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Geschichte der Heraldik. IV, 4.
wahren Ursprung der Wapen zu gelangen seyn.....
Wie also, vorgedachter massen, ein Unterscheid istinter signa militaria, oder, nnter denen Lände r-Z e i c h e nund unter denen K rie ges-Zeich en; also ist auchgewiss dass die meisten signa militaria nachher Wapengeworden. Denn diese signa militaria hat man (.es istjetzo nur die Rede von Deutschland) beständig gefüh-ret . . . Aus diesen Krieges-Zeichen also sind nachherdie Länder-Wapen entstanden, darbey aber untersuchetwerden muss, wenn man angefangen habe, sothaneKrieges-Zeichen zu Länder-Wapen zu machen? welcheswie alle Umstände es geben, nicht eher geschehen, alsnachdem die Päbste die Creutz-Ztige aufbrachten. . . .Weil . . bei dergleichen Zügen allerley Völcker desChristlichen Europa zusammen kamen, hat man, um ein-ander unterscheiden zu können, gedachte Krieges-Zeicheunothwendig, zu eines Landes seinem Zeichen oderWapen, wie man es nach dem genennet, annehmenmüssen."
Auch die Geschlechtszeiehen seien vorher Kriegs-Zeichen gewesen.
„ . . Die railites, oder die Krieger, wie diesesWort die Deutschen vernmthlich gegeben, waren nie-mand anders, als lauter vornehme Freygebohrne, dienehmlich nur den Degen führeten, und in den Kriegzogen; nebst dem kein grösserer Beweiss sein konte,als wenn man dessen gehabte Waffen aufzuweisen ver-meinte, so ist gar glaublich, dass der Fürst, um dadurchandere zu gleicher Tapfferkeit anzufrischen, einem sol-chen grossmüthigen Streiter erlaubet, den Abriss derWaffen des überwundenen Feindes in seinem Schildezu führen: Jedoch muss man in Untersuchung diesertieften Antiquität etwas behutsam verfahren. Dennweil Deutschland . . allezeit in seine Gauen einge-theilet gewesen, so müssen die signa militaria vornehm-lich also angesehen werden, dass 1. das gantze Landdann 2. jeder Gau sein eigen Signum militare gehabt.. . . Die Signa militaria der Gauen sind endlicn zwarauch zu Länder-Wapen geworden, und zwar nornehm-lich um diese Zeiten, als die Provintzien zerrissenwurden und zerfielen, jedoch ist dieses nur nach undnach geschehen, ob man gleich solches bisher nicht satt-sam beobachtet."
„Die sogenannten Zinnen-Schnitte sind nicht, andersals Mauren-Zinnen oder Spitzen, die derjenige, der eineMauer im gehabten Sturm, am ersten erstiegen, nach-mals in seinen Schild hat setzen lassen, dergleichen auchvon andern sothanen Bildern zu sagen."
„. . . was sollen doch Wendel-Treppen und Winckel-Maasse in denen Schilden machen ? Müste man hierbeynicht glauben, dass der, der solche geführet, etwanein guter Zimmermann gewesen, der seine Wendel-Treppen machen können, und sein Winckehnaaß hübschzu gebrauchen gewust?
„. . ein vornehmer Frey geboh nier führet seinWapen alleine im Hertzen des Schildes: der Fussist vor Freygelassene, Mittelfreye und Servientes ge-wesen. Das Haupt aber vor Freygebohrne, iedoch dievon mittlem Stande gewesen, welcher UnterschiedDachmahls auch wegen der Länder-Wapen beobachtetworden.
„. . . Sie heissen aber Wapen-Bilder eigentlich vondaher, weil selbige denen Wapen gleichsam gantz eigen,auch in der That nichts anders seyn als gewisse Waf-fen, darunter das offt berührte Cingulu'm militareoder das Wehrgehencke den Vorrang bat, indem sonder-lich aus selbigem die uralten Wapen bestehen die dienachherigen Zeiten, vor weiss nicht was vor Linien,Züge und dergleichen ausgegeben ... So bleibet esdarbey, dass diese . . . Ehren -Stücke oder Bildernichts anders als das Unguium oder Baltlieus militariaseyn und selbiges vorstellen . . . als ergiebet sich hier-
aus, dass derjenige, der seine Tapfferkeit beweisen undein Zeugniss darvon vorlegen wollen, solches nichtbesser zu leisten vermocht, als wenn er seinen Feinderleget, ihm das Cingulum militare . . . abgenommen,auch solches nachmahls über seinen Schild hergezogenund selbigem einverleibet, da denn gleich viel geweser.,ob er es quer drüber hergeleget, oder, ob es oben andem Schild angeknüpfet worden , denn die scrupuleuseEintheilung, die man dermahlen machet, rühret ausdenen gar neuem Zeiten her.
