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Geschichte der Heraldik. IV. 4.
er das übliche Programm heraus 1 ) in welchem er sichüber seinen Lehrplan folgender Massen äussert:
„Man muß erst gehen lernen, ehe man lauften kann:Ich wil eo viel sagen, es wird nöthig sein, erstlich dieBlaessonirung zu verstehen, ehe wir der grossen HerrenWappen recht heraldisch, das ist politisch, historischund genealogisch erklären können. Und solchem nachwerden wir vor dieses halbe Jahr, gedachte Blaessonirungnach Gelegenheit desjenigen Büchelgens, so Herr Imm a-n u e 1 W e b e r, I. U. D. unter dem Nahmen, kurtzerjedoch gründlicher Begriff der edlen Herolds- oderWappen-Kunst, so er Anno 1691 ediret, tractiren, bißdie Zeit und Gelegenheit giebet, Selbsten etwas voll-kommeneres, doch gleichwohl kurtz- und deutliches auf-zusetzen ..... Alldieweil aber ich zugleich nebst
der Heraldique dieses halbe Jahr die Genealogie, oderdie Stamniregister der hohen Familien lehren soll, habeauch von solchen einiges zum Voraus zu erinnern vor
nöthig erachtet......Dannenhero noch dieses melden,
dass dieses halbe Jahr die Wappen-Kunst und Genealogiezugleich tractiren werde, als nehinlich zwey Tage hintereinander die Wappen-Kunst, die übrige Zeit Genea-logiam .... Noch habe zu erinnern, dass dieses halbeJahre in Physicis nichts werde thun können, ob mirwohl Seine Königliche Majestät auch diese Professionallergnädigst conferiret." Spener war nämlich von Hauseaus Arzt.
Friedrich Wilhelm I. schaffte gleich nach seinemEegierungs-Antritt die Kitterakademie ab und legtedafür eine Kadettenschule an. 2)
In Wien errichteten die NiederoesterreichischenStände eine Ritterakademie welche am Geburtstage desKaisers Joseph I. am 26. Juli 1705 feierlich eröffnetwurde. Zum Professor der Heraldik wurde WilhelmO'Kelly de Aghrim ernannt, welcher bei dieser Gelegen-heit sein Speculum heraldicum herausgab, von dem wirbereits oben (S. 639J das Nähere angeführt haben.
Das Berliner Beispiel fand zuerst in Sachsen Nach-folge und zwar im J. 1711. Dr. Johann WolfgangTrier sagt in der Widmung zu seiner Wapenkunst(1714), an den König Friedrich August von Polen ge-richtet :
„Unter andern haben Ew. Königl. Maj. vor dreyenJahren eine Professionem ordinariam der Herolds-Wissen-schaft, welches eine der allernützlichsten Lehren ist, wo-rinnen die Sfcudirenden, sonderlich diejenigen, so zu für-nehmen Ehren-Aemtern gewidmet sind, sich fleissig übensollen, auf dero Universität zu Leipzig aufgerichtet, unddiese Stelle mir allergnädigst angedeyhen lassen."
Zum Antritt seiner Professur erliess Trier die her-kömmliche Einladuugsschrift d. d. 2. Nov. 1711 unter demTitel:
Magnificum Academiae Rectorem, amplissimos utrius-que Reipubl. Proceres, et generosissimos ac nobilissimosstudiosos ad orationem qua Professionem publicam ordi-nariam Heraldicae ordietur, in Acroaterio Majoris Priu-cipum Collegii D. IV. Novembr. MDCCXI, Hora IXBenigne ac Benevole Audiendam ea qua par est, obser-vantia ac humanitate invitat D. Johannes WolfgangusTrier, PP. (4°. 4 Blätter Typis Fleischen)
Trier errichtete 1712 bei der Universität Leipzigein Collegium der Heroldswissenschaft, von dem er in
1) Unter dem Titel „die Alte wahre Herolds-Kunst"etc. Siehe oben Ö. 620.
