662
Geschichte der Heraldik. IV. 4.
schoii den nemlichen Sinn verband, den man ihr jetztbeylegt. Bey der Bestimmung der Entstehung und desUrsprungs des Wappen überhaupt, zeigt sich der Ein-fluss dieser Regel hauptsächlich . - . . Unsere jetzigenWappen schreiben sich ohne allen Widerspruch vonden Zeichen und Bildern her, welche man in frühernZeiten auf den Waffen, vorzüglich den Schilden an-brachte ; allein so gewiss dieses ist, eben so gewiss istes auch, dass nicht von jenen zwecklosen Verzierun-gen der Waffenschilde der ältesten teutschen Nationen inden frühesten Zeiten ihr Ursprung abzuleiten sey,sondern von jenen späteren Zeiten (dem eilftenund zwölften Jahrhunderte) wo die Armatur denganzen Mann so sehr verbarg, dass ein äus-seres Zeichen umu in gänglich not h wendigwurde, um ihn den seinigen kenntlich zumachen.,
<Sruubrt§ ber fyiftortfcr/en ßilfsroiffenfdjafteti porjüglicb,nad; (Sattercrs Scf/riften jum aFabemifdjcn (gebrauche beav--beitet von Je§ maier fiofratb, unb profeffor an ber Furf.baierifdicn £anbes-lluit>erfität. tanbsrjut bei 2Intoit IDcber,Bucbbmtbler. 1802. (8° 338 S.)
(Vorrede) „Des verewigten Gatterers Schriften überdie meisten historischen Hilfswissenschaften haben aller-dings Epoche gemacht. Sie sind gegenwärtig die Hand-bibliothek des angehenden Geschichtsforschers, der sichdurch Selbststudium (fördern) will, und werden es in man-chem Fache noch lange bleiben. Allein eben die Ausdeh-nung, wodurch diese Schriften in vielen Materien zumCommentar werden, macht sie ungeeignet für einenLeitfaden zum akademischen Vortrage.
„Diesen Mangel eines Leitfadens fühlte ich nichtnur bei meinen Studien, sondern vorzüglich bei denVorlesungen über diese Wissenschaften, die ich seitzwei Jahren übernahm anstatt unsers würdigen Pro-kanzlers Mederer, welcher der erste war, der den Lehr-stuhl dieser Gegenstände auf unserer Universitäterrichtete und bei dreissig Jahren denselben zierte.
S. 194. ff. Heraldik oder Wappenkunde.
§ 213. Begriff der Wappen: „Wappen, nach demheutigen Begriffe sind die von der höchsten Staatsgewalt angenommenen oder verwilligten Zeichen derLänder und Personen.
§ 214. Ursprung der W. §215. Begriff der Wkunde.§ 216 Quellen der Wkunde. § 217. Eintheilung derHeraldik.
I. Thl. Theoretische Heraldik. I. Abth. Vom Schilde.IL Abth. Von den Nebenstücken der Wappen.
IL Thl. Praktische Heraldik. I. Abschnitt. Prak-tische Regeln. IL Abschn. Praktisches Exempel
4. Capitel.
Die Heraldik als Unterrichts-Gegenstaiid.
In Prankreich hatte bekanntlich die Heraldik er-heblich früher als bei uns die äussere Gestalt einerWissenschaft erlangt, es ist daher nur consequent, dasswir dort auch am 'frühesten einem Versuche begegnen,die Heraldik zu einem Gegenstande des Unterrichts zumachen. Das erste Versuchsfeld ist die Kinderstube,und die Methode ist die des Unterrichtspieles. EinGeistlicher, Abbe deBrianville, überraschte (wahr-scheinlich im J. 1660) die „curieuse W elf mit einemKartenspiel, das statt der herkömmlichen Bilder Wap-pen trägt. Das wissenschaftliche Beiwerk, die Spiel-anweisung gab er in einem besonderen Schriftchen,dessen Titel ich nach der 3 Auflage citire-
Ieu d' armoiries des Souverains et Fstats d'Europe,pour apprendre le Blason, In Geographie et VHistoirecurieuse. Dedie ä son Altesse Royale de Savoye parG. Oronce Fine, dit de Brianville , Conseiller etAumönier du Boy. Troiseme edition, revue corrigce etauqmentee. A Lyon, chez Benoist Coral, rue Merciere,a la Victoire M. D. C. LXV. Avec Privileye du Boy. 12«.Das Spiel besteht aus den 4 Farben : Coeur, Tref-les, Pique, Carreau. Die Bilder sind : Roy. Dame, Prince,Chevalier, sodann die Ziffern 10-2. Der Werth desBlattes im Spiele wird angedeutet durch die Anfangs-buchstaben des Bildes (R., D., P., C.) oder die betref-fende Ziffer innerhalb eines Herzens etc., welches sichim (heraldisch) rechten Obereck des Blattes befindet.
