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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. IV. 3.

Die Becension der Leipzige Acta eruditorum von1690 (S. 450; leitet mit den Worten ein:Decenniumintegrum elapsum est, ex quo summe Reverendus Spe-nerus; Polyhistor aeque ac Theologus consummatifsimus,Historiam Insignium illustrium seu Operis Heraldicipartem specialem magno cum applausu eruditi,orbis edidit." Auch hier wird das Werk als ein sehrnützliches und fleissiges bezeichnet, ein Urtheil demnoch die Gegenwart beitreten kann.

Spener hat das grosse Verdienst, die Heraldik vondem wuchernden Unkraute des Mysticismus gereinigt,an Stelle der mystischen Auslegung die historische Be-leuchtung gesetzt zu haben. Seine Verdienste um dieAusbildung der Kunsprache würden hervorragend ge-wesen sein, wenn er sich 1n seiner Schrift der Mutter-sprache bedient hätte. Durch die massenhaften Anführungen erhalten wir eine Uebersicht über die Lite-ratur des Auslandes namentlich Frankreichs. Ueber-haupt ist das Werk noch jetzt in vielen Fällen alsNachschlagewerk zu gebrauchen.

Etwa gleichzeitig mit der Theoria insignium er-schien folgende kleine nicht sehr wichtig akademischeSchrift:

Theses des Principes du Blason ou de l'art heral-dique lesquelles sous la presidence de Monsieur ' le doc-teur Jean Christoff le Wagenseil, professeur tres-celebredu droit public, et des langues orientales, dans Vuniver-site d'Altdorf, soutiendra Jean Jacques SturmVautheur ä Altdorf. Le Mars. Inprimc chez Jean HenriSchönnerstädt. L'an MDCXC. (4. 15 S. mit einem Kupfer-stich Wappen der Fürsten von Oettingen aufder Rückseite des Titels).

Im Vorwort vertheidigt sich der Verfasser gegenden etwaigen Vorwurf, dass er nicht in Lateinischer,sondern französischer Sprache schreibe, was im Hinblickauf die gegenwärtige Zeit (d. h. 1690) übel angebrachterscheinen könne. Er hat diess gethan, weil sich dieAusdrücke der Heraldik, die meist technische sind, sichim Lateinischen schwer wiedergeben lassen.

Zu Unrecht werde den Deutschen in der Anwendunggewisser Regeln die Priorität bestritten. Die Regel,dass nicht Farbe auf Farbe, Metall auf Metall zu setzensei, scheine in Deutschland früher bekannt gewesen zusein, als in Frankreich, weil man in den ältesten Schil-den Fehler gegen diese Regel nicht finde. Man müssejedoch den Franzosen zugestehen, dass sie diese Kunstvon allen Nationen am besten verstehen und vervoll-ständigen. Inzwischen habe der sehr gelehrte undfromme Herr Spener mit vielem Erfolg und allgemeinemBeifall begonnen diese Kunst auch in unserem Deutsch-land einzuführen (flistoria Insignium).

Die Wappen seien mit bestimmten Tincturen undFiguren gefüllte Schilde, autorisirt von denjenigen,welche das Recht haben ein Wappen zu verleihen.Diese Figuren sind Zeichen der Ehre und des Adels,welche ihre Besitzer unterscheiden von gewöhnlichenKaufleuten, Arbeitern und anderen Leuten, welche zwarzuweilen auch Wappen haben, die aber nicht Ehren-aonderu uur Unterscheidungs-Zeichen sind.

Die Bedeutung der Tincturen giebt er in der ver-alteten Weise (Reichthum, Adel, Unschuld etc. etc.)Gold ist die Sonne, Silber der Mond, Blau das Meer,Roth das Feuer, Grün die Luft, Schwarz die Erdeunter den Tincturen. Hierauf folgen die verschie-denen Theilungen, Ehrenstücke.

Die einfachsten und am wenigsten überladenenWappen seien die schönsten. Die edelsten Thiere seiendie besten Wappen; die Positur derselben habe sichnach ihrem Naturell zu richten; sie sollen nach Rechtssehen, indess leide diese Regel viele Ausnahmen.

2. Cap itel.

Die Compeiidien.

