Druckschrift 
Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
Seite
687
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Geschichte der Heraldik. V. 1.

687

2. über dem linken Quartier des Mittelschildes 8goldene Lilienstäbe um ein silbernes Herzschildchen(worin ein Smaragd sich befindet) im Kreise gesetztauf rothem Felde (wegen dem Herzogthume Kleve).

3. In der Mitte von beyden ist ein rother zurrechten Seite aufspringender Löwe mit einer blauenKrone im silbernen Felde (wegen dem HerzogthumeBergen).

4. Links gegenüber ein ebenfalls zur Rechtenspringender schwarzer Löwe, über welchen ein silbernerSchrägbalken zieht, in goldenen Felde (wegen demFürstenthume Bamberg).

5. Am Ecke rechts sieht man ein schrägrechts ge-legtes von Roth und Silber geviertheiltes und zweimalgekerbtes Fähnchen an einer goldenen Lanze (wegendem Fürstenthume Würzburg).

6. Gegenüber links ein von Roth und Silber dieLänge herabgetheiltes Feld (wegen dem FürstenthumeAugsburg).

7. In der mittlem Reihe nebst dem Stammschildesind 4 Hauptquartiere nämlich rechts das Brustbildeines roth gekleideten mit Gold gekrönten Mohren imsilbernen Felde (.wegen dem Fürstenthum Freising).

8. Links ein zur Rechten springender rother Wolfin silbernen Felde (wegen dem Fürstenthume Passau).

9. Rechts an der äussern Seite ein roth und blauquer getheiltes Feld (wegen dem FürstenthumeKempten).

10. Links gegenüber drey in die Quere getheilteFelder, wovon das mittlere blau, das obere und untereaber silbern und nach Art der Wartschilde damaszirtist (wegen der Laudgrafschaft Leuchtenberg).

In den dritten oder unteren sind wieder sechsHauptquartiere; nämlich

11. Unter dem Mittelschilde rechts ist ein auf dreigrünen Hügeln stehender rother Löwe im silbernenFelde (wegen der gefürsteten Grafschaft Mindel-heim).

12. Links daneben sieht man eine aus drey Reihenvon Roth und Silber gewürfelte Binde oder Schachbalkenim goldenen Felde (wegen der Grafschaft Mark).

13. Gegenüber- rechts drey rothe Sparren im silber-nen Felde (wegen der Grafschaft Ravensburg).

14. Links ein halber weisser, den Kopf nach derlinken Seite haltender Adler im rotheu Felde (wegender Grafschaft Ottobeuren). ,

15. Rechts am Ecke ein zur rechten Seite gekehr-ter auf einem goldenen Streifen stehender silbernerElephant im rotlien Felde (wegen der GrafschaltHeuenstein).

. Links gegenüber eine rothe Burg mit zweiThürmen im silbernen Felde (wegen d.r Herr schaltRothenburg). , _

Im Mai 1804 war Napoleon Erbkaiser der Franzosengeworden und am 11. Aug. 1804 hatte sich der deutscheKaiser Franz zugleich zum Erbkaiser von Oesterreich«»klärt. Damit war Oesterreich thatsächlich vomdeutschen Reiche getrennt und es bestand nur nocheine sogenannte Personal-Union der alten und neuenKaiserwürde. , t

Das unglückliche Unternehmen der sogenanntendritten Coalition endete am 26. Deebr. 1805 mit demPressburger Frieden, in welchem (Art. VII) der Kaiseivon Deutschland und Oesterreich die Kurfürsten vonBayern und Württemberg als Könige anerkennenmusste Disselben sollten nicht aufhören, demDeutscheu Bunde (Confedöration Germanique) anzuge-hören, gleichwohl aber volle Souveränetat in ihrenLanden gemessen. , f

a Durch denselben Tractat wurde Bayern veranlasst,«as Fürstentum Würzburg an den bisherigen Kur-

fürsten von Salzburg abzutreten, der seine Kurwürdeauf Würzburg übertragen durfte. Bayern erhielt 600Quadratmeileu in Schwaben und Tyrol. In ähnlicherWeise wurden auch Württemberg und Baden, NapoleonsBundesgenossen, bedacht.

