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Geschichte der Heraldik. IV. 4.
unbegreifliche Controversen erzeugt. In der Streitfrageüber die Abstammung der Ho henlohe von den Hohen-staufen wird von Carl Friedrich Colland ausgeführt:„Denn das Wappen des Herzogthums Schwaben,welches die Herrn Grafen Truchsessen zu Waldburgauch führen, sind drey übereinandergehende schwarzeLöwen mit auswärtsgekehrtem Zopf, auf Leopardenartin goldenem Felde (bey deren jedem man nur ein Augsiehet, welches sie in der Wappenkunst von den Leo-parden unterscheidet). Das Haus Hohenloh aber führetkeine Löwen, sondern zwey schwarze Leoparden (derenKöpf im Visier stehen, das sie von den Löwen in derWappenkunst unterscheidet) in silbernen Feld." 1 )
Dem gegenüber hat Estor 2 ) sicherlich recht, wenner sagt, dass die Alten „mit der Benennung einesLöwens und eines Leoparden nichts weniger im Sinngehabt, als eine in der Positur des Kopffs bestehendeDistinction."
Durch die Beseitigung der mystischen WappenAuslegung war in der deutschen Wappenwissenschafteine klaffende Lücke entstanden. Spener hatte dieseLücke sehr schön durch seine praktische Heraldik, dieWapp engeschichte ausgefüllt, er fand aber damitbei den Theoretikern keine Nachfolge. Ein Licht aufdiesen Zustand wirft die Bemerkung des Zschackwitz:„dass die angegebene Unvollkommenheit dieser Wissen-scbafft eintzig und allein auf die Unkenntniß derAlterthümer und sonderlich des alten Kriegs-Wesens ankommen wird." Es ist dies das treffendsteWort, welches Zschackwitz jemals ausgesprochen hatund es ist zu bedauern, dass es nicht in seiner Machtlag, von der Erkenntniss des Mangels zur Beseitigung des-selben überzugehen. Wir werden demnächst sehen, dassseine „tiefenAntiquitäten" am grünen Tische ausgeklügeltund daher gänzlich werthlos sind. Sein System dernatürlichen Auslegung ist durch und durchfalsch und hat selbst die eingeschränkte Anerkennung,die Gatterer und Masch') ihr zollen, nicht verdient.Auf welche Abwege dieses System führt, mögen folgendeErörterungen des J. P. Lang 4 ) über das Wappen derGrafen und Fürsten von Oettingen darthun:
„Höher, als in das XIII. Jahrhundert steigen meineSammlungen noch nicht hinauf. Hier finde ich aufSiegeln (der vornehmsten und lautersten Quelle, worausman hier schöpfen muß) nichts weiter, als Reihen vonEisenhütlein mit einem Mittelschild, worüber schräg-rechts und schräglinks sich durchneidende Strichegehen.
„Bis Jemand den wahren Ursprung dieses Wappensausforschet, sey es mir erlaubt, mich mit der natür-lichen Erklärung derselben begnügen zu dürfen, die der
1) S. W. Oetter, d. Hohenlohische Wappen S. 2.
2) Probe einer verbesserten Heraldik S. 88.
8) G. M. C. Masch schreibt im im Preuss. Adels-archiv (1824) über Zschackwitz:
„Gegen seinen Grundsatz lässt sich wohl wenigersagen, als gegen die allgemeine Anwendbarkeit dessel-ben, mehr aber als gegen beide, gegen die Art undWeise, wie er ihn ausführte. Er ging überall viel zuweit, Witz und Scharfsinn oft auch Spott, vertratenihm die Stelle historischer Zeugnisse . . . Man kannnur bedauern, dass eine Idee, welche gehörig beschränktund begründet, gewiss allgemein angenommen wordenwäre, so ganz verkehrt durchgeführt ward. . "
4) Historisch-heraldische Grundlinien des Ötting-schen Wappens gezeichnet von Jak. Paul Lang. Wal-lerstein 1773. 4° vermehrt: Wallersteiu 1774. 4°. Auchin: Materialien zur Oettingischen altern und neuernGeschichte V. Band. (Wallerstein 1775 8°) und inSchotts juristischem Wochenblatt III. Jahr. S. 572 ff.