Der Abbe de Brianville soll wegen der Wappenauf einigen Karten-Blättern (Valet und As) mit denInhabern der betreffenden Wappen Unannehmlichkeitengehabt haben. Die Karten sollen von der Obrigkeitweggenommen worden sein und er habe die Benennun-gen in Prince und Chevalier ändern müssen. 1 ) Ichhalte diese Angabe für eine Erdichtung. Der Verfasserselbst schreibt in der Spielanweisung: „on n'a changeque le Valet et l'As, en Prince et Chevalier, poureviter tout equivoque." Ein Höfling wie Brian-ville war überlegt genug, solchen Unannehmlichkeitenzuvorzukommen. In der Anweisung heisst es, dass manmit den Karten ebenso, wie mit gewöhnlichen Kartenspielen könne. Am geeignetesten seien das Spiel duHere oder du Malcontant oderCoticou, weil die Regelndieser Spiele mit der nothvvendigen Anwendung aufdie Heraldik am besten vereinbar sind.
In Deutschland hat das Spiel drei Nachahmungenbeziehungsweise Uebersetzungen gefunden, die säniuit-lich im Jahre 169Ö zu Nürnberg, Regensburg und Ham-burg erschienen sind, die letztere Ausgabe unter fol-gendem Titel
IDapcn-Kartctt ober £jeroIbs>Sptc(, tnorinn nad; Imi-tation bes ^rantjöfcben (sie) Aittoris C. Oronce Finc Jeud'Amoires sie auff eine artige unb fpielcnbe Methodegeroiefen wirb, wirb, roie curieuse £icbr|nbcr befonbers bit3ugcnb, bie IDapen'Kunfi, Geographie unb Historie vonallen Staaten in «Europa erlernen Föunen, HPobcy eine vffonbere Karte con beren pollftänbigen Waven wie auch, bas3etjt. fjcrrfcbenbc Europa. Hamburg, bey BenjaminSchillern, Budjbärtbleni im Dobm 1696. 16 o
Das Buch enthält auf 5 Kupfertafeln die Schraf-firnngen, die wichtigsten Heroldsbilder, Formen derSchilde und Helme, Kronen, Hüte n. s. w., sodann einenUnterricht zum Visiren der Wapen.
Hierauf werden die auf den Karten vorkommendenWappen der Reihe nach blasonirt und bei jedem einekurze Geographie und Historie gegeben. -
Da das französische Wappenspiel schon anderwei-tig 2 ; beschrieben ist, so gebe ich hier eine Uebersichtder Hamburger Wappenkarten.
Die Bilder sind König (ein K. in der gekröntenFiguri Königin (die Figur gekrönt ohne weitere Be-zeichnung), Ritter (ein C. in der Figur;, sodann dieZiffern 10 bis 1
Coeur: König: die Römische Kayserliche Majestät;Königin: der König in Schweden; Ritter: König inUngarn und Böhmen; 10 Chur-Mayntz; 9 Chur-Sachsen;8 der Hoch-Meister des Teutschen-Ordens; 7 Mecklen-burg; 6 Baden; 5 Hertzog von Arenberg; 4 das Fürst-liche Hauß Oranien; 3 Hertzog von Mantua; 2 Waldeck;1 die Graffen Truchsessen von Waldburg.
1) Bernd, Schriftenkunde I. 338.
2i von R. von Eitelberger in den Mittheilungen derösterr. Central-Commission zur Erforsch, u. Erh. d -Baudenkmale V. Band (1860) S. 233 ff.