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Geschichte der Heraldik. IV. 3.
so viel es dje Zeit damahleu leiden wolte, informirtewelche Wissenschaft ich dan nachgehends mehr undmehr excoliret und zu dem ende die vornehmste authores,so de arte Heraldica geschrieben durchblätterte ....worzu dan noch überdaß sich gesellete meine selbst-eigene und gleichsahm naturelle inclination."
Gehema erklärt sodann, er wolle nicht handeln,„von den wesentlichen theilen der Heerhold-Kunst undwaß daran dependiret, alß derselben gesetze, regulen,jura, decisiones und dergleichen, dan solches geheteinem perfecten wapen König an . . . auch wird darinnicht daßjenige gelehret, waß einem Edelmann odersonst Curieusen liebhaber dieser Kunst zu wissen nötig
ist,.....sondern mein absehen ist nur, die uhralte
Edle Heerholdkunst in ihrer Splendeur und magnificencevorzustellen, derselben nutzen anzuweisen und dan dieeingeschlichene und connivirte mißbrauche und vor-nehmste fehler, welcher nicht zum geringem nachtheilund schamröthigkeit der Noblesse täglich begangenwerden, mit lebendigen färben deutlich vor die äugenzu mahlen umb die Junge von Adel zu dieser auß-bündigen wissenschafft desto mehr zu animiren . . . ."
Aus der Abhandlung seihst, in welcher historischeIrrthümer und manche treffende Bemerkung ohne Planund Gliederung aneinander gereiht sind, mag Einigeshervorgehoben werden:
„Solcher gestalt hat in alten und vorigen Zeitendie Edle Heerholdkunst geblühet, wovon kaum einigevestigia mehr vorhanden sind und waß etwa noch da-von übrig seyn möchte, ist mit allerhand mißbrauchdermaßen zerstümmelt und beflecket, dass es 'offtmahlsfür Keine heerholdische wissenschafft mehr kan consi-deriret werden, weil man nicht denen Heraldischengesetzen, sondern seiner eigenen caprice und gutdünckenfolget . . . ,"
Ein Edelmann „siehet zwar die figuren seineswapens, aber mit befremdung und alß BöhmischeDörffer und weiß nicht, warumb er dieses oder jenesin seinem wapen zu führen berechtiget ist, vielweuiger,waß alle die seltsame Dinge, welche darin offtmahlsgesehen werden, vor eine bedeutung haben, und waner bemerket, daß sein jetziges wapen von dem altenin einem oder andern stücke differiret oder anders ge-theilet, gespalten und mit einigen figuren vermehretworden, so ist er voller Zweifel und Unwissenheit undkan sich nicht darin finden, ja er verstehet nicht einmahl,wie er sein wapen recht visiren und anordnen sol, weiler in der heerholdkunst nicht erfahren, sondern lassetes gemeiniglich auf die phantasie deß mahlers ankommen,der ihme dan entweder auß eigenem gehirn, oder auseinem alten wapenbuch etwas dahin mahlet, daß mannicht kennen kann, waß es sey, da wird keine accurateabtheilung gemachet, Keine Ordnung, keine Stellungdieser oder jener Sachen, keine Heraldische figur undregul observiret alles stehet dermassen verwirret undverkehret durch- und ineinander, dass man nicht weiss,wass man davon machen sol. . . .
„Dannenhero zur gnüge erhellet, waß für grossemissbräuche, damit heutiges tages begangen werden,insonderheit da nicht allein diejenige, die weder selbstnoch ihre vorfahren den heim verdienet, dennoch sichunterstehen helmen zu führen, auch noch überdassselbige mit 2 hörnern ausszuziehren, nicht wissende,dass sie ihren uhrsprung daher haben, weil diejenige,welche vor den turnierschrancken sich praesentirteu.ein hörnlein an dem gürtel getragen und damit diewache oder heerholden der rennbahn blasende aussge-fordert, ihre wapen zu besehen und selbige zu approbiren, wenn sie nun solche proben dess adels 2 mahlbewiesen hatten, so trugen sie auf den helmen 2 hörneranzuzeigen, dass ihr adel bchörnet, beblasen und 2 mahl
erwiesen worden (!) und also waren sie befreyet, dass siehinführo ihren adel nicht aufweisen dörfften, daher dieheerholdkunst bey den Frantzosen den nahmen bekommenVart de hlason.
