Geschichte der Heraldik. IV. 4.
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■und Fürsten Wapen, so dies eibige nicht sobald ohneden geringsten anstand nach seinen Farben und Figurengar eigentlich zu beschreiben wissen.....
„Bevorab da durch Dero ungemeine Neigung zurWapen-Kunst bin angetrieben worden, diese schlechteBlätter an tag zu legen . . . ."
In Jena war — wie Schmeizel berichtet — seitSchumachers Abgang „von der Heraldic biß etlicheJahre her, weniges zu vernehmen gewesen. Er selbsthatte nämlich angefangen heraldische Colligien zu lesen,von denen er wiederholt spricht: „Ich vor meine Personhabe ohne Ruhm zu reden, so offt Collegia heraldicagelesen, aber auch so wenige adeliche auditores gehabt,dass ich sie leicht an Fingern herzehlen können." Ananderer Stelle erwähnt er, dass er „Schweden, Dänen,Holländer, Ungarn und auch einige Frantzosen vonZeit zu Zeit als auditores vor mir gehabt."
Zum Gebrauche seiner Collegien gab er 1723 seineEinleitung zur Wappenlelire heraus (vergl. S. 641). Indiesem Werke giebt er dem Lehrer folgende Anweisung:
1) Muss er auf die discentes, gleich wie bey allenandern disciplinen fleißig reflectiren und also sehen,wen er vor sich hat, um so dann die Lehren naoh denUmständen des Lernenden einzurichten.
2) Hat es damit seine Richtigkeit,' so lege erdieses mein Buch oder ein and eres zum Grunde,lud brauche dasselbe nach Beschaffenheit der Umständeund Zwecks seiner Zuhörer.
3) Was ad theoriam gehört, erläutere er gründlich,•UBstrire seine Lehren mit gehörigen exemplis, undwenn dieses geschehen, so bemühe er sich
4) alles ad praxin zu bringen, welches durch einedeutliche Visirung aller Wappen zu verrichten ist. Unddenn
5) damit er erfahren könne, wie vieles seine Zu-hörer gefasset, so halte er sie an, dass sie nach dergeschehenen Anweisung selbst Hand anlegen und dieWappen ordentlich visiren und beschreiben mögen"u. s. w>
Später sagt er: „Giebet Gott Leben und Gesund-heit, so bin ich willens, über dieses Buch zulesen." Dass dieses thatsächlich geschehen, bezeugtStolh in den neuen Zusätzen zu seiner Historie derGelahrtheit (Jena 1727): „Hier in Jena lassen sichviele studiosi nach Herrn Prof. Schmeizel's Einleitungz ur Wappenlehre, unterrichten."
Der verstorbene Heraldiker Dr. G. M. C. Masch inDeniern besaß ein Collegienheft über die heraldischenVorlesungen des Professors Müller in Jena von J. 1777,nvit zum Theil colorirten Wappenabbildungen, das nach-her von einem Antiquar (L. M. Glogau Sohn in Ham-burg) zum Preise von 5 M angeboten wurde.
Schmeizel klagt übrigens mehrfach über die Ver-nachlässigung seiner Lieblingswissenschaft auf den Hoch-schulen Deutschlands. Er sagt (1723): „Solchem nach"öret man zwar an einigen wenigen Orthen (i. e.Universitäten) in Deutschland, von dem studio Heral-dico etwas weniges reden, allein an den meisten ist sien och dermassen unbekanndt, als das kostbare Gefressev on Indianischen Vogel -Nestern." In der Anmerkungdazu bemerkt er : „Ich wolte gerne en particulier vonLeipzig, Halle, Wittenberg, Greiffswald und wo ichsonst gewesen, ja auch von unserm Saal-Athen reden,allein ich muss befürchten, ich würde in ein Immen-Nest stossen."
Auf dem Gymnasium zu Ilefeld lehrte 1735 Con-cor Ritter Geographie, Geschichte, Genealogie undWappenwissenschaft.')
1) Strieder, Grundlage zu einer Hessischen Gelehren-eto. Geschichte Bd. I (Göttingen 1731) 8 S. 178 in derBiographie des Will). Christian Just. Chrysander.
