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Geschichte der Heraldik. IV. 5.
gefertiget werden." Es wurde innerhalb desMinisteriums weiter über das Project verhandelt.v. Podewils setzte unterm 1. Nov. 1785 mit Zustimmungseiner Collegen einige Gedanken darüber auf, wie etwadas Edict geändert werden könnte. Zugleich ertheilter den Rath, zuvörderst mit dem Königl. Etats Mini-sterio „zu Abwendung des Odii, welches sons.tauf uns allein fallen dürfte, zucommuniciren.Die Bedenken des Herrn v. Podewils beziehen sich aus-schliesslich auf die Titulaturen. Das Ministeriumänderte hiernach das ursprüngliche Project ab, —Hierzu gehören auch die Ausnahmen, die in § 9 bezüg-lich des Prädicates von in Cleve, Mark u. Geldern,ferner der § 11, die schon oben berücksichtigt sindund beschloss auch die Consultirung des Cabinets-Ministeriums, die mit Schreiben vom 5. Novbr. 1735 er-folgte.
Den Schluss der Acten bildet ein Erlass des Königl.
Preuss. General-Ober-Finantz-Krieges und Domainen*Directoriums vom 8. Dez. 1785, worin das Ministeriumder Affaires etrangeres aufgefordert wird, dasjenige zucommuniciren, was von Sr. Königl. Majest. dieserhalbetwa bereits reguliret und festgesetzet worden. DerSchluss des Erlasses lautet:
„Und habe ich der von Grumbko dabey erinnernsollen, daß gebethen werde, dem Cantzley-Diener anzu-befehlen, dass mir dergleichen Sachen so an das gantzeEtats-Ministerium eingerichtet seyn, zu erst zugesandtwerden, indem man dazu mit concurriren soll, ich nichtpraetendire der letzte an statt den ersten 1 )zu seyn."
Dass Seitens des Ministeriums der AuswärtigenAngelegenheiten, die geforderten Mittheilungen gemachtworden sind, ist aus den Acten nicht zu ersehen. Wahr-scheinlich war die Sache mit Obigem zu Ende.
V. Abschnitt.
Die Wappenkunst im Banne der Theorie.
1. Capitel.
lieber sieht der wichtigsten Neuerungen aufdem Gebiete der Wappenkunst.
Die Wappenkunst des 18. Jahrhunderts unterschei-det sich von den früheren Zeiträumen durch phanta-stisch und unschöne Formen von Schild und Helm,durch zweck- und sinnlose Ueberfüllung und unge-nügende Ausfüllung des Schildes, durch fratzenhafte,abscheuliche, unordentliche, willkürliche Zeichnung derFiguren, die weder dem heraldischen Herkommen ent-spricht, noch naturalistisch ist.
Gegen die zwecklose Ueberfüllung der Schilde habensich übrigens auch Zeitgenossen ausgesprochen. Soschreibt Johann Michael von Loen 1 ).
„Man thut übel wenn man die alte einfältigeWappen verändert, um sie desto zierlicher und präch-tiger zu machen, Ja viele wissen nicht einmal die rechteFarben und Stammzeichen mehr davon anzugeben.Diese Stammzeichen solten billig mit der genauestenSorgfalt unter alten Geschlechtern beybehalten werden,denn sie sind diejenige, die hauptsächlich darzu dienen,ihren eigentlichen Ursprung zu entdecken". Ferner:
1) Johann Michael von Loen, geb. 21. Dezember1694 zu Frankfurt am Main, f als Kgl. Preuss. Gehei-mer Eath und Präsident der Lingen-TecklenburgischenRegierung 24. Juli 1776. Westphälisches Magazin vonWeddigen 1787. Bd. III. S. 18 ff.
Die IPapenfunft ift roirflicb. fjocbgeftiegert:bie an manchen IPapen angebrachte Kunflfantt faum fattfam benwnbert werben."Stiehl 1757.
„Nach der Narrheit der Titel müssen sich auch dieWappen richten und die blähende Eitelkeit der stoltzenMenschen unterstützen helffen. Es ist nichts lächer-licher als wenn neu geadelte die weder Ahnen nochRitter-Güter besitzen, einen Wappen von sechs bis achtFelder mit einem Mittel-Schild aufweisen. Ja es istfast heut zu Tag ein sicheres Kennzeichen, dass mandie Felder verdoppelt, wenn die Ahnen fehlen. Vorhundert Jahren waren die vervielfältigte und schilder-reich durchschnittene Wappen noch nicht Mode. Selbstdie meisten Fürsten imd Grafen-Häuser begnügten sichmit ihren alten einfachen Wappen. Nun führen neugeadelte sechs bis achtschildige Wappen mit zwey dreyHelmen und thurniermäsigen Aufsätzen, ohne dass sieselber wisssen, was sie bedeuten."
Das Auge der Theoretiker ist auf Nebensächlichesgerichtet. So ist die einzige Reform, die manals eine zum Gebiete der Wappenkunst gehörige an*sehen kann, die von Trier beliebte Correctur der Löwen-schwänze. Dieser Schriftsteller sagt 1714:
„Wenn man die Wapen-Bücher nachschlaget, &findet man, dass die Löwen meistentheils willkührlicnbald mit einem einfachen, bald mit einem zweyfachenSchwantz exprimirt werden, zuweilen ist in der Mittedes Schwantzes ein Busch Haare welches einige einendoppelknötigen Schwantz nennen. Der Ursprung derdoppelknötigen und zweyfachen Schwäntze scheinet dieserzu seyn, dass die ungeschickten Stempel-Schneider,welche in den mittlem Zeiten die Stempel zu den
2) sie.