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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. IV. 5.

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zweyerley entweder Königliche oder gemeine offeneHelme. Die Königliche Helme nahen eine solcheOeffnung, dass das gantze Gesicht dadurch kan ge-sehen werden.

Die gemeine offene Helme, welche der übrige hoheUnd niedere Adel führt, haben insgemein vornen einenMost."

Ueher den Königl. Preuss. Helm sagt Grote:

Vor den Wappen der meisten Souveraine zeichnetdieses sich durch seine heraldische Vollständigkeit aus,indem ihm auch der Helm mit seinen Helmdecken, derWenigstens nach der deutschen Heraldik einen eben sowesentlichen Theil des Wappens als das Schild bildet,nicht fehlt. Der Helm wird als einköniglicher" ganzgoldener, ohne Rost gezeichnet.''

Ich kann zu meinem Bedauern in dem Helm keinenechten, deutschen Kleinodhelm, sondern nur den Bang-helm französischer Erfindung erkennen.

3. Capitel.Der Wappenmantel.

Ein Prachtstück französischer Erfindung, der Wap-Penmantel und das Thronzelt ist in Deutschland vonKönig Friedrich I. von Preussen eingeführt werden.A us den (S. 622) angeführten Belegen haben wir ge-sehen, dass der König bei der Neugestaltung seinesWappens hinsichtlich des Thronzeltes die großen Siegelde r Könige von Prankreich und Dänemark zum Musternahm.

, In Prankreich gilt Philippe Moreau, der um 1600lebte, für den Erfinder des Pavillon Boyal. Wir habendafür das Zeugniss des Abbe de Brianville ( . . . Pa-

-~"<i uas Zeugnis» ues jiuuc «.& «n»«« v.yillon Boyal, dont chaeun scait que Philippe Moreau est»''nventeur depuis moins de 50 aus) welcher das Thron-selt wie folgt beschreibt:Le tout sous le Pavillonf°yal, seme" de Prance et fourrc d'hermine; frange,Mode et houppfe d'or: comble d'une grande Cou-r °nne ..."

, Eigenthum des französischen Erfinders ist jeden-falls nur die geschmackvolle Drapirnug; denn schon*or Moreau haben die Herzöge von Lothringen einenüelmmantel geführt, welcher außen mit dem WappenLothringen geschmückt, innen mit Hermelin gefuttert' st - Und der lothringische Helmmantel führt auf dendeutschen, bei uns damalsaltfränkisch" genanntenl^eifarbigen Helmmantel zurück. Schon bei Virgil*K», also lange vor Moreau, finden wir zeltartig dra-Pttte Helnynäntel.

Sylvester Petra Sancta (1638) kennt das Thronzelt,Y elc hes bei ihm oben mit einem Knauf abschließt, undüe n lothringischen Helmmantel. Die deutschen Autoren"ehmen bis zu König Friedrichs I. von Preussen Zeitn nr von der Lothringer Form Notiz.

So sagt Speneri) bei Behandlung der Helmdecken;»nuc etiam retulerimus p a 11 i a d u c a 1 i a, quibus recention"»ventione nonnulli prineipes suainsignia coopenre amant.^emplum ducis Lotharingiae celebre est.. . NachUrnings (1694) freier Uebersetzung:Hierher gehören^ch die Mäntel, womit einige nach einer neuenfanier, ihre gantze Wapen decken, worunter sonder-en der Hertzogliche Lothringische Mantel betrachtensMrdig ist.«

Mit demselben Kalbe pflügt Budolphi:Eine noen

1) Theoria insignium S. 318.

neuere Art der Helm - Decken sind die Mäntel, derensich einige vornehme Fürstliche Häuser bedienen undsolche aussen mit ihren Schilden an Färb oder Figuren,gleich machen, inwendig aber mit Hermelin unter-füttern."

