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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. V. 1.

den Reichs Fahnen, das ist ein schwartzer Adler mitzwey Köpffen in gelbem Feld, Das dritt tregt der DauidLang, den Beheymischen Fahnen, das ist ein weisserLow in einem roten Feld, im Nachzug seind noch anderzween Fahnen gewesen, den einen hat getragen derThoman Bampt, Königlicher Wirde zu Beheymetc. Liuere oder Farben, wie oben von dendrey Farben, Und den andern auff diesen Nachzugtrug Frantz Wildbret den Alten Oesterreichischen Fah-nen , das ist fünff gülden Lerchen in einem blawenFeld."

Die Flagge.

Mit der Entwicklung der Schifffahrt auf grossenWasserstrassen (wie der Rhein) und auf der See ent-stand für die Uferstaaten des Bedürfniss eines Abzei-chens , an dem man Freund und Feind unterscheidenkonnte. Auch hier kam schon frühzeitig die Fahneoder — wie das frühestens im 16. Jahrhundert in dendeutschen Sprachschatz übergangene Kunstwort lautet— Flagge 1 ) in Gebrauch.

Ein altes Abzeichen christlicher Seefahrer ist dasKreuz, durch das sie sich auf den ersten Blick in frem-den christlichen Häfen als friedliche Gäste zu erkennengaben. Wir finden denn auch in den Flaggen fast allerseefahrenden christlichen Völker Europas das Kreuz alsgemeinsames Zeichen, welches für die einzelnen Völkerdurch Farbe oder Form zu einem engerem Unterschei-dungszeichen wurde.

Die Geschichte dieser Schifffahrtsflaggen ist nochnicht geschrieben: man müsste, um sie schreiben zukönnen, Zutritt zu allen Archiven Europas haben. In-dess liefert uns die im Uebrigen werthlose Schrift desGeorg Andreas Böckler, der alsArchitect von diesenDingen eine den heraldischen Schriftstellern seiner Zeitnicht eigene Kenntniss gehabt haben mag, einen inte-ressanten Beitrag. Derselbe theilt (1688) in dem Capi-tel von den Heroldsfarben eine Reihe von Fahnenbildernin Abbildung und Beschreibung mit. Er sagt:

Fig. H. Ist eine Frantzötzische Flaque oderFahne, wie sie auf den Schiffen gebrauchet wird, hatein weisses Creutz in einem blauen Feld.

Fig. J. Ist eine Englische Fahne, hat ein rothesCreutz in einem weissen Feld.

Fig. K. Ist eine Spanische Flaque hat von denvier Ecken ein überzwerg-gekehrtes rothes [geastetesAndreas-] Creutz in einem weissen Feld;

Fig. L. Ist eine Holländische Schiff-Fahne, hatin der mitten ein weisses Band und ist das obere Feldroth und das untere blau. [Tricolore roth-weiss-blau]

Fig. M. Ist eine Dähnische Fahne, hat einweisses Creutz in einem rothen Feid.

Fig. N. Ist eine S ch ottische Fahne, hat einweisses überecktes Creutz in einem rothen Feld. [Formwie bei Spanien]

Fig. 0. Ist eine Maltheser Fahne, hat einweisses Maltheser-Creutz in einem rothen Feld.

Fig. P. Ist eine Türkische Fahne hat einenweissen Mond, mit übersieh gekehrten Spitzen in einemgrünen Feld.

Fig. Qu. Ist eine Königliche FrantzösischeFahne mit 3 güldenen Lilien in einem weissen 'nachder Abbildung blauen) Felde.

1) Dasselbe stammt in dieser Form (/lag) ans Eng-land, führt aber wohl mit dem deutschen Worteflackern auf ein gemeinsames Wurzelwort zurückebenso wie das deutsche Wort Fun te (Gewehr) mitdem englischen flint (Feuerstein).

