Geschichte der Heraldik. IV. 3.
615
Eintritt des Herren-Sitzes im Ritter - Saal, oderErstes Capitel, kürtzlich handelnd von der Wapen-Kunstinsgemein.
Es sind aber die nöthigsten Gemein - Stücke, davonallhie zu handeln, folgende: 1.) Vom Schilde unddessen Theilen 2) von den Tincturen, so in Schil-den gehraucht werden, 3) von Bildern und Figuren,so man im Schilde führet, 4) von Helmen und derenOeffnungen 5) von Krohnen und Kräntzen 6.) vonKlein-oden oder Helm-Zeichen 7.) von Helm-Decken und Zierahten, 8.) von Schildha lt ern oderWapen-Knechten.
In § 9 sagt er: „Von allen diesen Tincturen .,wiewohl man sonst unterschiedliche Eegeln und Gesetze,auch von der vielfältigen Bedeutung derselben einhauffen Grillen zu machen pfleget, so ist dochkeine die sonderlich in acht zu halten als diese: dass"'an sich vorsehe, damit man in keinem Schilde Metallauf Metall oder Farbe auff Farbe führe . . . : Vonwelcher schier durch aller Nationen Brauch und Ge-Wonheit bestätigten Kegel, keine bessere Raison zugeben als diese: Weil es sich so am besten ab-sticht und aussnimbt. Wiewohl dennoch auch diese&egel so viel Exceptiones und Limitationes hat . . . ."
Im Jahre 1693 Hess Bussing folgendes Werk er-scheinen:
Caspar Bussingii conspectusheraldicaesuccincta<*triosa et perspieua ratione adornatae et in duas partesdigestae, insignia praecipuorum in cultiori Europaim peratorum, regum, principum ac etatuum uno velutobtutu aeri incisa exhibens et succincte illustrans . Cu-118 pars I insignia sistit ordinum imperii Germanici, IIv * r o regum, prinbipum et rerutn puHicarum exterarum.Üamb. 1693. 8° c. flg.
Von diesem Werke erzählt Bussing:
„Demnac* meine kleine Heraldique negst ver-liehene Leipziger Oster-Messe zuerst Lateinisch heraussgekommen und so angeschlagen, dass viele , auch desSeineinen Dolmetschers der Gelehrten, nemlich derDateinischen Sprache nicht kundige, selbige zu lesen,! n die so höchst anmutige , aber bissher wenigen be-«andte Wapen - Wissenschaft etwas tieffer einzusehen■■■ ■ ihr Verlangen bezeiget. Weil aber bey derLateinischen Edition kein Bericht von der Herolds-Kunst insgemein vorhanden, sondern nur bloss dieHistorie jedes Wapens insonderheit,' so gab er mit derUebersetzung die beiden oben erwähnten Schriften, diewer Bestimmung nach nur einen kleinen Leserkreishatten finden können, in folgender Schrift vereinigtheraus:
«Einleitung 311 ber Ejcrolbs = Kunft, auff eine bequemeUn <> beutlicbe 21rt nerfaffet in 3mey Steilen bie 2X>apen berPwnebmften Staaten als Kayfer, Könige, Jürftcn unb^Publiquen t>on ganfe (Europa (Sleidrfabm auff einen 21n>b ,"tf barftcüenb unb in biefer Eeutfcben Uebcrfcfcung mit«nem ZIcucn Cbeil com ber IPapen-Kunfl insgemein, £autJF» nobtoenbigen Berichtes in ber üorrebe, oermebret von3-aspare Buffingio, prof. publ. Hamburg, im Sebulötfcbcn««tblabcn, 3m 3ab,r ^69^.. (Quer 8°).
Eine dritte Ausgabe erschien unter folgendes Titel:Kurtjgefaffetc Bcrolb-Kuuft, baiinnen attf eine bequemeunb bcutlidjc 2lrt in §u>ölff Ereilen bie IDapcn ber cor-"ciimften Staaten als Kayfer, Könige, £bur. unb durften,3' »Hb Bifdjöffc auch Bepubliquen oott gautj Europa,^ie auch ber Deutfcben Heidjs-CSrafen unb ooruebmf en■«ttter.förben gleidifam auf einen »lief »ormabte oorgefteUet»°n Caspar Bussingio P. P. Bey biefer brütenAusfertigung meb.r benn um bie Bdffte oermebret.Jim bürg im Derlag Benjamin Schillers IDittwe. <öe=dc U(ft bei Caspar ^attjel 1713.
