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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. IV. 3.

heiligsten Policey 1 ) unterschiedliche denckwürdigeMerckmahle, dieser allwege hochgeschätzten Wissen-schafft anzeichnen lassen, und dadurch das graue Alter-thnm derselben versichern wollen."

Vielfach sind die Ausführungen nach Spener freiübersetzt; z.B. die folgende Bemerkung über den Helm:Die Ausländer halten so gar viel nicht (auf denHelm) wollen, dass es mehr ein Person- als ein erblichGeschlechtszeichen gewesen, und daher mit dem Schildean Würde nicht zu vergleichen, dass es auch nach Be-lieben ausgelassen, oder geändert werden könnte, wiesie denn mehrentheils ihre Schilde auch nur mit Kronen,Kräntzen oder Mützen, sonder Helm zu bedecken pflegen.Aber unsere Deutschen sinil sehr grosse Eiferer überdie Helme, wie man denn Exempel hat, dass grosseHerren wohl ehe die Schilde ausgelassen und die blossenHelme, zu ihrem Zeichen geführet: so leidet es auchihre Gewohnheit nicht, dass man das geringste davonso wenig, als an den Schilden ändere."

Kurtje Anleitung jur (Eeutfdjett tt>appen>lütnjt. Nürn-berg, in Verlegung £eour|arb Cofdjge o. J. (Papier folio,Druck 4° 9 unpagin. Blätter u. 6 Tafeln

Da die Schrift bereits bei Schuhmacher citirt wird,so muss sie vor 1(594 erschienen sein Sie hat sichhauptsächlich die Aufgabe gestellt, die Kunstausdrückezu verdeutschen. In der Vorrede heisst esEs ist zwargewiss, dass unterschiedliche Auto res, wenn sie inihren Büchern von denen Wappen, deren Ertheilungund dergleichen handeln, viel gute Worte, die Sacheauszudrucken, beliebt, und durch langen Gebrauch ein-geführt haben: Es ist aber auch unlaugbar, dass indemsolche Kunst-Worte nicht zulänglich, liishero auch nichtferner vermehret worden, man sich vieler grossen unddunckeln Umschreibungen gebrauchen, und offt denLeser damit verwirren müssen. Solchen nun zum Theilabzuhelfen . . . ., habe ich ... . die übrige eigentüm-liche Worte dieser Wissenschaft so viel möglich zuteutschen, und also unsern Lands Leuten diese so an-genehme Kunst besser bekandt zu machen etwas bei-zutragen, übernehmen wollen . ..." An einer anderenStelle sagt er:Ich hoffe aber gleichwol, es werden ausdiesen wenigen Blättern meine gedanken, und wieunseren Landes-Leuten diese Kunst mit einheimischenWorten bey zu bringen, genugsam erhellen."

Ueber die Anonymität und die typographische Ein-richtung der Schrift sagt Schmeizel:Wer der Verfassersey kann ich nicht sagen, es ist eine grosse Schwach-heit, wenn die Scribenten ohne Ursache ihre Umständeverbergen. Warum das Buch so wunderlich gedrucktworden, möchte ich wissen, das Pappier liegt in foliound der Druck ist in quarto gemacht nnd da müssenalle Bogen zusammen geleget werden"

Citirt wird die Schrift in der Regel unter demNamen des Verlegers.

Inhalt: (1) Von dem Ursprung der Wappen. (2) Vondem Schild. (3) Von den Metallen und Farben. (4) vondenen Figuren.

1) Bussing citirt 1 Buch Mose Cap. 49 (JakobsWeissagung und Abschied) worin den Söhnen Jacobsgewisse Symbole zugetheilt werden, wie:Juda istein junger Löwe"Isaschar wird ein beinerner Eselsein"Dan wird eine Schlange werden"Naphtaliist ein schneller Hirsch"Benjamin ist ein reissenderWolf" u. s. w.

Auf dieses Capitel der Bibel gründet sich die bei denalten Heraldikern vielfach vorkommende Behauptung,dass das Wappenwesen schon bei den Juden des frühestenAlterthums im Schwange gewesen sei. Bussing be-zeichnet also an obiger Stelle, die Heraldik als einegöttliche Einrichtung.