Zu mehreren Verstand [?] hat man über vorigesnoch sechserley Creutz zumereken:

Fig. R. Das Frantzösische ist weiss [abge-bildet ist ein schwarzes Kreuz in Silber, wahrscheinlichsollte die Figur H. wiederholt werden.]

Fig. S. Das Englische ist gelb [in Weiss].

Fig. T. Das Spanische (hier als gemeines Kreuzabgebildet) ist roth [in Weiss].

Fig. U. Das Italiänische ist blau [in Weiss].

Fig. X. Das Teutsche ist schwartz [in Weiss].

Fig. Y. Das Sächsische ist grün [in Weiss].

Böckler dürfte als Binnenländer, dem der Gebrauchder Flaggen aus eigener Anschauung nicht bekanntsein konnte, selbst nicht klar gesehen haben, da eruns sonst die Concurrenz der Figuren J u. S, K u. T.erklärt haben würde.

Wie übrigens zwischen diese Zeichen, die fast aus-schliesslich Seeflaggen 2 ) darstellen, ein sächsischesKreuz kommt ist ein noch schwerer zu lösendes Räthsel,man müsste denn annehmen, dass Sachsen für die Elb-schifffahrt dasselbe angenommen hat. Abgesehen hievongewährt uns Böckler einen werthvollen Beitrag zurGeschichte der sächsischen Landesfarben die noch heuteGrün- Weiss sind.

Die von Böckler gegebene holländische Flaggewird ebenfalls bis heute von dem Königreich der Nie-derlande als Kriegs- und Handelsflagge geführt.

Die neue Fahne.

Das Jahr 1813 bezeichnet einen Wendepunkt imVolksleben Deutschlands. Der Befreiungskrieg geg ettFrankreich war ein Werk des Volkes, dessen Hassgegen den fremden Bedrücker lange unter der Aschen-hülle des Terrorismus fortgeglüht hatte und jetzt nu*so elementarer Gewalt hervorbrach, dass er selbst denKönig, dessen Bedenken und Zögern sich aus der autihm wuchtenden Verantwortlichkeit leicht erklären lässt,mit sich fortriss. Die preußischen Soldaten und ihr 0Führer waren ohnehin von demselben Geiste beseelt,wie das Volk. Zum Niederwerfen des Feindes gab daspreußische Volk sein bestes Blut darau, die Sache derArmee war die Sache des Volkes. Es war eine jenerZeiten,in denen sich ein sonst arbeitsames, ruhiges Volk ganz denAngelegenheiten des Vaterlandes hingiebt. In solchenAugenblicken verlangt das Volk nach Abzeichen, durchwelche es seiner Gesinnung Ausdruck geben kann.

König Friedrich Wilhelm III. kam dem Bedürfnissedurch folgende Verordnung entgegen:

Wir Friedrich Wilhelm etc. In Erwägung,dass die herzerhebende allgemeine Äusserungtreuer Va terlan ds 1 iebe ein äusseres Kenn-zeichen derselben für alle Staatsbürgerfordert, verordnen: dass

1) auch ausser dem Kriegsdienste von aller*Männern, die das zwanzigste Jahr zurückgelegthaben, die Preuß. Nationalkokarde von bekann-ter Form, schwarz und weiss am Hute getragenwerden soll, wenn diese Ehre von ihnen nicnvverwirkt ist; .

2) die Kokarde wird getragen von allen, welche i»Unserem Staate geboren sind, oder die RechtUnserer Unterthanen durch Ansiedelung "deEintritt in Unseren Dienst erlangt haben; .

3) das Recht, die Kokarde zu tragen, wird verwirK*durch Feigheit vor dem Feinde, durch die i^Stimmung des heutigen Gesetzes über das Auweichen des Kriegsdienstes und durch Festungoder Zuchthausarrest mit Strafarbeit verbunden.

2) Die „Seestadt* Leipzig eristirt nur in der ko-mischen Literatur.