658
Geschichte der Heraldik. IV. 4.
ungleichen Schildestheilungen entstehen, haben nocheine Htllfsfigur, die hier die Stelle des Schildes oderFeldes vertritt, nöthig ... Zu solchen Hülfsfigurenschicken sich z. E. Flüge, Schirmbretter, Kleidungs-stücke, Pfauenwedel, Fahnen, Büffelshörner.
„§. 125. Die Helmdeckeu wurden mit der Zeit einemLaubwerke ähnlich, welche Veränderung nicht sowolvon den Hieben und Streichen, wodurch in Turnierenund Schlachten diese Decken zerlezet worden, als viel-mehr von dem gothischen Geschmacke der vorigen Zeiten,da man fast alle Dinge durch Schnürkel, gekrauste undeckigte Züge, zu verschönern glaubte, herzuleiten ist."
Die Verweisung der redenden Wappen an letzteStelle rechtfertigt Gatterer in s. Allgem. histor. Biblio-thek II 311 durch folgende Erwägung:
„Da die redenden Wappen, wenn man ohne Cirkelim Deflniren und Beweisen von ihnen handeln will, alleübrige zur Heraldik gehörige Gegenstände voraussetzen;so handelt derjenige allerdings wider die Gesetze einerguten Methode, der sie nicht bis ans Ende versparet.*
Gatterer's Abriss wurde ins Russische übersetztund hat yi dieser Ausgabe mehrere Auflagen 1805,1828 u. s. w. erlebt.
3- <£• (Sattercrs Beurteilung einiger fremben 2TTe>tfjoben, IDappen rjiftorifdj ju befdjreiben. In: Allgemeinehistorische Bibliothek von Mitgliedern des königl. In-stituts der historischen Wissenschaften zu Göttingen.Herausgeg. von Johann Christoph Gatterer II. Band,Halle, bey Johann Justinus Gebauer 1767.
„1) Spener blasonirt ziemlich gut, erläutert auchdie Wappen aus der Historie; bestimmt aber die Epochender Veränderung eines Wappens bisweilen gar nichtund bisweilen nicht genau genug, noch weniger beweister sie aus Siegeln, Münzen, Denkmälern etc. und end-lich macht er, durch unzeitige Einmischung genealogischerund historischer Umstände, dass man die heraldischenSätze, als die Hauptsache, nicht deutlich genug unter-scheiden kan.
„2) R u d o 1 p h i (oder vielmehr, wenigstens dem Stoffenach der geheime Bath Kroll von Freyen, blasonirtungefähr wie Spener, von historischen Erläuterungenaber findet man kaum 3 bia 4 Beyspiele und von derHistorie der Wappen gar nichts, (gehört nicht) zu denhistorischen Beschreibern der Wappen, sondern nur zurClasse der Blasonisten.
„3) Trier ist in der Blasonirung meistens genauund richtig, erläutert die Wappen aus der Historie,unterscheidet auch die heraldischen Sätze durch grössereSchrift von den historischen Erläuterungen; allein dieEpochen der Wappenveränderungen und die Beweisederselben aus Siegeln, Münzen etc. sucht man bei ihmvergeblich.
„4) Schmeitzel ist dem Trier durchaus gleich, nurunterscheidet er die heraldischen Sätze von denhistorischen Erläuterungen nicht so genau, wie Trier.
„5) Jungendres ist dem Trier vollkommen gleich.Er unterscheidet die historischen Erläuterungen von denheraldischen Sätzen durch Parenthesen und durchgrössere Schrift.
„6> Zschackwitz blosonirt nicht so richtig, wieseine Vorgänger, hat fast gar keine historischen Er-läuterungen, noch weniger aber bestimmt er die Epochender Wappenveränderungen, beweist nichts aus Siegelnu. dgl. nnd philosophirt bis zum Ekel über dieBedeutung der Wappenfi guren und Farben.
„7) Reinhard ist der Schmeitzelschen Methodezugethan.
*8) Joh. Dav. Köhler hat alle seine Vorgängerübertroffen. Er blasonirt richtig, erläutert die Wappenaus der Historie, unterscheidet die historischen Er-
läuterungen von den heraldischen Sätzen, bestimmt dieEpochen der Wappenveränderungen und beweist sieaus Siegeln, Münzen, Denkmälern, Schriftstellern. SeinerBeschreibung des grosbritannischen Wappens, auf dieich hier besonders sehe, fehlt fast nichts, als die Bey-fügung der Kupferstiche, worauf er sich bezieht.
