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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. V. 1.

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Das stets anwesende Sinnbild von dem Panier desVaterlandes muss jeden, der es in der Kokarde trägt,mit der Erinnerung an seine heiligsten Pflichten doppelterfüllen.

Gegeben zu Breslau d. 22. Febr. 1813.

Friedrich Wilhelmv. Hardenberg.

An eine Uniformirung der sich in den Dienst desVaterlandes stellenden Freiwilligen war nicht zu denken.Ernst Moritz Arndt, der unvergessliche Dichter derBefreiungskriege, schrieb im J. 1813 eine Anleitung»Was bedeutet Landsturm und Landwehr? In Bezieh-ung auf die Länder zwischen der Elbe und dem Rhein",in welcher es heisst:

„Aeußere Zierlichkeit ist nicht Noth , wo nur dasHerz und der Arm gefordert wird. . . Für einen Vater-landskrieger bedarf es nur warmer Kleidung und Wehrund Geschütz, und nichts weiter; . . . Doch muss eingemeinsames Zeichen seyn, woran alle Deutsche, welchefür das Vaterland ausziehen, sich erkennen mögen. Dasind neben dem Zeichen der Landschaft zwei Zeichendie besten:

„1) ein Kreuz, woran einSchwert hängt; dasKreuz weist auf die Heiligkeit der Sache, dasSchwert auf den Rachekrieg gegen die fremdenUnterdrücker; —„2) ein bloßes S ch wert m it Eichenblättern;Eichenlaub war weiland der Lorbeerkranz derDeutschen, die Eiche ist Deutschlands rechterBaum; das Schwert bedeutet Krieg gegen dieFremdlinge."

In den Oranien-Nassauischen Landen bildete jederder sieben Cantone ein „Banner" des Landsturms. EineVerordnung des Ministers Frh. v. Gagern d. d. Dillen-Wg 22. Januar 1814 bestimmte:

„Es ist keine Uniform vorgeschrieben, blau mitrothen Aufschlägen aber und die grüne Farbe derJäger erlaubt, Es müssen Orange-Cocarden undgrüne Zweige, von den Offizieren Orangebinden umden Arm, von den Ober- und Unterbannerherrn solcheSchärpen getragen werden". .

Eine weitere Verordnung vom 29. Mai 1814 be-stimmte einen auf dem Hute oder Tschako zu tragen-den grünen Zweig als Zeichen des Dienstes.

Die für die Befreiungskriege in Preußen neuerrich-teten Regimenter mussten ohne Fahnen ins Feld ziehen;sie erhielten aber dieselben nach dem Kriege als ehrendeAnerkennung ihres Wohlverhaltens. Später erhieltenauch die bisher fahnenlosen Jäger- und Schützen-Com-pagnien sowie die Artilleriebrigaden ihre Fahnen.

Die Fahnen und Flaggen waren zu jener Zeit alsvolkstümliche Abzeichen einer durch äußere Veran-lassungen erhöhten vaterländischen Gesinnung lastUnbekannt. Trotz eifrigen Suchens habe ich nur fol-genden Fall ermitteln können.

In den Oranien-Nassauischen Erblanden wurdeam 24. Aug 1814 der Geburtstag des souverainenFürsten Wilhelm feierlich begangen. In einer Fest-ßeschreibung heisst es: „Oranienfahnen weheten vondenKirchthürmen,und Oranienbänder und Cocar-den schmückten jeden Hut"').

Es war eben der Begriff der Landesflaggen inganz Deutschland damals noch unbekannt und erst jetztwar der Boden geschaffen auf dem er sich entwickelnkonnte. Zunächst ist es aber keineswegs ein nationa-les Bedürfniss, sondern lediglich ein Interesse derSchifffahrt, das Befriedigung heischend hervortritt.

T 1) Oranien-Nassauisches allgem. Verordnungs- undJntelligenzbl. 1814. Nr. 36.

