Druckschrift 
Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
Seite
637
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Geschichte der Heraldik. IV. 4.

637

Den Franzosen giebt er in einer Uebersetzung, diedurch das folgende Stück gekennzeichnet wird:Verflucht sey jener Tag, da dieser eitle TandZu erst die Eeinigkeit der Sitten weggebannt!Als noch die zarte Welt lag gleichsam in der WiegenDürft einer sich auf nichts, als auf die Unschuld,

triegen')Da war das Volk vergnügt und in Gesetzen gleich,Verdienst war Adels werth und galt ein König-reich.Da fand man keinen Held, der sich auf Herkunft

stützte,

Und der nicht, an sich selbst, mit eignen Strahlen

blitzte;Bis dass man mit der Zeit die Tugend so verliess,Dass man sie bürgerlich, das Laster edel, hiess.Der neuerwachsne Stand hielt andre bald für

Sklaven:Das Land war überschwemmt von Freyherrn und

von Grafen:Wan wieß, an statt des Kerns, die Welt mit

Schalen ab,Und hatte Tugend gnug, weil man sich Titel gab.Bald ward ein Wappen-Recht mit Regeln auser-sonnen,Das weil es im Gehirn der Schwärmer angesponnen,Sich eigne Worte macht, nnd unvernehmlich spricht;Das bald die Schilde krönt, bald in vier Theile

bricht,

Bald pfählt und gegenpfählt, bald kerbet und ver-bindet,Und was dergleichen mehr die Herolds-Kunst er-findet.Da ward nun die Vernunft der Thorheit unterthan.Seiner sittlichen Entrüstung genügte übrigens Herrvon Canitz auch dadurch, dass er von dem Kaiserholeein Freiherrndiplom mit Wappenbesserung (vom 8. Jan.!698) ausbrachte. .

Der Kupferstecher Chodowiecki hat sich auch ineiner Satyre auf die Heraldik versucht. Er bildet einenMann ab, im Schlafrock auf einem Lehnstuhl, nebeneinem geöffneten Siegel-Schränkchen sitzend und damitBeschäftigt, von Briefumschlägen die Siegel abzulösen.Darunter steht:

Der Wapen Liebhaber.Hebt nur sein Steckenpferdchen aufEs ist noch das vom besten KaufEr jaut im Stul für Kleine GelderDie Königl. Jagd durch Gold und Silber leider.Empfindlicher war das Urtheil, welches Klopstockin seinerGelehrten-Republik" s ) über die Heraldik aus-sprach: Auf einemLandtage" der Gelehrten-Republik,wurde derselben ein Process gemacht, der zwar nichtgründlich aber kurz zu nennen ist. Der Verfassers agt:

Jezo trat ein Aldermann hervor. Man kann sich,sagte er. darüber betrüben, aber es doch auch verges-sen, dass einzelne Gelehrte den Grossen so oft geschmei-chelt haben; allein dass die Republik die Heraldik,die kaum eine kleine Kenntnis ist, zu einer Wissen-schaft gemacht, und sie, als Wissenschaft, nun schon sola nge hat gelten lassen, über diese Gröste unter allenSehmeicheleyen sich nur zu betrüben, das wäre wenig;

1) Es soll trauen heissen. .

2) Die deutsche Gelehrtenrepubhk. Ihre üanncn-tnng. Ihre Gesetze. Geschichte des letzten Landtags.Auf Befehl der Aldermänner durch Sologast und Wlemar.Herausgegeben von K1 o p s t o c k ErsterTheil. *rank-ftttt und Leizig 1774. 8° S. 285 f.

darüber aufgebracht zu werden, auch nicht viel: wennes möglich seyn soll, das Geschehne zu vergessen; somüssen wir diese Wissenschaft zu dem herunter sezen,was sie ist, zu einer geringen, und vor allen anderneingeschränkten Kenntnis, sie die Wappenkunde, odermit einem andern gleich angemefnen Namen nennen,und sie dann, als eine solche Kenntnis, studieren, oderauch, mit der verzeihlichsten Unwissenheit, ganz unbe-kant darinn bleiben. Wenn wir auch nur in geringstemvon dem, was die Gewonheiten der Landtage erfordern,abweichen möchten; so würden wir jetzt die Stimmengar nicht sammeln lassen. Denn es dünket uns, dasshier die blosse Vorstellung der Sache, und die Ein-stimmung Aller einerley sind.

Der Herold war noch nicht wieder zurückgekom-men ; sonst würde er jezo gleich zur Stimmensammlungabgegangen seyn. Indem er erwartet wurde, kamenetliche AI tfrank en zu den Aldermännern herauf. Dieanfängliche Verwunderung der Altfranken wurde vonden Aldermännern mit einer solchen Kälte beantwortet,dass jene bald zu Vorstellungen kamen. Aber auch dieVorstellungen hatten keinen andern Erfolg, als dassdie Aldermänner mit eben der Kälte, nnd aus Gründen,denen es weder an Kürze und Güte fehlte, zuletztanriethen: So möchten sie denn unter sich die Heraldikeine Wissenschaft bleiben Lassen, und sie mit allen demFleisse, dessen sie nur immer fähig wären, und wennsie auch das für gut fänden, nur in den glücklichenStunden des Genies studieren !"

Darauf antwortet Siebenkees'), auch einAUfranke" :Vielleicht bat das Todesurtheil, welches jenerAldermann in Klopstocks Gelehrtenrepublik über dasStudium der Heraldik gefällt hat, deutsche Gelehrteabgeschreckt, auf dasselbe ferner eine Bemühung zuwenden? Ich sollte es nicht glauben. . . . Das Urtheileines Layen in einer Wissenschaft über den Wehrt der-selben hat noch nie diejenigen, die in dieselbe tiefereingedrungen sind, überzeugt."

Nutzen der Heraldik.

Was aber hielt die Wappenwissenschaft trotz allerihrer Mängel und trotz der Mi3sachtung die ihr viel-fach begegnete ? Wir lassen hierüber am besten dieZeitgenossen selbst reden. Wir werden erkennen, dassdie Schriftsteller aus der ersten Hälfte des Jahrhunderts(gegenüber den späteren) einen verhältnissmässig idealenStandpunct einnehmen.

Dan. Wilh. Moller (f 1712) schreibt in seinemprogr. de praeparatione abiturientium in Ital.:Ars-heraldica, si nlla alia, historiam juvat, gratiam paiit,patronos conciliat, ad dignitates extollit. ad muniapromovet, fidelis erga Reges et Principes obsequii mo-numenta declarat. merita insinuat, nomina exprimit,doctrinam remuneratur, Familias indicat, conservat etdistinguit, nobilitatem monstrat, prorogat et defendit,virtutes manifestat, distinguit et äuget, regna, provin-cias, urbes, arces, oppida signat, illustrat et discrimi-nat; breviter, tantosque usus diligenti suo cultori im-pertit, quot quantosque vix sibi promiserit."

Martin Schmeizel 1723:Die Nothwendigkeit undNutzen derselben beweise 1. aus der Verbindung, soalle Theile der Gelehrsamkeit unter sich haben. Es istbekandt, dass das gantze Systema eruditionis aus vielenTheilen bestehe, die aber untereinander eine solchegenaue Verbindung haben, dass wer ein gründlich Ge-lehrter heissen wolle, von dem werde supponiret, dasser überhaupt vom gantzen Systemate eruditionis einegnugsame Einsicht habe . . .

31 Erläuterungen der Heraldik (1789) Vorbericht.