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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. IV. 3.

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Butow'Ju. Arlay, hingegen stehen darin widerumb einigeFiguren und wapenbilder, deren im Königl. hohen titulnicht gedacht wird, als der Pommerisch-StargardischeJ oth und grühn bestreiffelte greiff, der Clettenbergsche8chwartze Hirsch und das Regensteinsche rothe halbeHirschgeweihe.'' t

Eine letzte Änderung bestand darin, dass dem seit1701 helmlosen Schilde ein sogenannter Königlicher(ganz offener) und mit der Königl. Krone bedeck-ter Helm aufgesetzt wurde.

Ich schliesse diese Erörterungen mit folgendemürtheile des Predigers Cleophas Heinrich Otto Krüger(1753) über das Königliche Wappen:

Man kan es mit Recht das allergrösste, vollstän-digste, ordentlichste und schönste nennen, das man inEuropa, ja in der ganzen Welt findet. Die Heraldikerhalten es daher billig für das Muster eines recht voll-kommenen und wohl einzurichtenden Wapens. Es pran-get nicht nur mit einer grossen Anzal von 50 Quartieren,Reiche zusammengesetzt, wegen ihrer verschiedenenFiguren und artigen Melange der Farben mit Vergnügenanzusehen, und nach den Regeln der Heraldik, das istordentlich und vernünftiger Weise, nach ihrem Vorzugrangiret sind: sondern es hat auch alle wesentlichenund gefälligen Stücke, die nur bei einem vollständigenKöniglichen Wapen können angebracht werden."

Von allgemeinen Veranstaltungen zum Besten desWappenwesens erwähnen wir noch summarisch undunter Hinweis auf spätere Mittheilungen:

die Ernennung eines Wappenherolds und einesWappenfiscals;

die Errichtung eines Lehrstuhles der Heraldik undGenealogie bei der neuen Ritter-Akademie;

die Errichtung des Oberheroldsamtes;

eine Feststellung der Rangkronen für die Ritterdes Schwarzen Adlerordens.

4. 0 a p i t e 1.Der Wappenflscal von Gehema.

Jan (oder Johann) Abraham v. Gehema geb. 12. Juni1647 zu Danzig, studirte in Danzig und Leiden, ging1671 nach dem Tode seiner ersten Frau in die Nieder-lande, wo er 10 Jahre Capitain war und sich zugleicha nf die Arzneikunst legte. 1679 ging er nach DanzigJard 1681 zu Königsberg Doctor, nennt sich einen Kgl.Rath und Arzt. Später wurde er Leibarzt des HerzogsGustav Adolf von Meklenburg-Güstrow; 1695 ging ernach Berlin, wo er Kurfürstl. Hofmedicus wurdet).

Gehema machte beträchtliche Anstrengungen, umuie Augen des Hofes auf seine Capacität in heraldischen

sion undt renunciation Wier der Churfürst undt UnsereDescendenten nicht weniger, alß des Herrn Pfaltz-GraffenLbd. undt dero Descendenten Uns ferner und fort fürfort ungehindert, in allen Solennitäten, Scbrifften,Sachen und Actibus, keinen überall außgeschlossen, desTi tuls und Wapens von der HerrschafftRavensteingebrauchen mögen und sollen." (Königl. Hausarchiv)

1) vergl. oben S. 608.

2) Küster, altes und neues Berlin III. 605 f.£ r eussische Lieferung alter und neuer Urkunden, Er-örterungen und Abhandlungen zur Erläuterung der£*eussischen Geschichte und Rechte. I. Band Leipz.yö5. S. 358 ff.; v. Werner, gesammlete Nachrichtenktgänz. d. Preussigch-Märkisch- und Polnischen G«chichte I. (Cüstrin 1755) S. 138 ff.

