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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. IV. 3.

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oder von einer tapffern That, welche er im Krieg widerden Feind verrichtete, oder auch von einem klugenbeylsamen Rath, welchen ein getreuer Staats-Mann demKayser gabe ; und wodurch das Reich guten würcklicher.Nutzen emptienge, und von dergleichen Absehen habendie Fürstliche und Adeliche Wappen ihren Ursprungbekommen. . . .

So viel Länder ein Fürst innen hatte, mit so vielWappen Helm und Fahnen wurde er belehnet, und soviel Helm, Wappen und Fahnen, dorffte er in seinemWappen-Schild führen mit so vielen Fahnen musste erauch vor Alters dem Reich dienen." (S. 10).

0 Allerglorwürdigster Romischer. Keyser: 0 IhrDurchleuchstigste Chur- und Fürsten! Ü Ihr hochge-Dohrne Grafen und Freyherrn, 0 Ihr hoch-EdelgeborneRitter und Regenten der Fiirtreft'lichsten Reichs-StädtenUnd herrlichsten Ritter-Sitze! Dass man die Grund-Säulen, worauf das Reich gegründet ist, nicht gar überden Häuften werfe, dass man die zerfallene Recht derHeerschild des Teutscben Adels wieder recht ineinanderrichte; dass man durch die Verständige der EdlenHeroldt s-Kun st, das ist, durch das klügesteStaatsleute, welche alle Geheimnuss dessalten und neuen Zu Stands dess Reichs tiefau ßge forschet haben, einem jeden Heerschild sein«-echt also uinzirkle und zuschreibe, wie es zu der Wolsfahrt des gantzen Reichs am besten seye, und alles amKräftigsten bestehen mag." (S. 25).

Im Jahre 1688 trat Christian Franciscus PauliiniJnit dem Vorsehlage auf, ein Historisches Reichs-~°llegium zu errichten, welches der Pflege derdeutschen Geschichtsforschung dienen sollte. Die An-regung blieb wie wir später sehen werden nichtohne Wirkung auf dem Gebiete der Wappenwissenschaft.

Vollends ins Centrum traf Tentzel (Monatl. Unter-*ed. 1692 S. 277) mit der kurzen Bemerkung:

"Diejenigen, so die Wapen-Kunst lieben, könnenin denen Siegeln mehr Gewissheit finden, alsWenn sie mit mancherley Conjecturen sich vergeblichmartern."

Der Rath war vortrefflich, er zeugt dafür, dassTentzel mit einer tiefen Einsicht begabt war. Es warünr der missliche Umstand dabei, dass man die Siegelund die Siegelwerke nicht aus dem Boden stampfenkonnte. Denn tausend und aber tausend Vorarbeitenbilden die Voraussetzung für eine Nutzbarmachung der°iegel. Noch lange später mangelte es in Deutschlandan Werken vom Schlage der Sigilla comitum Flandriae«es Oliver de Wree (Vredius).

Darum klagt noch 1738 der treffliche Johann DavidK-öhl er >) :

Ach wenn doch auch in unserm Vater-la nde ein Guichenon ein Bütken, ein Vredee mmahl aufstehen wolte! es giebt abernoch£u viel Drachen, welche die goldnen Aepfelbewahren."

Nämlich in den Archiven, die damals aus Erwäg-ungen der Hauspolitik noch unter strengstem Verschlussgehalten wurden. Ein Gutes hatte aber die scharfeHut der Archive: das vergängliche Material derselbenwurde für eine Zeit aufgehoben, welche durch dieEntwicklung der Kunst- und Culturge-8c hichte erst den richtigen Blick für die Monu-mente des Mittelalters erhalten hatte. Diesen Blickbatte das 17. u. 18. Jahrhundert noch nicht, und die*°lge davon ist, dass in den Siegelwerken, die allmäh-ll S auftauchen, die sonderbarsten Missverständnisseunterlaufen, wodurch ein Nutzbarmacheu für das Ganzefler Wappenwissenschaft ausgeschlossen war.

1) Münzbelustigungen X 408.

