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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. IV. 4.

gung der Besoldungen für die Beamten des Oberherolds-amts.

Ehe irgend etwas Weiteres geschah, starb KönigFriedrich I. am 25. Febmar 1713. Sein Sohn u. Nach-folger Friedrich Wilhelm I. Hess es eine seiner erstenAufgaben sein, das Oberheroldsamt in seiner kate-gorischen Weise vom Erdboden wegzufegen. Schonam 14. März 1713 erliess er an alle Regierungen eineNotifikation, in welcher es heisst, dass das Oberherolds-amt gänzlich aufgehoben sei,

weil solches wegen des dem Adel undt anderenUnterthanen daraus zugewachsenen Beschwehrs auchverursachte Kosten zu vielfältigen Klagen Uhrsachgegeben."

Es sei zu Jedermanns Wissenschaft zu bringen:

dass wir dieses Herolds-Wesen ein für alle mahlgäntzlich aufgehoben haetten, auch nicht geschehenlassen wolten, daß Jemandt, Er sey wer Er wolle wegenSeiner Wapen, Genealogien undt Adels an Taxen,Sportulen undt anderen Gebühren, es habe Nahmen, wiees wolle , das geringste weiter allhie oder in den Pro-

vintzien zu zahlen angehalten werden solle, alles beyexemplarischer Bestraffung derer die der-gleichen Unser e n Adelichen, oder anderenUnterthanenferneraufzubürden, oder solcheAuflagen von Ihnen zu fordern sich unter-stehen m ögten."

Das ist die Geschichte eines wohlgemeinten Ver-suches des Königs Friedrich I., der nur das Unglückhatte, für seine Idee nicht die geeigneten ausführendenKräfte zu finden.

Die Mitglieder des Oberheroldsamtesbaten zwarinständig, der König möchte doch den heilsamen Zweckerwegen, den ihre bisherige Arbeiten für den Adel ge-habt, und wiesen nach, daß sogar auswärtige Familiensich in Absicht der Untersuchung ihrer Abkunft an sieverwendet, dass sie das königliche grosse Wappen nachden Regeln der Heroldskunst eingerichtet hätten unddass bei ihrer Erhaltung noch in der Zukunft mancherwesentlicher Nutzen entstehen würde. Es erfolgte aberdarauf keine Resolution').

IV. Abschnitt.

Die mathematisch-philosophische Schule.

Wer: will was £ebenbigs erFennen uttb befdjreibenSudjt erft bett (Seift tjeraus ju treiben,Dann fjat er bie (Efjctlc in feiner £}anb,JebU, leiberl nur bas getftige 23anb.

Ooethe.

1. Ca pitel.Einleitung;.

Die wenigen vor 17(0 erschienenen Lehrschriftenenthalten in der Regel eine Klage darüber, dass dieWappenwissenschaft in Deutschland fast verschollenund dem Volke entfremdet sei. So sagen:

Loschge (um 1694)..was ist doch unter Teutschenheut zu Tag gemeiner als die Wappen und ihr Ge-brauch, da fast ein jeder, so von seinen Ahnen keinesererbet, deren eines zu überkommen sich bemühet?Und was ist im Gegentheil seltner, als ein Teutscher,dem der Wappen Zugehör, Fehl oder Gebrauch be-wust ist?"

Schumacher 1694: , ... . angesehen die teutscheWapen-Kunst zwar an sich selbst nicht neu, doch aber eineZeither lange verstecket gewesen, dass man fast nichtmehr recht weiss, was Herold oder Wapen-Kunst sei."

Rudolphi 1698:Alldieweiln aber solche Wissen-schafft (Wappen-Lehre) nach Abschaffung solcher Thur-nier, nach und nach auch in die Vergessenheit zu ver-fallen begunt, als hat man bey unsem Zeiten, solchewieder empor zu bringen, aus vielen Exempeln wiedereinige Regeln zu formiren eesucht, wodurch solchenunmehru anfängt, allmählich wiederum bekannt zumachen."

Im 18. Jahrhundert wird die Heraldik fast miteinem Schlage eine populäre Wissenschaft. Es entstehteine lebhafte Nachfrage nach deutschen Lehrschriftendie meist mehrere Auflagen erleben. Die Schriftstellerwerden von den Verlegern gesucht. Jungendrea erzähltmit kostbarer Unbefangenheit, wie er zum heraldischenSchriftsteller gepresst wurde:Nun hat es sich zuge-tragen, dass ich von ungefähr in den Buchladen ge-kommen und nach einem Teutschen Compendio heraldicogelragt, das nach dem Begriff der Jugend eingerichtetwäre; weil der Verleger aber mir keines nach meinemVerlangen schaffen können, hat er mir Herrn Prof.Webers Examen artis heraldicae und Herrn Prof. TriersEinleitung zur Wapen-Kunst nach Hauß zu schickenofferirt, mit diesem Anerbieten, wann ich was deut-liches nach meinem Absehen, für die Jugend herausziehen könnte, er selbiges in Verlag nehmen wolte."

Mit dem Eintritt des 18. Jahrhunderts geht diePflege der Wappenwissenschaft in andere Hände über.Von der theologischen Schule hat Philipp Jacob Spenerdie Heraldik erst respectabel gemacht und sie auf dieHöhe gestellt, welche im Gesichtskreise des Hoch-schullehrers liegt. Denn diese sind es jetzt in

1) Leben und Thaten des Freiherrn v. GundlingS. 26. - Diese Vorstellung erinnere ich mich nicht, beiden Acten gesehen zu haben.