„9) Oetter würde es Köhlern zuvorthun, wenn ermehr Urtheilskraft und Geschmack hätte. Er beweistin seinen Wappenbelustigungen die heraldischen Sätzedurch Kupferstiche; allein sein Vortrag ist ausschweifendund aberwitzig."
Ludewig Albrecht Gebhardi, Genealogische Ge-schichte der erblichen Reichsstände in Teutschland.Erster Band. Halle bey Joh. Just. Gebauers Witweund Joh. Jac. Gebauer 1776. (4° 456 S.).
„Die Heraldik oder Wapenlehre hat vozüglich etwasermüdendem, und schwerlich wird es möglich seyn, einblos heraldisches Buch für solche, die nur zum Ver-gnügen lesen, zu schreiben. Dem ohngeachtet darf sienicht vernachlässiget werden, da heraldische Irthümerblutige Kriege veranlasset, und den Verlust einträg-licher Lehngüter und Präbenden nach sich gezogenhaben. Man überließ diese Kunst eine Zeitlang denHerolden, die sie sehr verunstalteten. Nachher gabSpener ihr ein wissenschaftliches Anseiion, und derHofrath Gatterer hob sie endlich fass bis zu der v\ ürdeeiner Wissenschaft hinauf. Es scheint zwar, dass inderselben fast alle Sätze willkührlich sind, allein es istgewiß, dass blos die geringe Kenntnis, die man vonden ältesten Wapen bisher gehabt hat, zu diesem IrthumeGelegenheit giebt. Die ersten Wapengenossen führtenWapen zu einer Erinnerung an solche Thaten, aufwelche sie stolz waren. Andere bekamen Wapen zumKennzeichen für die Turniergenossen, die, weil sie wder Kunst des Lesens unerfahren waren, aus selbigenbeurtheilen solten, ob der Mann, der das Wapen führte,von ihrer Nation und ein ächter Wapengenosse sey.Beydes sezte vorans, dass das Wapen der älteren Zeiteine Bilderschrift, die jeden verständlich war, enthielt,nnd folglich muste es Wapen-Regeln geben, die sodeutlich waren, dass jeder sie einsehen konnte. Manhat bisher nur einige wenige dieser Regeln entdeckt,weil man ehedem blos neue Wapen und Heroldsberichteuntersuchen konte. Allein jezt, da beträchtliche Siegel-sammlungen durch Kupferstiche gemeinnützig gemachtworden sind, kann man tiefer in die Geheimnisse, derWappenlehre dringen und man findet nunmehr, dass durchgewisse Beschaffenheiten einzelner Wappen genealogischeGeheimnisse und nicht selten auch historische Begeben-heiten entdecket werden können.....(S. 15). Ueber-
haupt sind Heraldik und Genealogie so nahe verwandt,dass die eine dieser Wissenschaften stets Erläuterungendurch die andere erhält."
3obamtpaul Heinborbs, t)od?fürjtIid?. Branbenburg-2fnsbacb= unb dulmbacbifdjen fjofratbs, ber^ C5cfrf?id?tcorbentltdjen £ebrers 3U (Erlangen, oollftänbige J£>ap,'pen fünft, gmcyte, fcfjr nermchrte Jluffagc. W»24 Kupfcrtafeln. Nürnberg, im Derlag ber Selig'männifdjen Kunffb,anblung 1778 (8<>, 172 S. .
„Das erste Capitel ist beynahe ganz umgearbeitet;.... alle folgende Capitel haben haben beträchtlicheZusätze erhalten; insonderheit die von Heroldsfigurenund den gemeinen Figuren."
In der neuen Auflage stehen 15 Captiel statt l*idurch Theilung des alten Capitels XI in folgende neue •
XL Von den verschiedenen Arten der Vermehrungder Wappen.
XII. Von der Verbindung vieler Wappen miteinander.
„Die Unterscheidungszeichen, sowohl ganzer Völkerund Gemeinden als einzelner Geschlechter und Personen»findet man schon in den ältesten Zeiten . . .