Geschichte der Heraldik. IV. 4.
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(Vorrede). „Die Absicht, die mich zur Ausarbeitungdieses Abrisses bewogen hatte, war, der Heraldik,wenigstens im Kleinen die systematische Gestalt zugeben, die sie haben muss, weil sie zu dem Theil deshistorischen Gebiets gehört, die nicht Begebenheiten,welche erzählt werden, sondern Wissenschaften,die man, wie jede phil sophisch e oder mathe-mathische Wissenschaft deinonstriren muß,enthält.
„Ich halte die heraldische Kritik nur darum fürnöthig, weil ich sehe, dass noch alle Jahre bey derErfindung neuer Wappen, sonderlich geistlicher FürstenUnd Fürstinnen gegen die ersten heraldischen Regelnangestoßen wird. Und dennoch sezt man die Wappen,die in den Augen eines Kenners höchst verwerflich undwol eben so lächerlich sind, als ein lateinisches Bxer-citium voll grammatikalischer Schnizer, auf öffentlicheMünzen, besiegelt damit Gesetze und Verordnungen,stellt sie zur Schau auf Equipagen, Paläste, Gefäßenauf, u. s. w.
Inhalts-Uebersicht. Erstes Hauptstück. Von denWappen und der Wappenkunde überhaupt: Erklärungund Eintheilung der Wappen. Ursprung der Wappen.Erklärung der Wappenkunde. Ursprung der Wappen-kunde. Quellen der Wappenkunde. Zweites Haupt-stück: Vom Schilde überhaupt. Drittes Hauptst:Von den Tincturen. Viertes Hauptst.: Von denSectionen und Figuren überhaupt. Fünftes H.> Vonden Sectionen insonderheit, und zwar 1) mit geradenEinien 2) mit krummen Linien. Sechstes H.: Vonden Heroldsfiguren oder Ehrenstücken. Siebentes H.:Von den gemeinen Figuren 1) von den natürlichenFiguren 2) von den künstlichen Figuren. Achtes H.:Kunstwörter, die in Beschreibung der Figuren ge-braucht werden. Neuntes H: Regeln der Figuren.Zehntes H.: Von der Wappenvereinigung 1) von derVereinigung mehrer Wappen überhaupt. 2) in den Frauen-zimmerwappen insonderheit. Elftes H.: Von dem Planoder Entwurf der Wappen. Zwölftes H.: Von derOrdnung im Blasoniren. Dreizehntes H.: Von denNebenstücken der Wappen I., von den Unterscheidungs-stücken. 1) von dem Helme, a) überhaupt, b) Insonder-heit von den Helmkleinodien. 2) von den Kronen.3) von den Hüten und Müzen. 4) vou Unterscheidungs-stücken hinter und um den Schild. II. von den Pracht-stücken, und zwar 1) von den Schildhaltern 2) von denWappenzelten und Mänteln, und 3) von Losungswortenund Sinnsprüchen. Vierzehntes H.: Von den Bey-zeichen oder Brüchen. II. Von redenden Wappen.
„§. 1. Die Wappen (so wie wir jetzo dieses Wort ge-brauchen) sind von dem höchsten Regenten eines Staatsverwilligte Zeichen der Personen und Länder: eine ArtBilderschrift oder hieroglyphischer Zeichen. Die Per-sonen die Wappen führen, kan man sich entweder alseinzelne Personen vorstellen; so hat man den Begriffvon persönlichen Wappen: oder man kan in GedankenMehrere Personen zusammen nehmen; in soferne sieeine ganze Familie und Gesellschaft ausmachen; worausder Begriff von Familien- und Gesellschafts-Wappen ent-stehet, etc.
„§. 2. Den Ursprung der heut zu Tage gebräuch-lichen Wappen und der Regeln, wornach die Wappeneingerichtet werden, muß man bey den teutschen Völ-ckern suchen ...
