Geschichte der Heraldik. IV. 5.
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Bleeh-Müntzen geschnitten, indem sie den Busch Haare,Welchen der Löwe zu Ende des Schwantzes hat, vor-stellen wollen, solches so plump zu Werck gestellt, dasses einem doppelten Schwantz ähnlich gesehen. Dannen-nero habe ich in dem Spezial-Theil alle Löwen mit ein-fachem Schwantz in Kupffer bringen lassen, doch habeich das Wapen des Königreichs Böhmen, weil darinnender Löwe von undencklichen Jahren beständig mitdoppeltem Schwantz vorgestellt worden, und von demUrsprung desselben allerley Historien erzehlt werden,nach der hergebrachten Weise in Kupfer stechen lassen."Ein allgemeine Geschmacklosigkeit herrscht in Be-zug auf die Wahl der Wappenbilder, die meist auf einetriviale Namensanspielung hinauslaufen. Selbst Zeitge-nossen haben sich tadelnd über die thörichten Rebus-wappen ausgesprochen.
8. v. Birken erzählt im JShrcnspiegel (Nürnberg 16688. 861) in Bezug auf das Stadtwappen von Antwerpendie „gemeine Sage" von den Biesen, welche den An-fahrenden die eine Hand abgehauen und ins Wassersoll geworfen haben, daher der Name Antwerpen:
„Auf dieses Handwerfen hat die albere Vor-Welt in erfindung das Stadt Wappens, als wann es Hand-worf hiese, gezielet. Dergleichen Ankunft-Fabeln, lisetman fast von allen alten Städten; Man sihet auch inAren Wappen-Schilden, viel dergleichen seltsame Naniens-Deutungen, und führet Danzig einen Bauerdanz , Blau-»euren einen blauen Bauern, Ziegenhan und Dornhaneinen Han: da doch, das erste von den Dänen Dans-eckoder Dänisch-eck, das zweyte von dem Blau-Fluss, unddie zwey letztern vom Wort Hain oder Heim, also ge-nennet worden."
Rudolphi (Heraldica curiosa S. 104) sagt:„Belangend diejenige Wappen .... welche alleindem Laut nach mit dem Nahmen übereinstimmen, unge-achtet aber aller angewendeten Mühe der Erfindung,dannoch abgeschmackt sind, als wann man den NahmenHetzer mit einer Hetze oder Alster und einer Korn-Aehre, oder Haußeck mit einer Haue und etlichen Säckenandeuten wollte; so werden selbige nicht unbillich'a 1 seinfältige und alberne Sinnbruten, dem rühmlichenAdel unanständig geurtheit."
Typisch war die Anekdote von einem gewissenBartholomäus, der sich als redendes Wappen „einPaar tolle Mäuß" erwählt haben sollte. 1 )
Beachtenswerth ist übrigens, dass unter den vielenhunderttausend Wappen die wir kennen, nur einigewenige vorkommen, die obseöne oder anstandswidrigeWider enthalten.
Wie Jugendres (S. 81) bemerkt, wird von den innerenTheilen des Menschen ausser dem Herzen selten etwasgefunden, „man müsste dann die Gebeine hierher rechnenWollen. Doch führt Hoping Familiam Coleorum an,welche drei Testiculos in ihren Wapen geführet. Dasser es aber ex hoc prineipio quod naturalia non sinttlrpia defendiren will, hierinnen kan ich ihm nicht bey-fallen; dann was per se nicht schändlich gewesen, istes doch per aeeidens worden. Die Heyden haben nichtsdergleichen in ihren Wapen geführet, warum solltenw ir Christen uns dann dißfalls unverschämter aufführenwollen ? Wer aber allhier inter rem turpem et pudendamdistinguiren will, mag es meinetwegen wol thun, dochw ird man von dem einen so wenig, als von dem andernsagen können, dass sie eine denen Christen anständigeWapen-Figur abgeben könne."
