Geschichte der Heraldik. IV. 4.
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Hoch verstehen kann. Die historische Behandlung einesWappens giebt erst dem heraldischen Studium Lebenund Interesse. Ein Wappen wird gleichsam ein Com-pendium, welches die Hauptepochen einer Landesge-schichte enthält. Historie und Genealogie geben derHeraldik Licht, sp wie es wieder jenen Wissenschaftenmittheilt.
„Quellen der Wappenkunde vom ersten Rang sinddiejenigen welche von den übrigen theils wegen derVollständigkeit der aus ihnen zu schöpfenden Nach-Nachrichten , theils deswegen den Vorzug haben, weilsie sich auf eine Art von öffentlichen Ansehengründen. Dahin gehören:
1) Wappen und Adelsbriefe.
2) Siegel sind eine der vorzüglichsten und lauter-sten Quellen für die Wappenkunde. Sie übertreffen anMenge alle übrige Quellen und gehen bis ins XI. Jahrh.hinauf.
3) Münzen und Medaillen sind eine der reichstenQuellen.
Quellen vom zweiten Range: 1. Denkmäler.2. Lehenbriefe. 3. Geschichtsschreiber. 4. Turnierbe-schreibungen. 5. Alte Familien- und Stammbücher.6. Beschreibungen feyerlicher Handlungen. 7. Die Wap-peukalender. 8. Wappensammlungen. 9. Wappenbücher.
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S, 345 ff.: Theoretisch-praktischer Unterricht überdie Heraldik oder Wappenkunde.
„Veranlassung und Absicht. Amtespflicht,sphragistische Vollständigkeit und Versprechen fordernDoch diese Abhandlung von mir ; so wie die Bescheiden-heit und nothwendige Rücksicht auf die mehrern gleich-zeitigen Haupt- und Nebenstudien meiner HerrenLehrlinge mich zu möglichster Kürze, Ordnung undDeutlichkeit verpflichten. Dazu habe ich ja keineBeraldiker von Profession, sondern nur Leute auszu-bilden, die im heraldischen Fache nicht ganz fremdeseyn wollen. Ich halte mich, demnach zweckmässig anGatterer's Abriss der Wappenkunde; zweyte Nürnber-ger Auflage vom J. 1774 .... benutze zu ihrem Vor-theil meinen schon einmal für Sie herausgegebenenUmriss der Heraldik oft ganz ungeändert ....
1. Hauptst. Erklärung, Eintheilung, Ursprung undLehrbücher der Wappen sowohl als der gesammtenWappenkunde. 2. Von den wesentlichen Stücken einesWappens. 3. Von den Nebenstücken eines Wappens;sonderheitlich von den Unterscheidungs - und Pracht-stücken. 4. Vom Entwerfen und Blasoniren der Wap-pen. 5. Alphabetisches Verzeichniss der Kunstwörter.
§ 670. Das Nieder- oder plattdeutsche Wort Wappenheisst soviel als in hochdeutscher Sprache Waffen; undhat seine Grundabstammung daher: weil die sogenann-ten Wappenbilder einen kriegerischen Ursprung haben;desswegen auch allerley Waffen oder zum Krieg ge-hörige Dinge vorstellten, und wohl uranfänglich nurallein auf wirklichen Waffen, nemlich auf Schilden undHelmen abgebildet waren.
(Die ganze Deduction ist dem Gatterer'schen Ab-riss entnommen).
3obann <£btifiopb. «Satterers Königl.. (Sroprttan.«nb £rfurbraunfdbir>eig=£üneburgifd)en ßofratrjs unb profef-f°ts ber (Sefcbidbte ju (Sötttngcn :c. prafttfebe fje rabJit. JTtit 6 Kupfer, unb 3 Stammtafeln. Hürnbetg, imPerlag ber Bauer, unb ITTann'fcben Bucbbattblung. 1791.8» 350 S.
