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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. IV. 3.

höchsten Landes-Obrigkeit ausa verschiedenen Absichten,mehrentheils aber und umb einen Unterscheid zwischensich und andern dardurch zu machen, geführet werden.

(2. Cap. § 1) . . .Noch giebet es zweyerley Beltz-Wercke oder Futter, die man unter die Wappen Farbenrechnet, nemlich das Hermelin und Feh-Futter, welchesletztere einige wegen der ungewissen Gestalt lieber vorEysen Hütlein oder Glöcklein und gestürtzte Gläser ohneFuss ansehen wollen.

(S 4.)Eine Special-Kegel ist diese, dass wenn einSchild mittelst zweyer Schräg-Linien, Creutzweise invier Theile zerschnitten wird, die gegeneinander über-stehende Theile, nemlich Haupt und Fuss, wie auchbeyde Flancken ordentlicher weise gleiche Bilder undTincturen haben müssen.

(3. Cap. § 6). . . Ehren-Stücke heissen die eigent-lich so genannten Herolds-Bilder, welche sonst keinesonderliche Bedeutung, als nur in der Herolds-Kunsthaben, und weil sie nach Arth der mancher Zersehney-dung dess Schildes gemachet, umb dess willen, als einEigenthum der Wappen-Kunst geachtet werden, ob sieschon keinen Politischen Vorzug oder Hochachtung vordenen übrigen Bildern verdienen.

(5. Cap. § 1). . . Ob man sich nun gleich derergeschlossenen (Helme) hiebevor ohne Unterscheid desStandes in Kriegen und Wappen gebrauchet; So seyndsie doch, nachdem die Thurniere auffkomraen, denengeringen Leuten allein überlassen worden. . . .

(§ 2).Von rechts wegen gehöret wie zueinem Leibe nur ein Kopff; Also zu einemSchilde auch nur ein Helm; Allein nachdemmehrere Schilde in eines gebracht worden; So setzetman auch wohl drey. vier vnd mehr Helme auff oderneben einen Schild; . . .

(V, § 4). . . Die Chur-Fürsten setzen Rothe mitHermelin verbrehmte Chur-Hühte (welche auch wohlzuweilen in eine mit Halbzirckeln verschlossene Crohnsliegen; auff ihre Schilder, welches nun auch die Fürstenmit den Fürsten Hüten nachahmen. Doch seind ordent-lich die Herzoglichen Fürstlichen und Gräfflichen Cronenoffen und rund um mit Bluhmen, Laubwerck, Edelge-steinen und Beden besetzet, nachdem es einen jeden be-liebet. (Die Abbildung ist eine Laubkrone).

(VI.)Visiren heisset hier soviel, als mittelst einergenauen Einsicht, ein Wappen und andern Stücken nachaussiegen und erklähren.

Die in der Vorrede angekündigte lateinische Schriftfolgte noch in demselben Jahre:

Immanuelis Weberi examen artis heraldicae maxi-mam partem ex insigni opere Speneriano collectumtheoriam insignium facili ac perspicia methodo per in-terrogationes et responsiones exkibens; primum in usumIllustrissimi Comitis ac Domini Dn. Guntheri S. R. Imper.Quatuor-Viri Comitis Schwarzburgi et Hohnsteinii etc.concinnatum nunc vero Nobilioris Juventutis gratia,publice juris factum. Francofurti ad Moenum. Sump-tibus Joh. Davidis Zunneri Anno 1696. 8.

Die Schrift ist in der katechetischen Form verfasstund hat folgenden Inhalt:

Prolegoinena 1) de Heraldis seu fecialibus. 2) deinsignium deflnitione, divisione et origine. 3) de scuto,tamquam primario insigniorum (!) subjecto. 4) de tinc-turis. 5) de figuris tarn honorabilibus, quam vulgaribusscuto inscriptis. 6) de scutorum discerniculis. 7) deinsignibus aequivocis seu loquentibus. 8) de galea scuti.9) de scuto adjacentibus. Appendix: insignium Schwarz-burgicorum expositionem continens.

Weitere Auflagen: 1699, 1700, 1713, 1715, 1723,1727, 1753. .....