Die Eintheilung des Buches ist folgende:Der Herolds- oder Wapen-Kunst Erster und all-gemeiner Theil enthaltend eine kurtze Einleitung zuderselben mit Grund-Sätzen und Exempeln: 1, Cap. Vonder Wapen - Kunst Vortrefflichkeit und Nutzbarkeit2. Cap. Von dem Alterthum und Ursprung der Wapenund Wapen-Kunst. 3. Cap. Von den gemeinen Stückender Wapen-Kunst und insonderheit von dem Schilde u.dessen Theilen 4. Cap. Von den Tincturen die in Schildengebrauchet werden 6. Cap. Von den Figuren, so manim Schilde führet und zu erst von den eigentlichen Ehr-oder Wapen-Zeichen. 6. Cap. Von den übrigen Bildernin den Wapen nnd erstlich von den Menschlichen undMenschlicher Theile Bildern. 7. Cap. Von der Tbiereund hauptsächlich der Vogel Bildern in den Wapen.8 Cap. Von der vierfüssigen Thiere Bildern. 9. Cap.Von der Fische, Gewürm und Ungeziefer Bildern. 10 Cap.Von der Erdgewächse- Bäume- Sträuche- Blumen-Früchte-Bildern. 11. Cap. Von der leblosen Creatoren,aus Himmel und Erden entlehnten Bildern 12. Cap. Vonden Bildern aus der Kunst und von den mancherleyMenschlichen Wercken und Werckzeugen entlehnet.13. Cap. Von den Helmen, so auf den Schild gestelletwerden, und derselben Oeffnungen. 14. Cap. Von denKronen und Kräntzen auf Schilden und Helmen. 15. Cap.Von den Kleinodien oder Helmen-Zeichen 16. Cap. Vonden Helm-Decken, Zindel-Binden, Mänteln, Pavillonsder Wapen und andere Zierathen. 17. Cap. Von denSchild-Haltern oder Wapen-Knechten.
Der Herolds oder Wapen-Kunst Anderer Theilenthaltend aus der specialen Heraldique die Beschreibungdes Schwedisch - deutschen Wapens insonderheit; —dritter Theil enthaltend die Wapen der GekröntenHäupter in Europa; — vierdter Theil enthaltend dieWapen der Churfiirsten; — fünf fter Theil enthaltendWapen der Deutschen Ertz- und Bischöffe, Aebte undAebtissinnen; — sechst er Theil enthaltend die Wapender alten Hoch - Fürstlichen Häuser in Deutschland; —siebender Theil enthaltend die Wapen der neuenFürstlichen Häuser in Deutschland; — achter Theil,enthaltend die Wapen der deutschen unmittelbarenReichs - Grafen von der Wetterauischen Bank; —Neun dt er Theil, enthaltend die Wapen der Deutschenunmittelbaren Reichs - Grafen von der SchwäbischenBank; — zehnder Theil, enthaltend die Wapen derdeutschen unmittelbaren Reichs - Grafen von derFränckischen Banck; eilffter Theil, enthaltend dieWapen der deutschen unmittelbaren Reichs-Grafen vonder Westphälischen Banck; — zwölffter Theil ent-haltend die Wapen der freyen Republiquen, wie auchder Spanischen Niederlande, des Römischen Pabsts, undder Italiänischen Hertzoge und Fürsten , der Hertzogevon Lothringen und Churland, des Czaars in Moscau,und der vornehmsten Potentaten ausserhalb Europa.
Anhang zur Heraldique oder Wapen - Kunst,Handelnd von denen Wapen und Zeichen der vor-nehmsten Ritter-Orden in Europa (das XII Capitel desAnhangs handelt „von denen Wapen der Reichs- undverschiedener anderer Städte"; das XIII Cap. „Von denenWapen gewisser Gesellschaften, Zünfte und Hand-werker."
„Dass die Herolds- und Wapen-Kunst (heisst es im1, Cap.) eine vortrefliche und mit vielen sonderbarenVorzügen herrlich prangende Wissenschaft sey, leuchtetallen so dieselbe nur mit ersten Blicken verwunderndanschauen, dergestalt helle in die Augen. dass sie sichnicht satt daran erlustigen noch ihre nachdencklicheMerkwürdigkeiten genugsam bewundern können."
Der Verfasser geht in seiner Begeisterung so weit,zu sagen, dass „auch der absoluteste Monarch und aller-gewaltigste Beherrscher der gantzen Welt in seiner