In Göttingen war 1736 der bekannte Joh. Dav.K o e 1 e r Professor der Heraldik. Zum Beginne desSemesters veröffentlichte er ein Programm über dieSchraffirnngen, Bei den Vorlesungen gebrauchte erdes Immanuel Weber examen artis heraldicae, welcheser im Jahre 1753 neu herausgab.
Sein Nachfolger wurde 1759 Johann ChristophGatterer; der seit 1766 die wiederrechtlich gedruckteSonderausgabe seines „Abrisses" benutzte. Derselbesagt über seine Methode Folgendes 2 ):
„Nur noch ein Paar Worte, weil man es verschiedene-male von mir verlangt hat, von der Leb. rar t, welcherich in meinem heraldischen Vorlesungen folge. Zuersterkläre ich kürzlich das Kompendium, wo es einer Er-klärung bedarf. Hernach komme ich gleich auf dasPraktische wobey die theoretischen Grundsätze erstrecht geläufig, und von allen Seiten deutlich werden.Ich gehe so viel Wappen von Teutschland und demübrigen Europa durch, als die Zeit erlaubt. (Denn nur2 Stunden sind wöchentlich zu diesen Vorlesungen be-stimmt) , und bey jedem Wappen! beschäftige ichmeine Zuhörer auf dreyerley Art: Erstlich wird dasWappen genau nach den heraldischen Kunstwörternund Regeln blasonnirt; hernach wird jedes Stückhistorisch erläutert; und drittens gebe ich Gelegenheitden Plan, so wie das ganze Wappen zu beurtheilen."
In Würzburg war 1736 Dr. Johann PeterB a n n i z a Lehrer der Heraldik. 3)
Einer seiuer bekanntesten .Schüler war der nach-malige fürstbischöfl. Würzburgische Archivar JohannOctavian Salver (geb. 19. Mai 1732 f 23. April 1788).
In Erlangen las Johann Paul Reinhard heral-dische Collegen. Derselbe sagt 1747 in der Vorrede zuseiner Wappenkunst:
„Da nun unter andern Stücken, die mir auf derhiesigen Friedrichs - Universität öffentlich zu lehrengnädigst anbefohlen worden sind, die historischenWissenschaften ausdrücklich stehen, so habe ich vorgut befunden, meine Gedanken über diesen Theil der-selben pufzusetzen, und meine Heraldischen Vorlesungen,in denen ich mich ehedessen fremder Arbeit bedienethabe, aber also, dass ich vieles ändern und bessern,mnsste, darnach einzurichten."
Inzwischen waren noch weitere Versuche für diepädagogische Verwerthung der Heraldik gemacht,worden. Gänzlich mißglückt zu sein scheint ein solcherbezüglich der Elementarschule, von dem folgendesSchriftchen Kunde giebt:
(Ein fcmbcrlidjes illprjabctr; ourdjL IDapctt cor StcmoesHub au&crc Kinbcr, bie sur <ScIcb,rfamfeit follcn angcfül;ret
2) In der Vorrede zum „Abriss" (1773.)
3) Novum paradigma in insignibus reverendissimiet celsissimi S. R. I. principis ac domini D. FridericiCaroli ex comitibus de Schönborn, Puchheim, Wolffs-thal etc. etc. etc. D. G. episcopi Bambergensis etWirceburgensis etc. etc. etc. Juxta Fecialium scitaresolutis exhibitum, quo praemissa insignium theoriaostendit simili ratioue in Analysi quorumounque Dig-matum posse procedi simul ac lectiones suas publicaset privatas in Alma Julio - Fridericiana UniversitateWirceburgensi XII. Novembris M.DCC.XXXVI auspi-candas intimat Joannes Petrus BannizaJ. U. D.Reverendiss. ac Celsiss. P. R. I. principis, episcopi etc.Consiliarius aulicus ejusdemque in Alma Julio Friede-riciana Wirceburgens. Univertsitate Juris Feudalia,Praxeos Supremorum Imperii Dicasteriorum etc. etc.Prof. Publ. et Ordinarius Wirceburgi Typis MarciAntonii Engmann. (4° 54 S.)