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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. IV. 5.

Ferner in dem Fürsten-Diplom 1) für Stephan Wil-helm Grafen v. Kinsky d. a. 1746 :

Das Wapen wird gelassen mit den fürstlichenInsignien geziert und dermassen verbessert: Nemblicheneinen etwas oblangen unten rund in eine Spitze zu-sammenlaufenden Schild, in dessen roth oder rubinfarberFeidung drey über einander gesetzte von der linkenaur rechten Seite gekehrte Wolfszähne zu sehen seynd.Dieser Schild ist oben mit einem fürstlichen Cronhutbedeckt, dann mit einem rothen und miteinem goldgestickten dann mit Hermelinausgefütterten Poludament oder Fürsten-Mantel umhangen."

Gehhardi 1 ) meldet:Die jetztregierende Kaiserin-Königin Maria Theresia hat auf den Bericht der Herolds-kammer, die Stammtafel als erwiesen anerkannt, undin einer Urkunde vom 28. März 1769 die Abkunft desMarquis du Cha steler von den Herzogen von Loth-ringen bestätigt.

Als Schildhalter sind (von dem Marquis du Ch.)nach und nach zwey Löwen, zwei goldene Greife undendlich zwey Engel gebraucht worden; und die letzterensind, unter einem mit Hermelin gefüttertenWappen in antel (1769) zugleich mit einem Fürsten-hute anstatt des Helms auf das neue verliehen worden."

Von den älteren Fürsten war der Herzog vonKurland der erste, welcher sein Wappen mit demFiirstemnantel zierte. Der Mantel ist hier im Ver-hältniß zu Schild und Hut noch klein und nicht sehrgeschmackvoll drapirt Den Mantel führte auch einePrinzessin dieses Hauses Charlotte Sophia, Aebtissin zuHerford (168817-28). Diese Darstellung des herzoglichKurländischeh Wappens bezeichnet Bussing * 1713» alseine neue

Unter den 11 Wappen der Landcomthure desdeutschen Ritterordens welche Conrad Ignaz SebastianHess 1729 in Kupfer gestochen hat, kommen zwei, dieWappen der Cardinäle von Schön bor-n und vonSachsen, mit Wappenmänteln vor. Der erstere,Damian Hugo Graf von Sch'önborn, Bischof von Speyer(17191743) ging darin den deutschen Fürsten, geist-lichen und weltlichen Standes, beispielgebend voran.

Estor kannte 1750 folgende mit dem Fürstenmanteldrapirte Wappen :Das Chur-Cölnische, Chur-Baierische,Sardinische, Chur - Mainzische, Würzburgische , Stras-burgische, Fürstenbergische, Hohenlohe-Bartensteinische,Isen burg-Birsteinische."

Das fürstliche Gesammthaus Nassau führte 1783Verhandlungen über eine Brbeinigung uud einigeAenderungen des Wappens. Bei dieser Gelegenheitsollte wahrscheinlich auch der Fürstenmantel eingeführtwerden, denn es heisst in einem Protokolle:Des Helm-schmucks zu erwähnen fände man um desswillen fürüberflüssig, weilen heut zu Tage, auf Siegeln undWappen nur der F Urs te n-Hut gewönlich geführetwird."

4. Ca pitel.

Die Rangkrone.

Seit der Mitte des 17. Jahrhunderts beganneneinige deutsche Familien, welche die Mode, ihren Schildmit einer Krone zu bedecken, mitmachen wollten, zu-gleich aber nach echt deutscher Art in ihre Helme zu

sehr verliebt waren, um sie missen zu wollen, eineKrone zwischen Schild und Helm zu schieben. Anfäng-lich wurde hiezu auch die Laubkrone verwendet,während bei den späteren Nachahmungen ausschließlichdie Perlenkrone zur Anwendung gelangt.

Einige fremde Familien machten es sich bequemer.Das Wappen der GrafenBucelleni" von Reichenbergwie es sich in dem von Paul Fürst herausgegebenenV. Bande des Siebmacher'schen Wappenbuches befindet,zeigt den Schild mit einer Krone von 9 Perlen besetzt;aus der Krone wächst der Reichsadler hervor.Aehnlich das Wappen der Moncada (Band III Taf. 6)-

Im V. Theile des Siebmacher'schen Wappenbuches(1667) S. 9 trägt der Schild der Grafen von Lindenund Reckheim die Laubkrone darüber drei Helme,von denen zwei auf die Köpfe der Schildhalter gestülptsind.

Der Holländer Andreas de Graeff erhielt vonKaiser Leopold in dem Diplome d. d. Wien 19. 3w1677 eine Laubkrone zwischen Schild und Helm. (Vergl-S. 475).

Das von Hess 1720 in Kupfer gestochene Wappendes Cardinais von Schönborn Damian Hugo Bischofvon Speyer enthält drei zu 2, 1 gestellte Schilde; diebeiden oberen deckt der Fürstenhut, darüber schweben10 Helme; das Ganze ist von einem Fürstenmantel um-geben, der oben in den Cardinalshut abschließt. *). ^ udieser Darstellung bemerkt Estor (Anenprobe. 1750)!Allein der fürstenhut über die zwei zusammengeleimteschilde des cardinals von Schönborn, und über ge-dachtem Fürstenhute die neun Schön-bor nische Helme, und über diesen der cardinals-hut dürfte mancher mit der wapenkunst zu reimensich nicht unterwinden. Jedoch muss vieles passen.Wenn der hirtenstab und das schwert hinter denwapen-schilden der prälaten sich zusammen vertragenmüssen, so mögen sich auch wol eines theils fürsten-hüte ü"ber den wapen, als eine erfindung neuererzeiten, sodann andern theils die helme, als das alteeigentliche stück übern wapenschild, und dritten theu»der in jungem zeiten übers wapen gesetzte rothe car-dinalshut . . . zusammen reimen."

Binck (1726) sagt, dass der Schild zwar die Grünan-lage und das Fundament des Helmes,nostro temporesei aber der Gebrauch aufgekommen, dass bisweilen

1) Namestnik, Adels- u. Wappenbeweis S. 246.

2) Gesch. d. Reichsstäntfe I 704 f.

3) Trier meldet, dass es den Cardinälen, welcheFürsten oder Grafen sind, durch eine Bulle desPapstes Innoccenz X. verboten ist, in ihre Wappenunter dem Cardinalshut den Fürstenhut oder e ineKrone auf dem Schild zu führen. Dagegen sagt &?"?L.

In Rom darf kein cardinal, vermöge päpstlicheVerbots, einen fürstenhut überm wapen führen. Wensie aber ausser Rom sich befinden; so schmücken siihr wapen mit einem fürstenhut, wenn sie fürstesind."

Im Jahr 1880 habe ich mich durch gütige Ver-mittlung des damaligen Herrn Nuntius in München,Cesare Erzbischofs von Seleucia, nach Rom gewendet umeine Abschrift der erwähnten Bulle zu erlangen. SeinEminenz der Herr Cardinal - Staatssecretär hatteGnade, meine Bitte in wohlwollende Erwägung lziehen und veranlasste die notwendigen Nachforschugen im Vaticanischen Archive.* Es war jedoch nie'möglich, ohne Angabe des genauen Datums das fr*»liehe Stück unter der grossen Menge der ßO*j~ <aufzufinden, umsomehr, da von den aus 100 -Bänubestehenden Registern bei der Wiederherstellung * *Kirchenstaates im Jahre 1815 nur 23 an das Archivzurückgelangt sind.