angebrochen."

Dr. A. Rosenberg schrieb in derPost:"Mit freudigem Erstaunen sehen wir, welche Schätzerastloser Sammeleifer hier vereinigt hat nnd mit wel-cher Selbstlosigkeit diese Schätze für den gemeinsamenZweck zur Verfügung gestellt worden sind. Der Nutzenden die Kunst- und Kulturgeschichte neben derHeraldik aus dieser Ausstellung zieht, liegt auf derHand. Daneben kommen auch Interessen von eminentPraktischer Bedeutung in Frage. Unsere Kunst-Industriehat durch Ausstellungen kunstgewerblicher Alterthümereine so reiche Fülle von Anregungen erhalten, dass siem einem Jahrzehnt einen geradezu erstaunlichen Auf-schwung genommen hat. In diesem Sinne wird auchdie heraldische Ausstellung wirken. Mehr als todtevorlagen und Musterbücher gilt der sinnliche Eindrucku Hd die plastische Form , und deshalb ist der Besuchder Ausstellung allen Kunstgewerbetreibendeu und ihrenMitarbeitern bis zum Lehrling herab dringend zuempfehlen."

Die meines Erachtens am besten geschriebenen Be-lebte, aus der Feder des bekannten KunstkritikersLudwig Pietsch, hat die Vossische Zeitung (Königl.Privilegirte Berlinische Zeitung von Staats- und gelehr-ten Sachen) gebracht.

Lediglich als Curiosum ist eineZeitung für dieHeraldische Ausstellung'' und ein derselben beigefügtesautographisches CorrefpondenzblattHeraldische Nach-richten" zu erwähnen, die, von einem Tageschreiberre digirt, einen gänzlich werthlosen Inhalt hatten.

Im Uebrigen verweise ich auf folgende Schriften:

Katalog der heraldischen Ausstellung zu Berlin2 882. Bearbeitet von Ad. M. Hild ebrandt H. 8.Professor. Berlin. Carl Heymanns Verlag. 1882. 80.VII. 228 S.

EJjcralbifdje nTciftcrmerfe ooti bcr 3ntcrnationaIen 3Ius-c Hung für Ejeralbif 31» Berlin im 3arjre (882. 3n ficht'"«tf bargeftellt mit erflärenbem (Eejt von profeffor 21b.2J- EjHbebranbt. Ztifolai'fcbe Dertagsbucbbanblung,** Strirfer. (1882) fol. 100 Tafeln mit Text.^ Eine Special-Ausstellung von Darstellungen desHamburger Stadtwappens fand im Jahre 1885lu Hamburg statt. Die dortigen Zeitungen brachten im^PrÜ des genannten Jahres folgende Notiz:

Das Hamburger Wappen wird an Erzeugnis-® e u des Kunsthandwerks und selbst an öffentlichenbauten sehr häufig in unkünstlerischer, eben so sehrgegen den guten Geschmack wie gegen die Regeln der*feroldskunst verstoßenden Weise dargestellt. Um die«j eichner auf einen richtigen Weg zu leiten, beabsich-tigt das Museum für Kunst und Gewerbe, als-bald nach dem Schluss der Ausstellung des Vereins fürnatur w i S8engc ij a ftii c be Unterhaltung eine Ausstellung zuVeranstalten, welche ausschliesslich solche Gegenständefassen soll, an welchen das Hamburger Wappen ab-gebildet ist. Da die Sammlungen der Anstalt nur^»ige Stücke dieser Art besitzen, wendet sich deru, *ector mit der Bitte, durch leihweise Ueberlassung

geeigneter Alterthümer oder neuzeitiger ausgeführterArbeiten oder Abbildungen das Unternehmen zu fördern,an Alle, welche derartige Stücke besitzen."

Eine vortreffliche Beschreibung der Ausstellungaus der Feder des Herrn Dr. Hermann Hartmeyerbrachten die Hamburger Nachrichten, beginnend mitder Nummer vom 17. Mai 1885. Der Inhalt des Be-richtes ist folgender:

Zur Einführung. I. Die Siegel. IL Secrete undSignete. III. Die Münzen. IV. Nachträge: Alte Siegel,Behörden-Siegel und Münzen. (Aus dem LübeckerStaatsarchiv). V. Die Miniatur des Stadtrechts von1497 , Druckwerke, Grundrisse, Pläne, Stadtansichten.

VI. Sculpturen. Keramik, Darstellungen auf Gegenstän-den in Metall und .anderen Stoffen, Waffen und Fahnen.

VII. Die Flagge, behördliche Siegel und Stempel,amtliche und nichtamtliche Abzeichen, Marken etc.,modernes Kunstgewerbe, neuere Diplome und Zeich-nungen, neuzeitliche heraldische Werke, Rückblick.

Zu bedauern ist es, dass die wichtigsten Ergeb-nisse der Ausstellung nicht durch einen illustrirtenBericht dauernd festgehalten wurden.

14. Capitel.

Das Wappen als Hülf&mittel beim Unterricht»

Vorübergehend war auch in unserem Jahrhundertdie Heraldik als Unterrichtsgegenstand auf den preus-sischen Hochschulen zugelassen. Einen förmlichen Pro-fessor der Heraldik scheint jedoch nur Bonn in derPerson des Gattererianers Bernd gehabt zu haben.Derselbe schreibt in der Vorrede zur Schriftenkunde:

Jetzt, wo derGegenstand (die Wappenwissenschaft),wieder überall sein altes Ansehen gewinnt, oder be-hauptet, wo dieselbe aufdenHochschulen Preus-sens neben der Urkundenwissenschaft undder damit verbundenen Siegellehre ein Gegenstanddes Unterrichts wiederum geworden ist, geziemtes sich, dass auch sie nicht länger eines Werkes er-mangele, aus welchem man den ganzen Umfang der-selben .... kennen lerne. Dem Unterzeichneten istdurch seine Stellung diese Angelegenheit so nahegebracht, dass er es gewissermaßen als ein Ehrensachebetrachtet, das Recht der Wappenwissenschaft, sichden übrigen Wissenschaften an die Seite zu stellen alseine solche, die auch ihre Bedeutung ja selbst Wichtig-keit hat, und ein ansehnliches Schriftenwesen besitzt,zu behaupten und zu beweisen."

Seit dem Tode Bernds ist indess dieser Lehrstuhlunbesetzt geblieben und der wissenschaftliche Apparat,den er geschaffen, scheint verloren gegangen zu sein.Die Wiedereinführung dieses Unterrichts-Gegenstandes istseitdem zwar öfters unter den Fachgenossen zur Sprachegekommen, jedoch ohne jeden greifbaren Erfolg, waaich von meinem Standpuncte aus auch durchaus nichtbeklagen kann. Für die Heraldik ist es am besten,wenn sie eine freie Wissenschaft bleibt.

In der neuesten Zeit ist von Dr. 0. T. v. Hefner(Altbayer. Heraldik §. 260) ein Unterricht in der Heral-dik sogar für höhere Töchterschulen empfohlen worden.Er schreibt:

Ich hielte es für sehr nutzbringend, wenn in denhöheren Klassen der Mädcheninstitute Heraldik ge-lehrt würde. Man könnte nicht nur die Geschichtedabei auf eine angenehmere und nachhaltigere Weise,,als dieß in der Regel der Fall ist, doziren, sondernauch den Kunst- und Farbensinn wecken und fürweibliche Handarbeiten eine ergiebige Quelle eröffnen."Detlev Freih. v. Biedermann ging (wie das Jahrbuch V.des Adler berichtet) mit dem Gedanken um, am Poly-