Eine Bestimmung über die Landes flagge 2 )wurde für Preußen, das seit 1815 einen weiten Küsten-strich an der Ostsee hatte, und das eben im Begriffewar, eine Kriegsflotte zu errichten, zur Notwendig-keit. Im Jahre 1816 wurde das erste preussischeKriegsschiff, der Schooner „Stralsund" erbaut, für deneine Flagge geschaffen werden musste. Es wurdendem König drei verschiedene Entwürfe vorgelegt, überwelche sich einErlass des Kriegsrainisters von Boyenvom 28. Novbr. 1816 wie folgt ausspricht: „Die (Zeich-nung) mit dem schwarzen Adler auf orangefarbigemGrunde und dem eisernen Kreuze auf weissem Feldehatte nicht Allerhöchst Ihren Beifall und eben so wenigdie mit weissem Grunde, auf welchem der schwarzeAdler in schiefer Stellung gemalt ist. Seine Majestäthaben dagegen die gewählt, auf welcher der Adler einegerade Stellung nach alter Form hat und das eiserneKreuz mit befindlich ist." Die gewählte Flagge hattenach einer genaueren Beschreibung weisses Grundtuch,in der Mitte den preußischen Adler') in gerader Stel-lung und in der oberen linken Ecke das eiserne Kreuzund war ausgezackt.

Nach einiger Zeit wandte sich das englische Ma-rine-Departement durch den Gesandten in Berlin an dasMinisterium der auswärtigen Angelegenheiten um Mit-theilung einer genauen Zeichnung der preußischenNationalflaggen, behufs einer anzulegenden Sammlungder Nationalflaggen sämmtlicher europäischen Staaten.Es wurde die Hauptflagge, die Königliche Flagge unddie ordentliche Handelsflagge gewünscht. Von Schwe-den kam eine Beschwerde über die Kauffahrer desehemals schwedischen Pommern , welche fortfuhren, dieschwedische Schifffahrtsflagge zu .gebrauchen. Es wardemnach ein dringendes Bedürfniss, über die preußischeFlagge eine Bestimmung zu treffen.

Am 22. Mai 1818 erging folgende Cabinetsordre:

„Auf Ihren Bericht vom 1. Januar d. J. geht MeineBeschliessung in Absicht der sogenannten ordentlichen

2) Die Wappenverordnung von 1817 kennt nur einReichspanier, welches wie folgt beschrieben wird:„Ueber (dem Thronzelt) befindet sich das KöniglichPreußische silberne Reich Spanier, auf welchem derKönigl. Preußische schwarze Adler, ebenso wie im Wappenzu sehen ist. An einem jeden Ende der Querstange isteine Königliche Krone und die Querstange fasst mitbeiden Füssen ein Königlich Preußischer schwarzerAdler, welcher zum Auffluge bereite Flügel hat."

3) Der Minister der auswärtigen Angelegenheitenmachte in einemErlasse vom 18. Nov.1818 darauf aufmerk-sam, dass in derKriegsflaggederAdler nicht derVerordnungwegen des KöniglichenWappens vom 9. Januarl817 gemässgezeichnet sei. „Die Königliche Krone auf dem Kopfedes Adlers ist inwendig roth gefüttert, was unheraldischist. Diese Krone muss nur die Reifen einer KöniglichenKrone haben und gar nicht gefüttert seyn; ein ganzwesentliches und gar nicht gleichgültiges Erforderniss.Die Stutenfolge war folgende: Churfürst Friedrich Wil-helm der Grosse führte den Churhnt Anfangs seinerRegierung. Von der Zeit der erlangten Souverainetätdes Herzogthums Preußen an führte er eine KöniglicheKrone, die aber inwendig einen Hut hatte. Als Fried-rich I. die Preussische Königswürde erhielt, führte erdie Königliche Krone ganz offen ohne jenen Hut, undso ist sie fortwährend geführt worden und muss fort-während geführt werden Ein anderer Fehler besagterZeichnung ist, dass der Namenszug F.R. in Gold aufder Brust des Adlers, der dritte, dass auf dem golde-nen Zepter in des Adlers rechter Klaue der kleineschwarze Adler fehlt. Der vierte Fehler der Zeichnungist, dass der Adler, anstatt die Zunge herauszustrecken,sich in die Zunge beisst."