Zum Schluss giebt der Verfasser einige Bemerkungenüber die Beizeichen, die Helme etc. (ohne Ueberschrift

Wir heben einige Sätze aus:

Bei den Farben ist in acht zu nehmen: dass dieoberste oder vorderste Färb, nicht aber das Metall(welche einige fälschlich immer voran nehmen und setzenwollen, weil solches nicht wenig Wappen des Fehlersbeschuldigte) zu erst angezeigt werde."

Zu denen Farben werden noch gezählet das Peltz-werck (les fourrures, pelles), nebst denen Schuppen,Schach, Rauten und Wecken, weil die Figuren damitgleich als den Farben bekleidet werden.

Was aber hin und wieder von denen Farben undihrer geheimen Bedeutung gefunden wird, hat so wenig®Gewissheit, als das .jenige was man aus denen Wappen-Figuren von der Familien Alter Ursprung und Vorzugerzwingen wil....."

Kurtjgefaffetc JEcutfdjc Wapcm Kuttft barinuen biercdjtctt Hegeln unb (5niublcl)rcu, foroofjl 3um teutfdjetiaiiffreitjcn als eiftren unb erflären bereu 2£>apcn wtbSchüben, uebenft Dcrfdjicbcncn curieufen Sad/en uon <£h,ur'unb fürftenbüten aud; IDacbs 311m Siegeln, fürtjltd? unbbentlid) 311 fonberbareu ZTutjeii cor Comitts Palatii iii'djmitnt3'Hätr|cn, unb uorncrmilid; riTabJcrn mit» niiitttj-prege'ober Jormfdjucibcrit cuttporffen »011 F. W. Sduim ach etPhil. Mag. unb J. Cult. 3 c na rcrlegts »Tobias ©elnrliug-Anno MDCXGIV.

Schuhmacher war 1C94 Privatdocent in Jena undsoll später Amtmann in Holstein gewesen sein. Schmeizelsagt, dass er von der Schrift vieles halte, so wol wegender guten Ordnung als auch des Auctoris Einsicht imWappen - Wesen. hätte das Büchlein aecurate und ge-hörige Kupffer, so würde es allen anderen Oompendiisden Rang strittig machen können." Man kann diesemUrtheil im Allgemeinen zustimmen. Es möchte zwargesagt werden, dass die mystische Auslegung der Far-ben und Figuren, welche er giebt, einen Rückfall dar-stelle; es ist jedoch zu berücksichtigen, dass er auchzum Nutzen der Comites palatini schreiben und der Er-findungsgabe derselben aufhelfen wolte. Auch hat ersich in den einleitenden Worten zu dem betreffendenCapitel genügend entschuldigt. Schlimmer ist nachmeiner Ansicht seine Bemerkung über die Erfindungder Sehraffirungen. t)

Einthe ilung: Cap. 1. Vom Ursprung und Nahmender Wappen - Kunst, Herolden Persevanten , Schilde"'Siegeln und Merckzeichen. II. Von Beschreibung desWapens und der Wapen-Kunst III. Von der Einteilungder Wapen. deren Stücken und Arten. IV. Vom Schildedessen Farben und Abtheilungen V Von bekanntenWapen Bildern und Figuren VI. Von denen IrregulärenFiguren und Ordnung vieler Bilder VII. Von der Wapen-Bilder Stellung oder Positur und Kennzeichen VIII. Vondenen Kleinodien, Feldzeichen und Ober - WapenIX. von Helmen, Zierathen und Helmdecken. X. VonSchildhaltern und Nebenzeichon XL Von der Ordnungim Visiren eines gantzen Wapens. XII. Von den»Wappen gewisser Gesellschaften, die nicht Adelten-

XIII. Von den Wachs, «lesen Farben und Capsulen-

XIV. Von der Art nnd Weise das Auffreisen und Vi-

1) Auch der Hohenlohische Archivar Havsselmannhält die Schvaffirnng für eine mittelalterliche Emric!B-tung. Er schreibt : wenn ich die Wappen in den ^* e *:LHohenlohischen Sigillis gegen andere in folgenden 55elt ?betrachte, so finde ich in ienen solche Marken. welc '_nach denen Regeln der Heraldic deutlich zu erkennegeben, dass der Hohenlohische Schild damals schwärund in solchen die vormaligen Lewen und nunmehrigeLeoparden gelb . . .