Die inhaltsreichste Schrift, welche nicht bloß Spener

sondern auch ältere Autoren des In- und Auslandesstark benutzt, erschien 1698 unter folgendem Titel:

Heraldica Curiosa, tüelcbe ber Stoppen llrfpning.IDadjsttmm, Fortgang, unb rote felbiger nodj fjeuttges (Tagesbey bencn (Eeutfdjen in (gebrauch ausführlichen, fomt betenumftänblidje Sefcbreibung, roie foldje tn benert IDappett'Briefen, 21Iten Docutnenten, Jahnen, Sigillen ic. unb net'fdjiebenen Autoxn hin unb roteber einzeln yi flnben; 3f 5fonberfjeit audj oon benen Scbilbbaltern, £}elm'l>e<fen, Kro-nen, fluten, fjauben ic. Seyfammeit nicht allein auf bas3ierlidjfte unb Cwrt'ofefie abgefyanbelt, fonbern aud; wasfonften 3«r Probation bes CEtjurttier' unb Stifftmäffigen Kbelserforbert wirb; JlUes Historice, Politici unb Juridice mitXV. febönen Kupffer^iguren, roonunet: über (200 IDappenDorgcftellet oon J. A. Budolphi. ZTürnberg, nerlegts 3#bann Sconharb 23uggel, 23udjb,änblcr in ber jröfebau. Anno1698 fol., 8 und 226 Seiten).

Nach Estor und Siebenkees war der Verfasser dieserSchrift der Geheime Bath Johann Anton Kroll von Freyen.Sehr hart urtheilt Joh. Tobias Köhler (in Schott'sWochenblatt I 284) über das Werk:

Das ganze Werk ist ein Mischmasch, welcher ausden geschriebenen Anmerckungeu eines grosen Kennersder Wappenkunst des seligen J. A. v. K F. G. 0. zu-sammen geraft, und wider des Urhebers Willen in denDruck gegeben worden ist: denn dieser war, wie miraus eigener Ueberzeugung bekannt ist, viel zu gelehrt,solche Fehler zu begehen "

Dass der Verfasser seines Werkes sich keineswegszu schämen habe, sagt Schmeizel mit völliger Berech'tigung:Das Buch ist so gemacht, dass Auetor sichwol melden können, ich würde mit mehrerem egard vonihm reden, wenn ich etwas mehr als seinen Nahmennennen könnte."

In der Vorrede sagt der Verfasser, die Heraldiksei bisher unter den Tratschen wenig geachtet undnicht als ein sonders nothwendiger Theil der Historieangesehen worden.Dahero es dann kommt, dass unsereTeutsclie Mutter-Sprache bishero nicht genügsameWorte gehabt, alle Arten der Wappen zu benennen,sondern sich vielerley Umschreibungen gebrauchenmüssen, da doch, indem wir anderen Nationen die Ehreder Erfindung einer so so schönen Wissenschaft bestrei-ten, wir auch billig darinnen einen grossen Vorrathhaben solten, zumal da die Vielheit der TeutschenWappen, welche weder an Schönheit noch Kunstniäs-siger Austheilung einigen andern in der Welt weichen,hierzu guten Anlass geben. . . . Wir sehen aber nichtsdesto weniger, dass unsere Sprache darinnen zimlicharm, und bey weiten nicht in dem Stande ist, es hier-innen der Frantzösischen und Lateinischen gleich zuthun, welches dann auch eine Mitursache sein mag, dassdiejenige, so von unsern Landsleuten in diesem Studioihrer Nation zum besten geschrieben, sich vielmehrdes Lateins, als des Teutschen gebraucht haben.Und obwol bey einigen Jahren unterschiedliche den An-fang gemacht, unserer Mutter-Sprache sich in dieserMaterie zu bedienen, so wollen doch ihre Schrifften nichtzulangen, eine Wissenschaft, welche fast von allen andernTheil nimmt, änderst als stuckweiß daraus zu erlernen.Er bekennt, dass er die gebrauchten Kunstwörter zumTheil aus andern Sprachen übersetzt,oder gar nacheigenem Gutbefinden angewendet..... Doch sind der-selben so wenig, dass sie unter der übrigen Anzahlkaum zu merken, welche meistens aus alten Wappen"Briefen, Urkunden, und andern Manuscriptis oder Büchernzusammen gesucht, und allein was die Kürtze anbetrifft.verändert. Gleichwie nun diese Worte, welche beyunsern Vorfahren allbereit im Gebrauch gewesen, billigauch vor gewöhnliche Kunst-Worte zu halten und an-zunehmen sind, als stehet es hingegen einem frey, anstatt derjenigen neuen Worte, so hierinnen zu finden,