Wenn es nun auch einem Gelehrten gelang, einwirkliches Alterthum aus dem Moder der Bibliothekenauszugraben so fehlte es immer noch an den Hülfs-mitteln zur richtigen Würdigung desselben, es fehlteder Rahmen, in den man den Fund als fehlendes Stückeinreihen konnte. Ein Beispiel hiefür liefert MichaelPraun, der in dem oben citirten Werke die Institutionder Heerschilde mit dem Wappenwesen in einen gänz-lich unbegründetem Zusammenhang bringt.

Nachdem wir nun die Grenzen gezogen haben, inner-halb deren eine Entwicklung der Wappenwissenschaftüberhaupt möglich war, kehren wir zum Ausgangs-puuct zurück, um zu schildern, wie die nach neuenAufschlüssen verlangende Zeit in den letzten dreissigJahren des 17. Jahrhunderts, endlich die bahnbrechendeKraft fand.

Im Jahre 1668 Hess Philipp Jacob Spener seinenCommentar über das sächsische Wappen er-scheinen !

Dieser berühmte lutherische Theologe war am 13.Januar 1635 zu Rappoltsweiler im Ober-Elsass ge-boren. Sein Vater Johann Philipp stand in Dienstendes Grafen v. Rappoltstein. 1651 kam er nach Strass-burg, 1653 wurde er Magister, 1664 Doctor der Theo-logie. Im Jahre 1666 wurde er Pastor und Senior zuFrankfurt, 1686 Oberhofprediger in Dresden, endlich1691 Propst und Consistorialrath zu Berlin, woselbster am 5. Februar 1705 verstorben ist, 15 Tage nachseinem Freunde, dem Jesuiten Menestrier!

Spener erzählt (1690), dass er sich von Jugend anmit genealogischen Studien beschäftigt habe. In Genfhatte er (wohl im J. 1659) Gelegenheit, den berühm-ten französischen Heraldiker Claude FraiiQois Menestrierkennen zu lernen, der von früher wusste, dass Spenerein Kenner deutscher Genealogien sei und nun mit ihmin einen gelehrten Briefwechsel trat. Gerade die Be-ziehungen zu den französischen Gelehrten mögen Spenerbewogen haben, 1660 nach Lyon zu reisen, wo ihm dernur vier Jahre ältere Menestrier viel Wohlwollen be-wies, ihn ermunterte seinen deutschen Mitbürgern aufheraldischem Gebiete die Fackel vorzutragen und ihmfreistellte, seine Schriften, die er ihm schenkte, zu be-nutzen 2 ). Nach Strassburg zurückgekehrt, begann erdie Wappenkunst zu dociren (da man lehrend am leich-testen lernt) indem er die den französischen Schriftenentnommenen Lehrsätze in angemessener Weise redi-

2) Die wörtliche Uebersetzung eines Werkes jenesFranzosen erschien unter folgendem Titel:

IPolanftänbige 2JbeIs=gierbe, bas ift, XTeue Anleitung3U ber fogenanntcu Ejcrolb« ober IDapen-Kunft, ttuc btefelbcburd] bcn rjterinn fonberlicb berühmten P. Claude Fran-cois Menestrier in ^ranjöfifctjer Spraaje »erfaßt, unb mit(Ejempeln ber Dornetjmften jamilien in Ccutfdjlanb, £ticber=(anb, 3' a l' cn H"& Spanien, bureb, eine anbere nornebmeperfon t>ermeb,ret ruorben, uad; bem parififdjen <£jemplar,fo An. 1691 aufs neuefte herauf} gegeben, benen Siebfyabernfoleber eblen unb raren IPijfcnfdjafft ju gefallen ins Eeutfdjcüberfetjet. Ulm, in Derlag (Seorg IDilbdm Kühnen, Sud;-{jänblers. 1694 (8. 253 S.).

An den günstig- und geneigten Leser. Wir stellendemselben hiemit etwas gantz neues vor, nemlich einenauf gut teutsch gekleideten Frantzosen: Oder, das nochseltzamer scheinen möchte, einen Französischen neuenOrdens-Mann, in Gestallt eines alten teutschen Heroldsoder Wapen-Königs, der nicht nur mit Frantzösischen,sondern auch andern Nationen bey nahe durch gantzEuropa muffenden und hier und dar anzutreffenden vor-nehmen Geschlechter Wapeu gezieret ist." Spener hatselbstverständlich mit dieser werthlosen Uebersetzungnicht zu schaffen gehabt.