Dagegen schreibt Bussing im J. 1713:Will mattaber ein Wappen recht völlig aufzieren, so gehöret einPavillon, das ist ein gantzer Thron oder Verdeck mitallen Zierrathen darzu, als Mäntel, Himmel, Helm,Kronen, Schildhalter, Standarten, oder Hauptfahnen,Kitterorden, Wimpel, Devise, Losung und alle Prachtder Heroldskkunst. Siehe dergleichen beim KönigLFrantzösischen Wappen .... und im KöniglichPreussischen."

Das Thronzelt konnte selbstverständlich (wie auchSylvester Petra Sancta 1638 bemerkt) nur von Königengeführt werden. Chi. H. 0. Krüger schreibt 1753 ganzrichtig:Der Gebrauch der Throngezelten ist erst inden neuern Zeiten aufgekommen. Und weil der Tronals ein Zeichen der allerhöchsten Würde und Gewaltauf Erden nur den gesalbten Häuptern als Kaisern undKönigen zukommt: so darf auch ausser denenselbenkein anderer sich ein Trongezelt um sein Wappen zu-eignen. Sondern wenn andere souveräne Fürsten ihreWapen damit umgeben wollen, müssen sie den Gipfelvom Throngezelt hinweglassen, und alsdenn wird es einHerzoglicher oder ein Fürstenmantel genennet."

Dem Königlich Preußischen Thronzelte wurdendenn auch in Deutschland die zeltartig drapirten fürst-lichen Wappenmäntel, welche oben mit dem Fürstenhutbedeckt sind, nachgebildet. Am frühesten wird von derNeuerung in der Kaiserlichen Kanzlei Gebrauch ge-macht. Während bisher bei Erhebungen in den Fürsten-stand, einfach der Fürstenhut zur Bedeckung desSchildes verliehen worden war, wird jetzt der Hermelin-mantel in die Beschreibungen eingerückt.

Die Gräfin v. Berlepsch geb. Wolff v. Guttenburg,Marie Gertrude. (gewesene Hofmeisterin der KurprinzeßMarianne zu Pfalz geb. Erzherzogin zu Oesterreich etc.)Wittwe (in ihrem 19. Lebensjahre) des Willi. Ludwigvon Berlepsch und nunmehrige Aebtissin des kaiserl.frey weltlichen englischen Stiftes in der königl. neuenStadt Prag wurde durch Diplom d. d. 22. Septbr. 1706für sich und ihre Nachfolgerinnen in den Reichsfürsten-stand erhoben, u. das Wappen der Berlepsch mit demStiftswappen vereinigt.

Die Wappenbeschreibung lautet:

das gräflich Berleps'sche Wappen in einemKautensc bilde, jedoch mit dem Zusätze, dass indessen Mitte zwischen den vier Quartieren in einemkleinen Schild des Stifts erwählter himmlischer Patron,der heil. Schutzengel, ein Kind an einer Hand habendund mit erhoben gestreckten Arm und ersten Fingerder andern Hand demselben nach dem Himmelslichtezudeutend, mit der Inscription:Gott Allein" einge-tragen. Ueber dem gräfl. Berleps'schen Schilde ruheteine fürstl. Hauben, worüber ein Abtenstah erscheinet;um den Schild herum aber ein schwarzer Kosenkranzmit einem golden Kreuze anhangend und hinter dem-selben, au beiden Seiten: zwei Adler in ihrer natürl.Farbe, so den Schild halten, wie dann solchesgräfl. Berleps- und Stifts - Wapp en miteinem Hermelin-Mantel umhänget" etc.

In dem Fürstenbrief des Kaisers Joseph I. fürMarkgraf Johannes Paulus Maria Melolupi (mit demTitel eines Fürsten d. H. K. Reichs zu Soranea, d. d.Wien 4. Aug. 1709 heisst es:Scutum mitra ducaliauf principali redimitum, et pallio hermionicocircumduetum." 2 )

2) Länig R. A. p. spec. cont. IV. 816.