Dingen zu lenken. Dem allmächtigen Minister JohannCasimir Grafen von Wartenberg* widmete erein eigenbändig ins Reine geschriebenes Werkchenunter dem Titel:

Der (Ermunterte Ejeerfjolb, uorftellenbe bie gierbe, bieDortrcffligfeit, ben nutjen unb bie beutige ITtifjbräucbe ber(Eblen Dbralten fjcerboIb-Kunft aufgeführt oon JohanAbraham von Gehema Eq: et Indig: Pol: Med. Doct.Cburfürftl. Sranbenb. S\o^-medico (fol.)

Die Schrift ist nicht datirt, wie ersehen jedoch, dasssie zwischen Ende des Jahres 1699 und Anfang 1701eingereicht worden ist. i)

In der Zueignung erkennt Gehema offenherzig an,dass seineunterthänige addresse . . . keinen anderenendzweg "habe,,, alß E w. Hochgräffl. Excellencemeine wenige persohn beßer bekant zumachen."

In der Vorrede erzählt er, wie erals ein medicus,der durch fast 30 publicirte tractaten der gelehrtenweit nicht unbekant", dazu gekommen sei, eine Wis-senschaft zu tractiren,die von der medicine so weitentfernt ist, als der Osten vom Westen," in folgenderWeise:

Alß mein seel. Vater, ehemals gewesener Starosteund Cammerherr unter dem Grossmächtigsten ScepterUladislai IV. und Johaunis Casimiri III. Königen inPolen glorw. and. wegen seiner und seines Vaters derPolnischeuRepublique treugeleisteten Diensten vonHochst-ermelt: Sr. Königl. Maytt mit dem Kleinode deß Indige-nats auf sich und alle descendenten beyderley geschlechtesbegnadiget und ihm zugleich die gnädigste Freyheitertheilet'ward sein altes adeliches wapen, welches ineinem roth und gold getheilten Schilde mit eines weißenadlers flügel und schenckel bestehet, selbsteigenem Be-lieben nach zu verändern, überlegte er solches mit einemvornehmen Engelländischen Herren Richard Smith ge-nant, welcher damahlen bey dem Hn. Woywoden vonPummerellen H. Uladislao Graffen von Döhnhoff enqualitfe eines Hoffmarchals sich aufhielte, und in derHeraldique sehr erfahren war, ob es nicht rathsam wäre,dass weil solches wapen seiner meinung nach wiederdie bekante Heraldische regul zu streiten scheine,welche verbeut, metal auf metal, oder färbe auf färbeim Schilde zu führen, welches die Frantzosen armes enenquerir nennen, die goldfarbige mit der blawenmutiret werden könte, nachdem aber derselbe solchenScrupel meinem Vater mit Vielen raisonnements be-nommen, ist es bey der alten visirung verblieben.

Dieses gab mir Anlaß, da ich vor dreißig jährenalßCapitain in den Spanischen Niederlanden, unterschied-lichen Campagnen beywohnen muste, solches weiter zuuntersuchen und mich mit den berühmtesten Braband-schen Heerholden bekannt zu machen, zu mahlen, dameine Grossmutter Väterl. linie auß der alten Brabant-schen familie deren von Daleh entsprossen war; Ichhatte das glück unter andern einen wackern und außselbigem stamhause sich herrechnenden mann anzu-treten, der ein Geistlicher war an der LotharingschenCapelle in Brüssel, Pierre de la 8amme genant, welchermich zu dem Studio Heraldico animirte und zugleich

Ge-

1) Das Original befindet sich in meinem Besitze.Auf dem Vorsetzblatte steht die Bemerkung:Auf derAuction erstanden für 1 Thl. 1 Gr." Ferner von der-selben Hand:diß Werck ist 1703 in Berlin gedrucktin Octavformat herausgekommen, jedoch mit andernDedicationen." Aus G. G. Küster (Altes und NeuesBerlin III. 604) erfahren wir, dass die Druckschriftdem König selbst gewidmet ist. Hier ist jedoch1706 als Druckjahr angegeben. Es ist mir leider nichtgelungen, ein Exemplar der Druckschrift irgendwo zuermitteln.