„Quer-Balcken sind ohne Zweiffei nichts anders,als Schlag-Bäume, indem diese ebenfalls einen grossenAntbeil an der Verteidigung einer Festung genommen. . . die Pfähle sind nichts anders, als die so genanntenPallisaden .... das Creutz und dessen vielerley Arten,sind ebenfalls nichts anders als gewisse Arten der Ge-wehre.
(Engel) „. . . so fället doch sehr schwer, die wahreUrsache anzuzeigen, wie nach dieses Bild in die Schildegerathen ? Vielleicht aber, dass es von denen geschehen,die bey denen Creutz-Zügen, diesen oder jenen Engelsich zu ihrem Schutz-Gotte erwehlet gehabt. Nachdemsie nun etwan gantzbeinigt wieder nach Hause gekom-men , haben sie solches sothanem vermeinten Schutz-Gotte zugeschrieben, mithin selbigen zu einem Wapen."Bilde erwehlet. .. Woher es aber rühre, dass in einigenWapen die doch in Deutschland wenig vorkommen nur eingeflügelter Engelskopff erscheine, davon wird viel-leicht keine andere Ursache angegeben werden können,als dass man sage, es wäre derjenige, der einen solchenbekommen, bloss ein Frilazzer oder wohl gar nureinServiens gewesen, sey aber im Kriege zu einigenEhren gelanget, welches er denn auch seinem Schutz-Heiligen zugeschrieben, davon er doch nur den blossenKopff. mit ein paar Flügeln versehen, führen dürfen.
Wer einen Menschen in sein Wappen nahm, habe„einen gar vornehmen Mann oder Frauenzimmer zuKriegs-Gefangenen gemachet, deren Ai'.dencken er nach-mahls seinem Schilde einverleibt.
„Denn obgleich Uptonius haben will, es sey derElephant ein verständiges Thier so ist doch dadurchnoch nicht gewiesen, warum selbiger ein Wapen-Bildabgegeben man wollte denn etwa sagen, es sey ehedemdas Wapen eines sehr grossen Künstlers in Helffenbeiugewesen . den man seiner Kunst halben gar sonderbahrgeehret und ihn also mit einem Schilde und Wappenversehen , wiewohl dieses in die neuere Zeiten gesetztwerden müste. . . Da auch in Schwaben, in dem, nachUlm gehörigen Städtgen Gieslingen, die allervortreff-lichste und gewiss gantz ungemein künstl. Helfenbein-Arbeit verfertiget wird, so muss daraus ebenfalls einSchluss entstehen, dass die deutschen die Erfinder die-ser Arbeit seyn .... mithin wird obiger Satz, wienach der Elephant unter die Wapen gerathen, seinegute Richtigkeit behalten.
Von den S c h i 1 d h a 11 e r n giebt der Verfasser fol-gende Erklärung: „als man von den Tournieren sichzu der Ehren-Tafel zu begeben pflegte, .... lehnteman die Schilde nach einander an der Mauer bin.Damit nun selbige . . . nicht etwa umfielen .... hatman sie mit Stöcken befestiget, oder zwischen iedemSchild ein paar Stöcke gesetzet .... Wie es nun mitsolchen Dingen zu gehen pfleget, so mag man in nach-herigen Zeiten, durch einen Bildhauer einem solchenStocke etwa eine Gestalt oder Bildniss haben gebenlassen, damit es besser gesehen, als ein blosser Stock,woraus endlich die Gewohnheit entstanden, dass mansothane Bild-Stöcke denen Wapen mit beygefüget."
Zschackwitz spricht von der überlieferten Wappeil*kunst in ziemlich geringschätzigen Ausdrücken. Erbezeichnet sie „als eine Wissenschaft, die Wapen-Bilder