666
Geschichte der Heraldik. IV. 4.
»erben, nebft einer Zuleitung tnic mit (Sottes f^ülffc fon>of;[ burd; biefes lPapcn<2Ilpr;abet, als auch bureb bie rechteunb befte Methode 311 informiten, ber (Sruttb 3« wahren(SeletirfamFcit in ben 3arteften 3 dr ! ten mit Dergniigen 511legen fcy ; oor ciclen 3arjren entworfen unb jc^o auf 8e>gcr/ren im Quid gegeben Don Christoph. M atthaeoS c i b e I n, Adj. Past. Praep. et Insp. Berlin , nerlegtvon (Sottfricb (Scbirfeu, Kön. privil. 8ud;bäubfer 1718.(4°).
Eine richtige Fibel, welche an Stelle der sonstüblichen Bilder — mit Wappen geschmückt ist z. B.unter B: Brandenburg, (jedoch nicht das modernekönigliche Wappen, sondern das alte kurfürstliche)C.: Chur-Cöln, P.: Preussen, uuter X. — — derRömische Pabst (!), Z.: Zerbst. Einen heraldischenInhalt hat die Schrift im Uebrigen nicht.
Auf der Berliner Realschule gelangte etwa 30 Jahrespäter ein Anschauungs- Unterricht in der Heral-dik zur Einführung.
In der Einladungschrift zu dem Examen der Ber-liner Realschule vom J. 1750 bemerkte der Directorderselben, Oberconsistorialrath H e c k e r:
jDamit man theils die Lehrart seihst, nach welcherdie Historie der Jugend vortheilhaftig beyzubringenwäre, deutlicher möge einsehen lernen; theils auch vonder Möglichkeit und dem Nutzen derselben gründlicherüberzeuget werde: so soll bey dem Examine unterandern eine historische Classe vortreten, mit welchermau die Brandenburgisohe Historie, a u e i n e 111 Modelldergestalt durchgehen wird, dass man hoffentlich nichtohne Vergnügen wird sehen und hören, wie leicht undgründlich man Geographie, Genealogie, Chronologie,Heraldik, Numismatik .... der zartesten Jugendbeybringen könne."
Als Hilfsmittel für diesen Unterricht erschienenfolgende Schriften:
(Erläuterung einer in Kupfer gcftodiencn Dorftcduugbes Branbcubiirgifdicn Baufcs nebft 2Inroenbung n>ic basHötb,igftc von ber (Sencalogie, Chronologie, (Scograplnc,fjeralbif Humismatic unb ber eigentlichen fjtftoric ber 3ugcnb,grünblidj, beutlid; unb norttfctlfjaftig beibringen. §nin(Sebrandje ber Xcal-Scr/uIc in Berlin. Berlin imPerlag bes Budjlabcns ber Kcaffdjule 1791. (80 190 S.)
Ich lasse hier einige Auszüge folgen:
„Es wird aber doch erlaubt sein, anzufragen, oh esnicht von grössern Nutzen wäre, wenn man gleichAnfangs der Jugend die Historie ihres Vaterlandesrecht bekannt machte ? Der Herr Ober - Consistorial-Rath Hecker, als Director der Realschule in Berlin,siehet diese Sache als möglich und nöthig ein, undmachet die Verfügung, dass in seinen Anstalten dieJugend die Brandenburgische Historie vor allen bey-gebracht werde."
Der 6. Abschnitt von der Heraldic oder der Wappen-Kunst.
„§. 18. Es soll auch bey diesem Abschnitte erst=lieh beschrieben werden, welche Stücke man bey denenhier angebrachten Wappen findet, und so dann, wiediese Stücke mit der Jugend durchzugehen, dass sie dieBrandenburgischen Wappen kennen, unterscheiden, vi-siren und blasonniren lernen." (Es folgt die Blasonirung).
„§. 19. Wie wäre aber die Heraldic nach denenjetzt beschriebenen Wappen mit der Jugend zu trei-ben ? . . .
„Man bediene sich der catechetischeu Lehrart, mannehme das Nöthigste und Leichteste zuerst, gehe jedes-mahl nur wenig aber desto öfter wiederholt durch, legeder Jugend die Sache in Bildern vor Augen, erkläresie ihnen hinlänglich, und versuche durch allerleyFragen, ob sie den rechten Verstand, das rechte Wort■davon gefasset haben. Es ist zn dem Ende die Be-
schreibung der 3 Wappen nach einer tabellarischenOrdnung gemacht worden. Wir wollen nur eine kurzeProbe machen:
Qu. Wovon müssen wir nach dem öten Abschnitthandeln?
