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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. IV. 4.

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aus ganz Europa die desshalben in Druck gekommeneSchriften mir anzuschaffen; dieselbe für mich zu lesenund auch denen Studierenden darinnen, in collegiis undVersammlungen, besondere Anleitung zu geben.

Dabey habe befunden; dass unsere einheimischeHeraides oder Wappenbücher, Spenerum nicht aus-gonommen, sich nach den Frantzosen ihrer EinrichtungUnd Schrifften mehr gerichtet; als Zeit angewendethaben, die besondere Angelegenheiten desdeutschen Adels und Wapp en-und Ahnenrecht,aus den Reich ssachen mittler Zeiten zu untersuchen.«Dieses hat mich veranlasset; denen Zuhörern denUnterschied des Teutschen,Römischen und andererOrten in Europa befindlichen Adels und dero so ge-nannten Wappen- oder Geschlechtszeichen, zu weisen.Bey welcher Untersuchung dann zu der Erkenntnisskommen bin, gar viele Irrthümer in der Teutschen Wap-penkunst zu entdeckeu.

Weil aber der glorwürdige Stifter gleich hernachan. 1713 verstorben und die Bestätigung dieses neuenOberheraidsamtes nicht erfolgen wolte; mithin die Ver-richtungen dabey ins stecken geriethen; so gingen auchdie Glieder und Beysitzer dieser Oberheraldscammer, auseinander. Und ich wurde in andere Verrichtungen,die mehr Zeit und Einsicht erforderten gezogen;darüber ich auch dieser Neben stunden, leichtlichVergessen müssen. Der Aufwand aber, auf die kostbareund meistens sehr rare heraldische Bücher, war ein-niahl geschehen. Die auch von der Zeit an, in meinemBüchervorrath, meistens geruhet haben und ohnange-rühret geblieben sein."

Erhard Georg v. Lüder zu Loshausen, derLetzte seines Geschlechtes (t 1760) hat nach demZeugnis Estor'sseiter langen Jahren auf die adelichenStammregister und wapen sehr vielen fieis und kostenverwendet." Estor's Wunschdaß er diese nüzlichearbeit dem druck übergäbe" ist meines Wissens nichtin Erfüllung gegangen. Ein Bruchstück:Nachrichtvon einigen adelichen geschlechtern" hatEstor 1 ) publicirt.

Ueber sein Verfahren sagt Herr v. Lüder:2)Ich bediene mich zwar der wapenbücher zur nach-richt, aber nicht zum Beweis einer sache. Die wapen,so ich mahlen lasse, richte mehrentheile nach altenH1 glen, tapeten und andern sich findenden beglaubtenUrkunden, in so fern diese nichts an sich haben, so derheraldic zuwider ist, wann ich aber dergleichen nach-richten nicht habe, sondern muß ein wapen blos nachden wapenbüchern mahlen lassen, so melde allezeit dar-bey, daß selbiges aus dem wapenbuch genommen undsonst keine uachricht darvon gehabt habe."

Einen anderen Heraldiker nannte Estor 1728:Die Wapen-Kunst . . . hat ohnzehlige Verbesser-ungen nöthig . . . und wäre zu wünschen, dass derm dieser Wissenschaft wolgeübte Herr L i c e n t i a tStarck zu Franckfurth solche dereinst an Tag zulagen sich entschliessen möchte; wie er dann mit seinengelehrten Anmerckungen mir verschiedentlich an Handgegangen ist.

Johann Christoph Erich v v. u Springer, Universitäts-Kanzler zu Rinteln f 6. October 1798, hinterliess ein56 Bogen starkes ManuscriptHeraldik", welchesmi Reichsanzeiger von 1799 zum Kauf angebotenwurde.")

1) Anleitung zur An'enprobe. Marburg 1750. 4°.S. 112.

2) Ebendas. S. 38.

3) Strieder S. 215. Ueber die PersönlichkeitSpringers vergl. oben S. 405.

2. Capitel.Die Lehrschriften bis zur Zeit Gatterers.

Quilemus 0' Kelly de Aghrim, Speculum Heraldicum1705.

In der Hauslab-Versammlung des Fürsten von Liech-tenstein zu Wien ist ein Exemplar dieser Curiositäterhalten geblieben. Uem Herrn Custos der Sammlungverdanke ich folgende Beschreibung:

Die Inschrift Speculum Heraldicum in der Mitteoben über einem Medaillon Josephs I. , das von allego-rischen Figuren gehalten wird, welche auf gefesseltenKrigsgefangenen stehen. Darunter die lateinische Wid-mung O'Kelly's an den Adel und die Stände Nieder-österreichs mit der Jahrzahl 1705. Links davon inzwei grossen Spalten in Stich: Principia artis heraldi-cae strictim explicata et appositis exemplis illustrataAller übrige Raum ist ausgefüllt mit über 500 Wappen-schildchen. Zu Unterst rechts: Prostant apud AuthoremViennae C. P. S. C. M Colorirter Stich in Grossquer-folio, Bildfläche 535 : 752 mm."

O'Kelly war Professor der Heraldik an der späternoch zu erwähnenden Ritterakademie zu Wien.

Die Regeln der Heroldskunst haben folgenden Wort-laut:

Nomen ab Heraldis trahit Ars Heraldica. ConstatScuto, Tincturis variis variisque FigurisVirtae, apices, galeae, telamones, lenamena, coronaeHuc spectant . Duo sunt (aurum argentumque)

metalla:Hermonicum, Varium, duovellera: quinque colores,Purpureus, viridis, ruber, ater, coeruleusque;Sanguineum Ins addunt Angli citriumque coloresScuti partitio, positura figura notandae,Et quia Tincturae signent, modus hasque notandi.Accedunt pariter numerus, situs, ordo figurisSectio, partitio, sensus. Natura figurisAut ars suppeditat: quasdam mens fingit; at illaeSunt in honore, quibus dedit Ars HeraldicaUsus is est artis; non posse metalla metallisIniponi: nunquam color est hac arte coloriImponendus . Ab hac duo vellera, purpureumqueExcipe, nativo quae sunt signata coloreSymbola quaeque dabunt ansam tibi forte rogandi,Et superinductum, discrimina, quaeque figurisAcceduni; ut sunt, rostra, ungues, cornua, linguae,Serta, oculi et quae sunt circumpendentia Collum.Nobiliora scias insignia simpliciora.Major iis gaudet, Minor illis addere dehet,Aut trahere. At laevus si baltheus additur, est isIndicium spurii, quando discriminat arma.Symbola componunt Tincturae, scnta, figurae:Uaeteraque adveniunt; Galeas tarnen atque CoronasPrae reliquis attende: quibus tiibuuntur apertaeAut clausae; nee enim eunetis tribuantur eaedera.0 mores hominum qui nunc! quae temporal gaudentNuncparibus cives. Equites, Comite^que, Ducesques.Sic hodie fungus tarde erescentis olivaeMenitur sobolem! Scelus hoc patiere Josephe ?Velle säum cuiqne est: sua sunt insignia cuique;Ex luxu et fastu proprioque assumta cerebre.Hoc vitium aetatis nostrae: sibi quemque videriSese majorem, nee posse minora mereriQuam quae longinquis insignia stirpibus aequant.Corrige corruptos mores hos, Caesar, erisqueHinc decus Imperii, et seeli melioris origo.*)

41 Nova Literaria Germaniae, collecta Hamburg!,editaque Calendis Augusti MDCCVI. S. 263 f. (4<>).