Am 1. Januar 1806 wurden in München und Stutt-gart die neuen Königswürden feierlich proclamirt.

Und nun folgte das letzte, traurige halbe Jahr desRömischen Reichs deutscher Nation. Napoleon arbeitetedaran, dem Verhältniss zu seineu deutschen Bundes-genossen eine organische Gestalt zu geben und nochandere deutsche Fürsten in den Bund hineinzuziehen.

In Nassau hatte die Regierung zu Ehreubreitsteindie Anzeige erstattet,dass das bisherige Regierungs-Siegel längst unbrauchbar geworden und dass ein neuzu stechendes unentbehrlich geworden sei." Es wurdedarauf im Cammertags-Protokoll d. d. Weilburg 7. Mai1806 verfügt:

Zu antworten: wie man eines Theils noch mitder fürstlichen Seniorats - Regierung zu Wiesbadendieserhalben in Correspondenz stehe und andernTheils auch gerat hens ein möchte, das Endeder dermaligen politischen Crise abzu-warten."

Das hier vorgesehene Ereigniss war der unter demProtectorate Napoleons stehende Rheinische Bund,der 66 Tage später proclamirt wurde.

Die Conföderations - Acte der rheinischen Bundes-staaten d. d. Paris 12 Juli 1806. bestimmt in Art. 3.

Jeder der conföderirten Könige und Fürsten wirdauf jene seiner Titel, welche irgend einen Bezug aufdas deutsche Reich ausdrücken, Verzicht leisten undam ersten nächsten Monats August dem Reichstageseine Trennung von dem deutschen Reiche anzeigenlassen."

Die hiebei betheiligten Fürsten waren die Königevon Bayern und Württemberg, der Kurfürst-Erzkanzler,der Kurfürst von Badeii, der Landgraf von Hessen-Darmstadt, die Fürsten von Nassau-Usingen und Nassau-Weilburg, die Fürsten von Hohenzollern-Hecbingen undHohenzollern - Sigmaringen und einige andere seitdemmediatisirte Fürsten.

Nach Artikel 4 u. 5 nahmen der Kurfürst-Erzkanzlerden Titel eines Fürsten Primas, der Kurfürst von Baden undder Landgraf von Hessen-Darmstadt den Titel als Gross-herzoge, das Haupt des Hauses Nassau (Usingen) denTitel eines Herzogs an

Die Lossagung der vereinigten Fürsten vom deut-schen Reiche erfolgte so wie sie vereinbart war. Da-mit war das Reich gesprengt. In einer Urkunde d.d. Wien 6. Aug. 18:6 nennt sich Franz II. zumletzten Maleerwählter Römischer Kaiser,zu allen Zeiten Mehr er desReichs" und erklärt:

dass wir das Band, welches Uns bis jetzt an denStaatskörper des deutschen Reichs gebunden hat, alsgelöset ansehen, dass Wir das reichsoberhauptlicheAmt und Würde durch die Vereinigung der conföderirtenrheinischen Stände als erloschen und Uns dadurchvon allen übernommenen Pflichten gegen das DeutscheReich losgezählt betrachten und die von wegendesselben bis jetzt getragene Kaiserkrone und geführtekaiserliche Regierung, wie hiemit geschieht, nieder-legen."

Die kleinen deutschen Fürsten waren damit demEinflüsse Napoleons preisgegeben, da es nicht denkbarwar, dass sie unter den obwaltenden Umständen eineselbstständige Existenz bewahren konnten. Der Planeines norddeutschen Kaiserthnms scheiterte alsbald.Der Erzherzog Ferdinand, Kurfürst von Salzburg dannvon Würzburg trat durch den Vertrag d. d. Paris15. Septbr. 1806 als Gross herzog von Würzburg