Druckschrift 
Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
Seite
612
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

612

Geschichte der Heraldik. IV. 3.

girte und der deutschen Art anbequemte. In Strass-burg wurde der Grund gelegt zu seinem grossen heral-dischen Werke, das im Wesentlichen schon seine end-gültige Form gewonnen hatte, als er in den Verrich-tungen seines geistlichen Amtes aufging.

Die Art und Weise, wie Spener seinen Gegenstand wir reden zunächst von dem Commentar über dassächsische Wappen behandelte, war etwas bis dahinUnerhörtes. Mit der Wappenauslegerei bricht er un-bedingt und und endgiltig. Er betrachtet die Wappennach ihren Substraten und Bestandtheilen, bestimmt jedesFeld nach seiner Zugehörigkeit und erläuters es aus derGeschichte.

Von den Zeitgenossen wurde dieser erste VersuchSpeners auf heraldischem Gebiete mit einem wahrhaftermunternden Beifalle aufgenommen. So sagt der ein-sichtige Dr. Michael Praun in seinem bereits erwähntenWerke über die Heerschilde (1672):

Sonst kan ich hiebey Herrn Doctor Spenners inEhren zugedencken nicht unterlassen, welcher ein treff-licher Wappenkündiger, und ein in der Herolds-Kunstwol erfahrner Mann ist. Dieser hat neulich eine guteProb mit Erklärung der Churfürstlichen SächsischenWappen-Kleinodien gegeben, und gar herrlich aussgc-führet, was eine jede Figur in allen und jeden Feldleindess Sächsischen Wappens für Land und Regalien be-deute; Er wird auch ein gutWerck thiui wanner aller Teutschen Fürsten Wappen also er-kläret, dann hiemit wird er die Rechte der Grossen,der Fürsten, Herreu in Teutschland wie auch dess gantzen

Teutschen Staats gar schön erleuchten......Die

Herolds Kunst ist ein Theil derjenigen Phi-losophie oder Weltweissheit, welche in Be-urtheilung und richtiger Austh eilung derWappens-Kleinodien, und alle n Regali en desshohen und nidern Adels bestehet. Daheronicht zu achten, was der Sarkmasius hochmütig undohne Bedacht von diesem gelehrten Herrn urtheilet."

Auch der Berliner Johann Christian Sagitr sagt1670:Quae non merebitur, prae aliis, immortalia du-dum Celeberr. D. Spenerus, cujus Univerfum JusHeraldicum, Gallicae qualiquali fagacitati longe prae-ferendum, adhuc fperatum, forsan jamdum proeli coch-Ieam fentiens, magno cum desiderio quilibet, Curiofusexpeetat!"

Spener wollte mit seiner erwähnten Arbeit eineProbe geben, auf die er sich zu seiner Beglaubigungberufen konnte. Er suchte von den Höfen und Familienselbst authentische Nachrichten zu erhalten, die er beiseinen weiteren Arbeiten benutzen konnte. Auf ein Ge-such Spener's dürfte der folgende Brief zurückzuführensein, den der vormundschaftliche Rath Michael Casparizu Weilburg am 24. April 1679 an den Grafen JohannLudwig zu Nassau-Saarbrücken richtete:

So stelle zu E. hochg. Gn. gnedigstem nach-sinnen u. befehl ob nicht ehebesagtem Herrn Dr. Spe-ner das itzige rechte wappen mit der Beschreibungnicht allein zugeschickt, sondern auch darbey bedeutetwerden möchte, wie das allererste Nassauische wappengeführt, nacbmahlß geänderet, und wegen überkomme-ner neuer Herr- vnd Graffschaften vermehret wordensey, die ich dann herbey zubringen vermeine, nur dassich nicht reisen kann oder einen Mahler habe, der solchein grunnd brächte, dahero zu E. h. Gn. gnedigem befehlund gutbefinden stünde, ob Sie dero hochgeehrtesten H.Bruder, des Herrn General Walrads zu Nassaw-Vsingenhg. Excellenz alss welche einige Mahler haben, ohnmass-geblich ersuchen wolten, solches durch ihre Mahler alsowerckstellig machen zu lassen, wollte ich mich alss-dan gen Usingen verfügen und alles recht an-geben. . . ,"

Und weil durch besagten Dr. Spänern die gantze

Sach ohn sonderbahre Costen, man thät ihm dann miteinem fass Wein eine Verehrung, kann publicirt werdenund zu des hohen hausses magnificentz und ehre ge-reicht. Alss habe ich auss treumeinender unterthänig-ster affection und Schuldigkeit dieses unterthänigst vor-stellen vnd weiteres gndgst. Befehlss geleben wollenetc. etc.

