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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. V. 1.

Die Stadt München hatte schon vorher am 5. März1808, folgendes neue Wappen erhalten:

Ein offenes Portal mit zwei dorischen Säulen oberdessen Schwibbogen eine Königskrone ruht. Untenzwischen den beiden Piedestalen steht ein streitfertiger,links sehender Löwe ohne Krone der in der rechtenPranke ein blankes Schwert, in der linken aber einensilbernen Schild hält, worauf der lasurne Buchstabe Mbefindlich ist."

Noch im Jahre 1819 wurde in Bayern für dieReichsräthe (Mitglieder der Ersten Kammer) eineheraldische Auszeichnung nach dem Muster des napo-leonischen Abzeichens für die Senatoren-Grafen in Aus-sicht genommen. Eine EntSchliessung des Königs Maxi-milian Joseph d. d. München 30. Juni 1819 besagt:

Auf die von dem Präsidio der Reichsräthe Unsunterm 20. Februar 1. J. übergebene Vorstellung undBitte, die Bewilligung einiger Ehren-Vorzüge betreffend,sind Wir bewogen worden, Folgendes zu beschliessen:

3. den erblichen und lebenslänglichen Reichsräthensoll nach vorgängiger Vernehmung des Herolden-Amteseine heraldische Auszeichnung im Wappen be-williget werden, von welcher die erblichen Reichsrätheso lange, als die Reichsraths-Würde constitutionsmässigbei ihrer Familie bleibt, die Lebenslänglichen aber biszu ihrem Tode Gebrauch machen dürfen."')

Einen Vorschlag') in dieser Richtung machteMartin Carl Wilhelm v. Wölckern im Jahre 1821:

Die königliche Verordnung, die den Herren Reichs-zu bewilligenden Ehrenvorzüge betreffend, hat mir Ver-anlassung gegeben, einen Versuch zu machen, obigeFrage zu beantworten ....

. . . . so würde ich das Schildeshaupt in demWappen der Herren Reichsräthe, mit rother Purpur-farbe tingiren, und in der Mitte desselben einen hell-leuchtenden goldenen Stern setzen.

Purpur ist die Farbe des hohen und höchstenAdels, wozu die Herren Reichsräthe, sowohl wegen ih-rer hohen Geburt, als wegen ihrer hohen Würde ge-hören, und der Stern bezeichnet in der Heraldik nichtnur den Buhm, sondern auch, dass diejenigen, die denStern führen, andern vorleuchten sollen, und er scheintmir daher ein Bild zu seyn, welches den Tugenden undder Weisheit der Herren Reichsräthe vollkommen ent-spricht.

Da inzwischen das purpurne Schildeshaupt mitdem Stern leicht für ein Bild erklärt werden möchte,das jedem hohen Adel, gleichviel von welcher Nation,zukomme, so könnte dasselbe mit einer von Blau undSilber schrägrechts geweckten schmalen Einfassung um-geben und dadurch bestimmt ausgesprochen werden,dass von Sternen die Rede sey, die im KönigreichBaiern glänzen."

Die ganze Sache kam jedoch vernünftiger Weisenicht zur Ausführung.

Mit dem Sturze Napoleons verschwand in Frank-reich auch die Napoleonische Heraldik. Ich bemerkegleich hier, dass sie von Napoleon III. nicht wieder ein-geführt wurde. So behielt z. B. die Stadt Paris nachdem Staatsstreiche ihr mit den Lilien besäetes Schildes-hanpt im Wappen and sie behielt es auch 187.0 nach

1) Allgemeines Intelligenz-Blatt für das KönigreichBaiern. 1819. No. 32 S. 625.

2) In den Beschreibungen aller Wappen etc. I. Abth.Nürnberg 1821. S. IX f.

der Absetzung des dritten Napoleon bis auf den heu-tigen Tag.»)

2. Capitel.Die Erneuerung Deutschlands.

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paar!Fürst Hardenberg auf dem WienerCongress (3. Decbr. 1814).

Der Frühling des Jahres 1813 brachte endlich dienationale Erhebung, die allein im Stande war, das Va-terland von der Schmach der Fremdherrschaft zu be-freien. König Friedrich Wilhelm III. von Preussen, vonder Begeisterung des Volkes getragen, erliess zu Bres-lau am 17 März 1813 den berühmtenAufruf an meinVolk", der den Kampf für die Freiheit einleitete. Am12. August erklärte Oesterreich an Frankreich denKrieg und in der zwölften Stunde, am 8. October wandtesich auch Bayern von Napoleon ab. König FriedrichAugust von Sachsen dagegen vertraute bis zuletzt demSterne des Corsen. Nach dem 18. October zwar wollteer sich den Siegern anschliessen. Aber das verlangteGehör wurde ihm nunmehr versagt und er mnsste sichals Gefangener nach Berlin begeben.

Mit der Völkerschlacht hatten der König von West-falen, die Großherzöge von Frankfurt und Berg ihrepolitische Existenz verloren. Der König von Preussen,der Kurfürst von Hessen, die Herzöge von Braunschweig-Wolfenbüttel und von Holstein-Oldenburg, der Fürstvon Oranien-Nassau nahmen ihre früheren Gebiete dies-seits des Rheins wieder in Besitz.

Dagegen wurde das Gebiet'des Königs von Sachsen,des Fürsten von Isenburg und des Fürsten von der Leyenvon den Verbündeten besetzt.

Im November und December 1813 wurde in Frank-furt ein Congress abgehalten, auf welchem der Rhein-bund in aller Form aufgelöst wurde. Durch einen be-sonderen Vertrag garantirten sich die deutschen Fürstendie Fortdauer ihrer Souveränetät jedoch mit der Clausel,dass sie sich alle die Modifikationen gefallen lassenmüssen, welche die künftige Verfassung Teutschlandsnöthig machen wird."

Das neue Jahr 1814 brachte den Feldzug in Frank-reich, der am 30. März mit der Capitulation von Pari»endete. Der französische Senat beschloss am 2. Aprildie Absetzung Napoleons, der am 20. April nacli Elbaging-

Nunmehr kehrten die Bonrbonen nach Frankreichzurück, Ludwig XVIII. zog am 3. Mai in Paris ein.Mit ihm schlössen die Verbündeten den Frieden vonParis am 30. Mai 1814, dessen Artikel VI bestimmt:les etats de l'Allemagne seroiit independans et uni»par un lien federatif." Die definitive Gestaltung derneuen Verhältnisse war dem Wiener Congresse vorbe-halten, der am 1. Novbr. 1814 eröffnet wurde.

3) Wappendarstellnngen auf amtlichen Drucksache»der Stadt Paris.