allgemeine Ursprung derWappen überhauptan die Hand giebt, welcher sich von den Kriegsthatenuusrer alten Helden, Fürsten, Grafen und Herren her-schreibet. Der Eisenhut, oder vielmehr die Sturmhaubewurde auf den Schild geleget, wenn der streitbareHeld etwa ausruhen und sich von seinem hitzigen Ge-fecht abkühlen wollen. Vielleicht waren ihrer mehrerezugleich da, dern jeder solchen Hut auf den Schildlegte. Also bald einer, bald mehrere, bald wenigereEisenhüte, wie sie sich auf Wappen zu zeigen pflegen.Eine symetrische Ordnung hat vielleicht erst in demOettingischen Wappen die Kunst der nachgefolgten Zeiteingelühret."
Auch hier sehen wir den Irrthum wirksam werden,welcher in der kunstmässigen Bezeichnung der Wap-penbilder eine Auslegung derselben erblickt. Sehrwahrscheinlich sind auch die kläglichen Verirrungen desZschackwitz auf diesen Ursprung zurückzuführen. Ein-mal fasst er die Bezeichnuug Wappenbilder alsWaffenbilder, d. h. die Bilder von Waffen. Auchdie Grundlegung seines Systems, das Wehrg e häng e,beruht auf dem Missverständuiss eines französischenKunstausdruckes: der Schrägbalken wird von denFranzosen bekanntlich als lande blasonirt, welchenTerminus deutsche Uebersetzer (ss, B. das HamburgerWappenspiel) mit (gelange wiedergeben. Hier sehenwir also die Quelle jener Irrthümer offen liegen!
TJrtheile der Laien.
Aus den Satyren des Franzosen Nicolas Boileatt(-J- 1711) hatte schon Budolphi einen auf die Wappen-wissenschaft bezüglichen Passus mitgetheilt: Es heisst da:Aussi-töt maint esprit fecond en reveriesinventa le Blazon avec les Armoiriesde ses termes obscurs fit un langage ä part;composa tous ces mots de Cimier et d'Ecartde Pal, de Contre Pal, de Lambel et de FaceEt tout ce que Segond 6 ) dans son Mercure
entasse etc.Ein Bewunderer des „esprit" , nebenbei Edelmannaus uraltem Hause, Friedrich Rudolph Ludwig Frei-herr von Canitz') (geb. 27. Nov. 1654 t 11. Aug. 1700)machte die Satyre dem deutschen Volke in seiner Mut-tersprache zugänglich. Aus eigenen Mitteln, die übrigens(wie sein treffliches „Loblied auf den Toback" beweist)gar nicht gering waren, hatte er schon folgenden Keimdaran gegeben ■
Was hilft seinAdelstand ? wenn dich dieSchuldner mahnenDann schützet dich kein Schild von allen sechzehn Ahnen.
5) Richtiger Segoing, dessen Mercure im Jahr 1657unter folgendem Titel erschienen ist:
Tresor heraldiqve ou Mercure armorial. Ou sontdemonstrees toutes les choses necessaires pour acquerirvne parfaite connoissance de l'Art de blazonner. Enrichyde Figures et du Blazon des Maisons Nobles et consi-derables de France et autres Royaumes et Estats del'Europe. Auec deux Tables fort amples ä l'ayde des-quelles on peut trouuer d'abord le Nom et les Armesde chacune Familie. Par M. Charles Segoing,Aduocat en Parlament et es Conseils d'Estat et Priuedu Roy. A Paris. M. DC. LVII. fol. 608 Seiten.
Zu jeder vorkommenden Figur sind Familien, welchedieselbe als Wappen führen, aufgezählt.
Ein aus der Bibliothek des Grafen Max v. Preysingstammendes schönes Exemplar hat der Antiquar Hessin Ellwangen.
6) Des Freyherrn von Canitz Gedichte, mehrentbeusaus seinen eigenhändigen Schrifften auagefertiget vonJohann Ulrich König. Berlin u. Leipzig bey AmbrosiusHaaden 1734. Zweite Auflage.