2) Es ist daher nicht richtig, wenn W. J. Wippelim Preuss. Adelsarchiv 1824. S. 52 behauptet, dass nachdem Tode Speners Johann Peter Ludewig zum Professorder Heraldik ernannt worden sei. Spener überlebte die Ab-schaffung die Eitterakademie. Ueber Ludewig's Thätig-ieit vergl. oben S. 638 f.
der „Einleitung" sagt: „. . . weil ich mehr ermeldteWissenschafft auf der Universität öffentlich zu lehrenhabe, bin ich bißanhero mit aller möglichen Applicationden Liebhabern zu Dienst dieselbe zu erläutern und zuerleichtern bemühet gewesen. Zu solchem Ende habeich im J. 1712 mit einigen guten Freunden auf hiesigerUniversität ein Collegium der Herolds-Wissenshafft auf-gerichtet." Ein eigenes Programm giebt folgende nähereAuskunft:
„Es sind . . . einige von den Herrn Magistris undandern gelehrten Personen bey hiesiger Universität inein Collegium Amicum unter meiner Direction zusammengetreten, und haben deu löblichen Schluss gefast, ihrenFleiss mit dem meinigen zu vereinigen, und diese Wissen-schaft dergestalt nebst mir zu excoliren, dass wir diecurieusesten Historien-Bücher, Chronicken, Memoiren,Scripta Juris publici und andere Bücher und Uhrkundennach und nach durchgehen, die merckwürdigsten Passagenexcerpiren, und dieselben in den Donnerstags vormittagsvon eilff biß zwölff Uhr anzustellenden Zusammen-küniften einander communiciren wollen.
„Von den Membris wird jedem einer oder etlicheStaaten assiguiret werden, damit er die dahin gehörigenBücher beständig excerpiren möge: wodurch die Arbeitnicht allein geläuffiger und leichter, sondern auchaccurater wird . . . Ein jeder wird zu Ende des Ex-cerpti sein Judicium von der Beschaffenheit und Würdig-keit des durchleseuen Buchs beifügen.
„Wenn das Excerptum verlesen wird, so wird jedemfrey stehn, etwas dabey zu erinnern, auch mehrere Nach-richt zu geben und zu begehren.
„Mit der Zeit wird dieser Vorrath von dem Direc-tore ... in Ordnung gebracht und zum druck gefertigetwerden . . ."
Ueber den Erfolg dieses Unternehmens theilt Trier1714 mit: „Es hat auch dieses Vorhaben weit mehrernSuccess und Gunst gefunden, als man anfangs vermnthet,immassen viele vornehme und gelehrte Gönner nichtallein in Leipzig, sondern auch an entlegenen Ortenallerhand rare Bücher und Memoiren darzu einzuschickensich frey willig erboten." Irgend eine Publication istjedoch nicht erfolgt.
Auch die freie Reichsstadt Nürnberg scheint balddarauf Veranstaltungen für einen angemessenen Unter-richt in der Heraldik auf der Hochschule Altdorf ge _troffen zu haben. Siebenkees s ) berichtet:
„Der ehemalige Prof. Rink zu Altdorf, der nachGatterer's Urtheil ein gewiß zu seiner Zeit grosserWappenkundiger war, hat von Zeit zu Zeit heraldischeVorlesungen mit Beyfall über die Theses des principe^du Blason gehalten, welche Joh. Jac. Sturm unter Wagen-seils Vorsitz 1690 vertheidiget hatte. In mehrerenBibliotheken finden sich-noch Abschriften von den Heften,die ihm seine Zuhörer nachschrieben."
In Giessen war 1725 Dr. Johann Georg EstorLehrer der Heraldik. In einer Ankündigung über seineverschiedenen Collegien vom 10. Nov. d. J. meldet er,dass er „nach Anl. des hoch- berühmten Hn. Vice-CantzlerWebers examinis artis heraldicae die Wapen-Kunstgründlieh lehren werde." _
Zu seinen vornehmsten Schülern gehörte im J. l'2oder Erbprinz Ludwig von Hessen-Darmstadt (geb-15. Dez. 1719, damals also 9 Jahre alt) dem er seine„Probe einer verbesserten Heraldik" widmete, und vondem er sagt:
„Wie dann, Gnädigster Printz, ich meines allerge*ringsten Orts niemahlen ohne Verwunderung und inner-lichem Vergnügen Dero vortreffliche Wissenschafft JBder Geographie, Historie, absonderlich aber der Heraldicbemercket habe. Dann es nicht leicht eines Potentaten
3) Erläuterungen der Heraldik. (1789) Vorbericht.