Geschichte der Heraldik. IV. 3.
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Ein Mahler: Hertzog, welcher schon biß anherozur Mahlung der Wappen employret worden.
In den verschiedenen Provinzen resp. Gebietstheilenwurde je ein Oberheroldsrath i) und ein Herolds Secre-tär ernannt, welche die Verbindung zwischen denenvon der Ritterschaft und dem Oberheroldsamt erleich-tern, und dem letzteren vorarbeiten sollten. Beispiels-weise füge ich eine Publikation des Clevischen Regie-rungsrathes vom 17. März 1708 — unter KöniglichenTitel erlassen, auszugsweise hier an:
„Liebe Getrewe: Demnach Wir in Unserem Hoff-lager ein Ober-Heraldts Ampt allergnädigst angeordnet,wie beigehendes Patent besaget, vnd in hiesigen Unseren■Landen Unsern Geheimen Regierung» Raht vnd Ambts-verwaltem zu Bochumb, den Freiherrn von Strünckede,zum Herold Raht und Unsern Raht und ArchivariumWortman zum Herolds-Secretario ernant, bey denen-selben sich dieserhalb zu melden."
Das Amt der Räthe und Secretäre in den Provin-zen war reines Ehrenamt. Aber auch die Centralbeamtenwurden nicht auf festes Gehalt angestellt, oder viel-mehr: ihr Gehalt war auf die Einkünfte ausden Taxen des Heroldsamtes angewiesen.Leider saß das neue Amt von vornherein auf demTrockenen; die ganze Thätigkeit des Amtes scheintsich auf die Erledigung einiger weniger AufträgeSeitens des Geheimen Raths2) und auf die Ausfertigungresp. Beglaubigung einiger Ahnenproben 9 ) beschränktzu haben. So lange das Oberheroldsamt be-stand, ist niemals den Beamten einGroschena n Gehalt bezahlt worden. Wenn somit dasUnternehmen vollständig scheiterte, so lag dies einer-seits wohl an der verfehlten Organisation, anderseitsa n dem entschiedenen Widerstände der Ritterschaft.
Ueber den letzteren Punkt heisst es in einemBerichte des Oberheroldsamtes an den König d. d. Ber-lin 20. Nov. 1711.
„Es ist aber bekant, dass es schon Ew. Königl.Mayt. allergnädigste Absicht allemahl gewesen, daß esgeschehen würde, solches dennoch bisher nicht verfolget,vielmehr hat man wahrnehmen müssen, daß die Ein-richtung dieses Wercks von denen meisten Provincien,Welche die allergnädigste intention Ewr. Königl. Mayt.nicht genugsam penetriret und verstanden haben alse jne Sache die ihnen mit der Zeit praejudi-c irlich seyn und zu einer Last fallen würde,angesehen werden wollen, dabero dann die völlige Ein-richtung davon bis hieher suspendiret blieben."
Nicht ohne Grund sagt der Verfasser von Gund-üngs Lebensbeschreibung 4 ):
„Der preussische Adel fühlte keine Aufforderung,sich dergleichen Untersuchungen zu unterziehen. Er
1) Nur für Magdeburg wurden auf persönlicheIntervention des Königs zwei Oberheroldsräthe ernannt,weil S. M. den heraldischen Meriten des Professors,nachmaligen Kanzlers Ludewig diese Auszeichnung zu-wenden wollte. _, , ... . ._
2) z. B. das Entwerfen eines Siegels für einenPommerschen Schöppenstuhl. .
3) „Als Königl. Majest. in Polen vor einiger Zeitzu Ehren Königl Majest. in Dännemarck den grossenAufzug des Sächsischen Adels veranlasseten und niemandim Thurnier sein durfte, der nicht vom mannbchemund weiblichem Geschlechte seine 16 Ahnen hatte, soHessen verschiedene sich von der damaligen PreussischenOber-Herolds-Cammer testificata geben; welche auch inDresden, ohne Bedencken statt eines Beweises ange-nommen worden." (v. Ludewig, gelehrte Anzeigen n*)S. 659).