Resp. Von der Heraldik.
Qu. Wie vielerley Wappen stehen auf dem Blat?
R. Drey: Das Königl. Preußis. , das Marggräfl-Brandenburg - Culmbach - Bayreuthische , das Marggräfl.Brandenburg-Anspachische Wappen.
Qu. Wo stehen diese Wappen?
R. Da, da, da. (Die Schüler zeigen den Ort).
Qu. Wie viele Stücke kommen bey jeglichen vor?
R. Zwey: essentielle und ■accidentelle Stück.
Qu. Welches sind die accidentellen Stücken beydem Königl. Preußischen Wappen?
R. Das Piedestal, der Wappen - Thron, die Tela-mones, der schwartze Adler Orden. (Da muss alles aufdem Kupfer gezeiget werden).
Qu. Welches sind die essentiellen Stücke bey deinPreußischen Wappen ?
R. Der Helm und der Rückenschild mit seinemMittel-Schildlein. etc. etc.
. . . (. 2) „So ist nöthig weiterzugehen, und manbemühet sich die Jugend in eine Fertigkeit zu setzen,alle und jede Schilder zu blasoniren, d. i. nach derFigur und dem Felde ein jegliches Wappen so auszu-sprechen , wie es die Regeln der Heraldik erfordern,auch dabey ohne langes Besinnen zu sagen!, von wel-chem Lande oder Herrschaft dieses oder jenes Wappensey.
„3) Wäre man anch damit fertig; so gienge maneinen Schritt weiter und zeigte ihnen, doch nur historischund kurz, wenn und wie ein jegliches Wappen seydazu kommen, und ob es also ein Stamm- oder Stand-oder Herrschafts- oder Anspruchs- oder bloßes GC"dächtniss-Wappen wäre. Z. E. das Hohenzollerischeist ein Stamm- der Chur-Scepter ein Stand-Wappen... •
,4) Will man in der Heraldic weiter gehen, undhat man die Jugend vor sich, welche fähig die Sachenzu fassen; so kan man mit der Zeit ihnen ein Wappennach dem andern ausführlicher nach dem geheimenVerstände dieser oder jener Figur im Felde erklären.Z. E. Was die Kleestengeln im Preußischen, der halbeMond in dem Crossenschen, die Bordüre oder Einfassungin dem Burggräflich Nürnbergischen Wappen bedeutenetc. Doch dieses sind mehrentheils Muthmaßungen undschwere Dinge, daraus man seine Sache bey der Heral-dic nicht immer machen muss. Besser ist es, wenn man
,5) die Veranlassung, wie auch dieses und jenesWappen in das Königl. Preußis. kommen sey, aus derHistorie mit profectioribus ausführlicher durchgehetund ihnen zeiget, welche Veränderung mit den Wappenvorgehen können, die wichtig oder höchst merkwürdig-Man dencke nur hiebey an den Schlesischen schwartzenAdler, wie sich dieser doch endlich zu dem Preußischennäher herbey gemachet. Ost - Friesland dienet auch « ueinem merkwürdigen Exempel. Wie lange haben sichdie Pommerschen Hertzoge geweigert, sich unter dasThron - Zelt des Preußischen Wappens versammeln zulassen. Und es konte doch nicht anders seyn. vVerweiß, wie es mit den übrigen Anspruchs- Wappen nachVerlauf eines halben oder gantzen Jahrhunderts magaussehen ?"
(Erläuterung einer in Kupfer geftocfjcncn Porftellungber Hömifdicu Kayfer nebft Knmeifnng, mie bas ZWtbjgf^Don ber (Sencalogie, (Erjrouologic , (Seograprdc , tjcralb"»ZTumismatic unb ber eigentlichen fjiftorie ber 3 U £grünblidj, beutlidj uub Dortrjcilbaftig bcy3ubringcn. § um(Sebraudj ber Kealfrfmlc in Berlin. Berlin, im Dcrlag & e5Bucblabens bey ber Heal-Scbule 1751. (8° 164 8.)