„Woraus dan dieser unwiedersprechliche Schluß zumachen, dass an der conservatiou und weiterer fort-pflantzung der heraldique sehr viel gelegen un d soltenbillig die von Adel, allen fleiß anwenden,dass große Herren gewiße Heerholden be-stallen möchte n, die mit solchen qualitetenv ersehen wären, welche zur heerholdkunsterfordert werden."
Dieser Wink wurde aber damals noch nicht be-achtet !
Gehema, dem seine ärztliche Praxis viele freieZeit gelassen zu haben scheint, hatte kurz vorher einCollegium heraldicum eingerichtet. Er schreibt darüber:„Weil ich dan nicht ohne befremdung bemercke,dass diese so vortreffliche und Curieuse alß auch sehrnützliche Wissenschaft aufs höchste negligiret wird, s°habe mir vorgenommen ein Collegium Heraldicum an-zustellen, uud zu solchem ende vor Kurtzer Zeit einproject publiciret, worin ich mich erbiethe, die_ Jungevon Adel und anderer vornehmer leute söhne, mit einersehr leichten, Kurtzen und angenehmen methode undaller dexterite zu der Heraldischen wißenschafft anzu-führen, es haben sich aber zu meiner nicht geringenVerwunderung bißhero noch gar wenige darzu a n 'gegeben."
Dieses Project benutzte v. Gehema einige Jahrespäter zu eiuem neuen Anlaufe, der sich diesmal Mjden Wappenherold Johann August Marschallvon Biberstein „adressirte". Er legte demselben emoberflächlich gearbeitetes Schriftchen, datirt Bern»10. April 1703 folgenden Titels vor:
Kurfce unb £eicbte ITTctfjobe (Einen Capalier ober <£bel'man bie »orrrefflidje Science ber fjcertjolb ober Wapen-Funjt in einem monatb. bergeftalt bev3ubringen, bas er oa-non Cavdlierement discourieren Könne ange3eiget vonJ. H. von Gehema (M. S. im Kgl. Geh. Staatsarchiv;-In der Widmung an Johann August Marschall ▼•Biberstein heisst es:
„Also ist es auch als etwas extraordinaires und mithöchster admiration zu consideriren, das Se. König'-Maytt. allergnädigst gesinnet sind, die in Deutschianaso viele Secula hero gleichsahm ins elend vertriebeneheerhold oder Wapenkunst herfür zu suchen und der-selben ihren vorigen glantz und ansehen wiederzugebenund also unter allen deutschen hohen Potentaten derErste zu seyn der dieser vortrefflichen Science, als derstützen der gautzen Noblesse eine unvergängliche Ehren-säule allergnädigst geruhen aufzurichten.
„Dieser allergnädigsten intention einen grund zulegen, haben Se. König». Maytt. den Kgl. PreuschenRitterorden höchstloebl. zu stifften und mit grofen Ö0-lenniteten vor einigen wochen zu installiren auch dabeyeinige Hohe Ministros mit hochansehnlichen caracterenzu begnadigen, ein allergnädigstes belieben getragen?nnter selbiger aber Ew. Hochwolgebohme Excellencefür vielen andern zu der Hohen würde Eines MarschaU»dieses Prächtigsten Königl. Ordens allergnädigst er-heben wollen."
Endlich kommt er auf die „Heerholdskunst" z °sprechen:
„Solche dan einem Cavalier oder Edelmann, a ?*sonst eben davon sein metier nicht machen wil, als edivertissement in Kurtzer Zeit beyzubringen darnit eraufs wenigste eine Jdee davon erlangen möge, " aich für etlichen Jahren einige Tabellen re*'