4) Berlin 1795 S. 26.
hielt sich theils für zu alt und zu bekannt, um seinHerkommen prüfen zu lassen und außerdem herrschteunter demselben zu wenig Geschmack, um solches ausWissbegierde und zum Vergnügen zu verlangen . . .die Familien hielten in jener Periode stark auf Eben-bürtigkeit und standesmäßige Ehe. . . . Bei solchenUmständen war also für das Oberheroldsamt nicht vielzu thun noch zu verdienen."
Die Räthe des Oberheroldsamts wünschten (1711)natürlich auch ihre Besoldungs-Verhältnisse ins Klarezu bringen. Sie baten den König, S. M. möge an dieStände rescribiren lassen, dass dieselben Vorschlägebezüglich der Aufbringung der 3000 Thaler welchesumma summarum jährlich erforderlich waren, einzu-reichen hätten.
„Insbesondere wolten wir unmaßgeblich allerunter-thänigst gebethen haben, daß deswegen in der Alt- u.Mittelmark an den Hoff- und Land Richter Freyherrnvon Putlitz, in der Ucker-Marck an den Land-Voigtvon Arnimb, im Magdeburgischen an die GeheimenRäthe von Alvensleben und Plotho und im Clevischenan den General-Major v. Spaan und Geheimen RathFrey-Herrn von Strünckede allergnädigst rescribiretwürde, dass solche, als Leute, die des Landes Zustandkundig, auch diesem Ew. Königl. Mayt. nützlichen In-stituto allerunterthäuigst affectioniret und in speciedenen Heraldischen Wissenschafften zuge-t h a n sind ihre allerunterthänigste Vorschläge undBedenken, wie solches Collegium und die dabey arbeitenin ordentliche Besoldung zu setzen wären, allergehor-samst eröffnen möchten."
„Stellen wir annoch zu Ew. Königl. Mayt. aller-gnädigsten Resolution, ob Selbige den Wappen-MahlerHertzog 6 ) dahin allergnädigst zu privilegiren geruhenwolten, daß er blos die Wappen, welche auff Carossenund sonst hieselbst employret werden, allein mahlendörffe, in betracht er der Sachen besser als andereMahler kundig, und viele Unordnungen, welche bisherhin und wieder in die von andern gemahlte Wappenmit eingeschlichen dadurch vermieden werden könten,er auch 5 Jahr lang beym Ober-Heralds-Ambt umbsonstgearbeitet und man nicht absiehet, wie mann ihn sonstauff andere Weise dabey conserviren könte."
Endlich brachte das Oberheroldsamt noch in Vor-schlag , den Städten des Königreichs die Verpflichtungaufzuerlegen, dass sie ihre Wappen nebst den Beweis-thümern über dieselben einreichen sollen.
Unterm 5. Jan. 1712 ergingen Königl. Rescriptean die Stände der Churmark, von Magdeburg und Cleve,betr. Vorschläge, woher die Besoldungen des Ober-heroldsamts am füglichsten zu nehmen sein würden,desgleichen an die vom Oberheroldsamt bezeichnetenMänner, welche Interesse für das Amt und die heral-dischen Wissenschaften gezeigt hatten. Auch denStädten ging die gewünschte Verfügung zu. Aus denActen geht nicht hervor , dass alle diese Schritte vonirgend einem Erfolge begleitet waren. Nur das Ant-wortschreiben des Generalmajors von Spaen habe ichbei den Acten gefunden. Derselbe räumt ein, dass ersich in Mußestunden gerne mit Genealogie beschäftige.Als Mann vom Militär sei er aber nie in die Lage ge-kommen, Finanzfragen zu studiren und so sehe er sichausser Stande, Vorschläge zu machen wegen Aufbrin-
5) Am 28. Dez. 1709 schon war auf Petition desHeraldiqve-Mahlers Hertzog decretirt worden, daß,wann Waapen in die Diplomata zu mahlen seind.solche durch niemand anders als den bey dem Ober-Herolds-Ambte angestellten Michael Andreas Hertzogverfertigt werden sollen.