Höpingk selbst aber erzählt, dass ein Notar, welcherP6i dem Reichskammergericht um seine Immatriculationnachgesucht hatte, zurückgewiesen worden sei, weil er
in seinem Signet ein Schwein mit Menschenkoth geführthabe 2 ).
Die Schildformen.Aus dem alten Dreieckschild und der Tartsche sindtheils durch selbstständige Entwicklung für sich, theil»durch Kreuzung die meisten der späteren heraldischenSchildformen papierner Existenz entstanden, — aus demDreieckschild namentlich der unten abgerundete odermit einer ausgeschwungenen Spitze versehene Viereck-schild. Von der Tartsche, die selten noch in reinerForm vorkommt, übernahm der Viereckschild den Aus-schnitt, welcher der Gleichmässigkeit wegen auf beidenSeiten angebracht wird.
Namentlich diese Verschmelzung des Viereckschildesmit der Tartsche wurde von den deutschen Wappen-künstlern in grosser Liebe gepflegt. In den Wappen-büchlein von Virgil Solis z. B. sieht man deutlich, wieder Künstler sich bemüht, um unter den zwölf Schilden,die er auf einer Seite anbringt kein Muster zu wieder-holen. Da kommen denn die verschiedenartigsten undwillkürlichsten Aus- und Einschnitte, Aufrollungen derEnden, eiförmige, rautenförmige und ziegeiförmigeSchilde vor.
Mustergiltig ist auch in dieser Beziehung MeisterJost Amman, der ohne sich an Schablonen zu binden,das Haschen nach Mannichfaltigkeit vermeidet und inder Auswahl der Formen einen ausgezeichneten Geschmackbekundet.
Diese Schildform, welche man vielleicht als Rahmen-schild bezeichnen kann, ist eine ausschliessliche Eigen-tümlichkeit der deutschen Wappenknnst.
Mit einer gewissen Berechtigung konnte daher Mene-strier diesen Schild den Deutschen nennen. Darin ginger aber zu weit, dass er einer Sache, die von wechseln-der Mode und wandelbarem Geschmacke beherrscht ist,nach echt französischer Weise den Schnürleib des Regle-ments anlegen wollte. Es wurde ein System nationalerSchildformen aufgestellt, dem jede historische Berech-tigung mangelt:
Der deutsche Schild: die Cartouche.Der französische: Viereckschild mit ausge-schwungener Spitze.
Der spanische: Viereckschild, unten abgerundet.Der italienische: ovaler Schild.Eine besondere Liebenswürdigkeit gegen die deutschenNachbarn war die Vorschrift der französichen Theore-tiker, dass die Mitglieder der Geadelten Bürgerschaftenund Räthe in Städten sich der Cartouchen bedienensollen, weil die Schilde nur vor diejenigen, welche vondem Kriegs Handwerck Profession machen, gehören sollen.„So verächtlich aber die Teutschen Schilde bey denFrantzosen gehalten werden, (setzt Trier hinzu) so sehrwerden sie bey uns approbiret und bedienen sich der-selben die höchsten Standespersonen, so wohl als derniedere Adel."
Auch der aus Burgund nach Oesterreich importirteHerold v. Franeolin stellte (wie wir oben S. 555 ge-sehen haben) um 1564 die Regel auf, dass kein König-licher oder Fürstlicher Schild „übereinander gewickelt"werden dürfe.
Die deutschen Lehrschriften des 18. Jahrhundertsnahmen das System der nationalen Schildformen meistmit grossem Ernste auf. Am besten sagt noch Bussing:
8. 123.
1) Schlosser, de aestimatione herald. Hanov. 1729
2) „Huc facit, quod quidam Notarius, cum in Notari-atus sui signo suem cum stercore humano prae-tulisset, ac in Camera Imp. in matriculam se reeipipetiisset, rejeetus fuerit, uti se ab Antonio a Fürsten-berg nobilissimo quondam Camerae Im. Assessor audi-visse, Dn. Wernerus Schlaun ejusdem Cam. Imp. Assessorhaud ignobilis mihi Anno 1637 retulit."