Inzwischen war durch Paullini's Vorschlag (dessenwir oben gedachten) und durch das Beispiel Spener's l )ein anderer Theologe veranlasst worden, einen Theilseiner gelehrten Thätigkeit der Wappenwissenschaft zuwidmen

Caspar Bussing geb. 9. März 1658 in Pfarrhausedes Stifts Neu-Kloster in Meklenburg, Theologe undMathematiker, 1691 Conrector an der Cathedral-Schulezu Bremen, 1694 Prediger an der Michaeliskirche. 1699Pastor an der Cathedralkirche zu Bremen, 1708 Super-intendent von Oldenburg und Delmenhorst, 1711 General-Superintendent des Herzogthums Bremen, starb als sol-cher am 19. October 1732.

Bussing ezählt, dass er gegeu das Ende der 80 erJahre mit der Ausführung derGemein-Stücke" derHeroldskunst beschäftigt gewesen sei.

Ich stand zu der Zeit, da ich solche schrieb, inDienst Ihrer Königl. Majest. zu Schweden, da ich indem Königl. Athenaeo am Thum zu Bremen die Historieöffentlich zu lesen hatte, als 1688 und 1689 des HerrnPaulini Hoch-Fürstl. Sachsen-Eisenachischen Leib-Mediciund Grossen Polyhistoris. meines Hochgeschätzten Gön-ners Höchstrühmlich- und Nützliches Vorhaben erschalleteein Historisches Reichs-Collegium anzurichten, damit dieTeutsche Historie mit grösserem Fleiss . . . beschriebenwerden möchte . . . wolte ich auch an meinem Ohrtnichts ennanglen lassen ... zu solchem Ende fertigteich 169U ein Einladungs-Schreiben an die Hochansehn-liche Ritterscbafft des Hertzogthums Bremen, unter demTituli Eröffnung des Bremisch-Verdischen Ritter-Saals»aus, daiinu ich die Historie und den Uhrsprung derHerolds-Kunst kürtzlich angezeigt und mein Vorhabenentdeckt. . . . Weil es aber damit langsahm hergieng,indem einige nicht recht penetrirten, wozu mein Vor-haben abgezwecket wäre, so schrieb ich, um ein Modellzu gehen, wie künfftig alle Wapen sollen ausgearbeitetwerden 1681 den Herren-Sitz des Bremischen Ritter-Saals, darinn nebst den Gemein-Stücken oder General-Theil der Heroldischen Wissenschaft die sämptlicheWapen der Schwedisch-Teutschen Provinzien beleuchtetund bey solcher Gelegenheit die Hauptsächlichsten Grund-sätze der Heraldique auff jede Special-Wapen, einesdurchs andere zu erleutern appliciret worden. ..."Diese beiden Abhandlungen sind die folgenden:Casparis Bussingii (Eröffnung bes Sremifdj'DerbifdjeitHitter«SaaIs burcb ein Z)ienft3eigenbcs (EinlabungS'Sdjrctbettan bie lüordgcborjrue unb IjoTbanfcr/nlidje Htttcrfdjafft berfjertjogtbümer Bremen unb Derbem. (Datirt Bremen den21. Octob. Anno 1690).

Behandelt vornehmlich den Ursprung der Wappen-Iler (Einleitung 3u ber ^erolbs-Kunft erfter ©jetf besEjeif. Hömifdj-Seutfdjcn Heidjs rjorncrmtftc tt)apcn entbal-tenb . . . gmcyter (Ebdl. Der Heidjc unb Staaten auffer(Ecutfdjlartb rjornerjtnftcn lüapett enthaltendAm Schluss.Des 33remifd;.Pcrbifcben Htttcr-Saals, ZXad-j gefeierter(Eröffnung 3uerft erfd]cmcnbcr £jcrrcn°Sifc, Dorftelicnb 2b xetK. ITTaj. ju Scbmcbcu :c. ic. Dollftcntbigcs-IÜapeu bittet(Eeutfdjett protmttjien (Etitoorffctt dou Caspare BussingioP. P.

1) Bussing sagt S. 82 seiner Heroldskunst (1713):Wer mehrern Bericht verlanget, kan sich bey dem ob-belobten Herrn Spener Raths erholen, aus dessen voll-ständigem Werck dieser kurtze Vorbericht, um vor die-jenigen, so noch gar keine Kundschafft in der Herolds-Kunst haben, nach den allernöthigst zu wissenden öe-meinstücken zusammen gezogen."