(Vorrede) „Wappen haben, wie Schaumünzen, dasunverdiente Schicksal, dass fast jeder Witzling glaubt,er könne den Erfinder machen, ohne zu bedenken, dassErfindungswitz bey weitem nicht hinlänglich sey, sonderndass auch Beurtheilungskraft, Einsicht und Belesenheitdazu erfordert werden. Nicht Vorrang bey Hofe, nichtFürstengunst, nicht ehrgeitzige oder eigennützige Zu-dringlichkeit sollen bey der Wahl eines Wappen-Erfin-ders oder Aufreisers den Ausschlag geben; sondern der-jenige, der die gröste Geschicklichkeit hiezu besitzt, ersey übrigens, wer er wolle, muss hier von Rechtswegenden Vorzug haben."Inhalt:
I. Abschnitt: Praktische Regeln. 1. Hauptstück:vom Blasonniren. 2. Hptst. Vom Historisiren. 3. Hptst.Vom Kritisiren. 4. Hptst. Vom Aufreisen.IL Abschnitt: Praktische Exempel.§. 1. Die Heraldik ist, wie alle ihre Schwestern,die übrigen historischen Hülfswissenschaften, ihrer Be-stimmung nach eine praktische Wissenschaft.Man lernt ihre Theorie, nicht um ihrer selbst willen,sondern um desto glücklicher prakticiren zu können.
§ 3. Alle praktischen Arbeiten des Heraldikerslassen sich unter vier Klassen bringen: er muss jedesgegebene Wappen Blasoniren, Historisen undKritisiren und dann neue Wappen erfinden oderAufr eisen können.
§ 22. Wappen deuten heist nicht Zschack-witziren. das ist, Grund angeben wollen, warum Fel-der und Bilder gotden, blau, roth, schwarz etc. sind;warum eine Familie oder ein Land dieses oder jenesBild, warum eben einen Löwen, und nicht einen Adleroder Fisch .... führet, sondern es heisst, beweisen,dass dieses oder jenes Bild, in dieser oder jener Gestaltund Farbe, in diesem oder jenem Felde etc. die wahreHieroglyphe dieses, und keines andern, Landes oderRechts, dieser und keiner andern Familie sey u. s. w.§ 27. Die heraldischeKritik hat zur Absicht,die Fehler und Mängel in den Wappen, nicht nur desAdels, sondern auch selbst grosser Herren und ganzerStaaten, aufzusuchen, und ohne Schonung zu rügen....§ 28. Alles, was der heraldische Kritiker dabeythun kan und muss, gründet sich auf die beyden Fra-gen: 1) Ist das gegebene Wappen acht? und 2) ist esden heraldischen Regeln gemäss.
§ 29. Die erste Hauptfrage: Ob ein gegebenesWappen acht sey? löset sich in vier besondere Fragenauf: 1) Ob das gegebene Wappen verfälscht sey, 2) obes etwa gar durchaus falsch oder untergeschoben sey,8) ob es richtig oder falsch iuterpretirt werde, und 4)ob ein angebliches Familienwappen wirklich das Wap-pen der Familie sey ?
§ 34. Die zweite Hauptfrage ... ist diese: Obein Wappen den heraldischen Regeln gemäss sey ? Hiermüssen folgende sechs Stücke untersucht werden: 1) dieFigur des Hauptschildes 2) die Felder 3) die Wappen-bilder, 4) die Mittelschilder, 5) die Vereinigungsart,6) der Plan.
lieber ben llrfprung bcr (SefdjIecf/tstDappen in Ceutfd]»Ianb. In: Taschenbuch der teutsclien Vorzeit von Fr.Ernst Carl Mereau beider Rechte und der Phil. Dr.,Univ. Bibl. n. Adv. des Herzogl. Sachs. Gesammt-Hof-gerichts zu Jena. Nürnberg in der Kaiserl. privil.Kunst- u. Buchhandlung Ad. Gottl. Schneider u. Wei-gels. 1794. 120.
„Wenn man über den Ursprung einer Sache undihre erste Erscheinung richtig urtheilen will, so mussman vor allen Dingen reiflich überdenken, ob man mitderjenigen früheren Gewohnheit, von welcher man siein ihrer jetzigen Qualität ableiten will, auch damals