„. . . . Zschackwitz war in seine, an sieb wahreMeynung allzusehr verliebt. Er will alle Heroldsfigurenoder sogenannte Ehrenstücke und noch viele, ja dieleisten übrigen Figuren zu Bildern von Gewehren undWaffenstücken machen . . . Man spreche den Saz alsoaus: Sehr viele Wappenbilder, sonderlich die Herolds-figuren, sind ursprünglich Bilder von Gewehren und
anderen solchen Dingen, die zum Kriegswesen gehören:wenn wir gleich jezo nicht jederzeit die damit bezeich-nete Gattung des Gewehrs oder Kriegswerkzeuges be-stimmen können; es giebt auch neue Wappenbilder, dieeine Beziehung auf tapfere Kriegsthaten haben.....
„§. 5. . . Zu den Quellen (der Wappenkunde) vomersten Range rechnen wir 1) die Wappen- und Adels-briefe 2) die Siegel und 3) die Münzen. Zu den Quellenvon zweyten Range gehören 1) die Denkmäler, z. E.Epitaphia, Grabsteine, Gemälde, Kirchenfahnen 2) dieLehenbriefe 3) die Geschichtschreiber 4) Turnierbe-schreibungen 5) alte Familien- oder Stammbücher, Be-schreibungen feierlicher Einzüge, Leichenbegängniße6) Wappensammlungen etc.
„§. 8. Wann man sich in Gedanken einen.. Rittervorstellt, wie er, seinen Schild znr Bedeckung des Leibesauf dem Pferde vor sich haltend, auf uns zureitet . . .so wird man die Ursache von verschiedenen Benenn-ungen und Ausdrücken einsehen, womit man gewisseTheile . . . des Schildes zu bezeichnen pflegt (rechts,links etc,)
„§. 76. . . . Den gemeinen Figuren schreibt unsereWissenschaft kein bestimmtes Maas vor; auser dass sienur überhaupt verlangt man solle die Größe der Figurnach dem Verhältnisse der Größe des Feldes abmessen.In der besondern Anwendung dieser Vorschrift folgtman den Regeln der Schönheit.
„§. 79.....Der Schild wurde am linken Arm ge-tragen und es war also ganz natürlich, dass die aufder Oberfläche des Schilds befindliche Figuren . . . mitdem Vordertheile gegen den Ritter gekehrt waren.Dieß heißt aber in der Heraldik rechts gekehrt. Alsosind die Wappenfiguren, die den Unterschied des Vorderund Hintertheils zulassen, am natürlichsten rechtsge-kehrt. Indessen gab es doch auch Ritter, die dasHintertheil ihrer Wappenfiguren lieber ansahen, alsdas Vprdertheil. Man kan ihnen diese Freude lassen;nur muss man es, als etwas unnatürliches, melden,wann Figuren auf diese Weise linksgekehrt erscheinen.
„Von der Stellung der Wappenfiguren auf Fahnengiebt man die Regel, dass ihr Vordertheil . . . gegenden Stock gekehrt sein soll. a ) Ich glaube, diese Regellasse sich aus eben dem Grunde herleiten, aus welchemwir die rechtsgekehrte Stellung der Figuren in Schildenhergeleitet haben.
„§. 83. Die Regel von der Ordinirung der Figuren,sonderlich von einerley Art, gründet sich, nächst denRegeln der Schönheit, die der Wappen-kundige nie aus den Augen lassen darf, aufdie Gestalt der ältesten W appen Schilde.Diese stelleten ehehin ein gleichschenklichtes Dreyeckvor. . . Wann also Figuren den Regeln der Schönheitund der ursprünglichen Gestalt der Wappenschilde ge-mäs ordiniret werden, so stehen sie in einer natürlichen,gewöhnlichen oder regelmäßigen Ordnung: wann hin-gegen Ordinirungen anders beschaffen sind, so sind sieunnatürlich, ungewöhnlich, oder sie weichen von derRegel ab. . . .
„§. 85. Von drey Figuren werden 2 oben und 1unten, der dreyeckigten Gestalt des Schildes sowol, alsden Regeln der Schönheit gemäs, und also regelmäßig,gestellt. .
„§. 119. Ueber einem einzigen Schilde soll vonRechtswegen auch nur Ein Helm stehen, so wie beyder ehemaligen Kriegsrüstnng für einen Kriegsmannnur Ein Schild und nur ein Helm nöthig war.
„§. 122. (Helmkleinode). Heroldsfiguren, weil sie aus
1) Bartolus de Saxoferrato!