Eine Folge dieser Vorstellung war der folgende un-datirte Brief i) des Grafen Johann Ludwig an den Gra-fen Walrad zu Usingen:

Hat Dr. Spener zu Frankfurt auf künftigen Herbstein opus Heraldicum in Druck zu geben promittiret,darinnen Er derjenigen Standtspersohnen, welche IhmIhre heutige Wappen rectificirt zusenden, praesentirenwill, weilen nun Unsers Hausses Wappen wegen ver-schiedener Fällen undt Veränderungen in denen altenWappen büchern nicht recht befindtlich vndt glcich-wohln derer adjoustirung dem Hauss zu sonderbaliremsplendor gereichet, habe Ich selbe alliier mahlen lassenwollen, es fehlet aber Mir an den Helm Deckeln, des-wegen E Gn. nicht zu wieder seyn wirdt dass selbedurch dero Mahlern verfertiget undt Meinem vormundt-schafftl. Rath Caspari zu Weilburg übersendet wer-den. ..."

Das erwähnte Werk erschien denn auch pünctlichim Jahre 1680 unter folgendem Titel: . .

Historia insignium iVmtrium seu operis heraldic 1pars specialis, continens Delineationem insignifi»plerorumqiie Begum, Ducum, Principum, Comitum etBaronum in eultiori Europa, cum explicatione singularuW-tesserarum et multis ad familiarum decora titulos atquejura speetantibus nee non tabulis aeneis,scutagaleasqueinopere explicata obtutui exponentibus et Indicibus neces-sariis. Autore Philippo Jacobo Spenero. Fr an-cofurti ad Moenum, Sumptibus Johannis Davidis ZunnerpTypis Johannis Theodoriei Fridgenii Anno MDCLXXX-Fünf Jahre nach dem Erscheinen der Historia i n "signium (1685) schrieb Dr. Michael Praun?).

Vornemlich aber hat der berühmte Herr Spener inseinem Opere Heraldico vor allen andern ein grossesgethan, welcher, in dem er die Schild- Helm- m 1 "Wappens Kleinodien der Fürsten und Herren erkläi' et 'zugleich von den Fürstenthümern und Herrschaften,deren offt ein einiger Fürst und Graf sehr viel besitzet,und wie ein jedes Land oder Herrschafft auff einenjeden Fürsten und Herrn kommen seye einen statt-lichen, ausführlichen und nutzlichen Bericht ertheijewwelches bey denen zwischen Fürsten und Herren hier-über entstehenden Controversien ein grosses Licht gibep'Gott verleyhe ihm Krafft, dass er bald den ersten The»von seinem Opere Heraldico auch herauss geben, unuvornemlich noch viel in der Christlichen Kirchen e r "bauen möge."

Für die Wappenkunde des 17. Jahrhunderts is cSpeners Historia insignium ein wichtiges und nach denoben mitgetheilten Briefen auch ein authentischesQuellen werk; es wird als solches noch heute geschätztund benutzt.

Der von den Zeitgenossen mit Spannung erwartetetheoretische Theil des Werkes erschien erst im Jahre1690 unter folgenden Titel:

Insignium Theoria sev operis heraldici p<* rSgeneralis, quae circa insignia, horum originem, scuteorumque partitiones, metalla, colores, figuras, galeas,apices aliasque scutorum appendices et conseetaria stu-dioso historiarum et vitae civilis nosse profieuum vis^ mest, ex diseiplina fecialium et moribus reeeptis exhiben^avtore Philippo Jacobo Spenero JD. Francofwn

1) Beide Briefe abschriftlich in Rossel's Nacblass.

2) Das Adeliche Europa S. 521.