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Geschichte der Heraldik. IV. 3.
bei künfftigen Verenderung am Keisserl. Hofe (welchesmeines erachtens gar leicht sein würde) erhielte, dassüber das Magdeburgische in die Breite getheilte feldtein Adeler gesezet würde, de Tun en l'autre, wie esdie französische Wapen Meister nennen, das istwie hier, da der obere theil dess Schildes roth, dervntere theil weiss, müste der obere Theil des Adelers
weiss vnd der vntere Both sein. Das 0 levis che weiles nicht wohl zu endern, muss es billig vmb der Con-sideration eines so ansehnlichen Herzogthumbs also ge-lassen werden, biss der höchste dem höchstlöblicheuChurhause noch mehr accessiones besehehret, So er nachseinem gnädigsten Willen gewiesslich wolle sein lassen."
III. Abschnitt.
Philipp Jacob Spener und seine Zeit.
„(Enblicb fo ift biefe mtffenfdjafft ein über allebie maajje luftiges Studium unb geitnertreib,unb eine rcdjt abelicbc exercice in anfefyungber auf mandjerley art unb rcetfe mit aller»banb färben aufgejierten roapenbilbern, tt>cl<^ cba$ gemütlje unglaublicher weife afficiret unbgteirbfafym be3aubert, wegen ber oielen vet-änberungen, fo bann »orfommen, bas wo etacEbelmann nicfjt gar con eblen rnifenfebafftett-degenerirtt ift, einen fonberbarjrcn appetitbefommen mufj, ftd? mit biefem studio 311 be»luftigen unb 3U divertiren.
v. Gehema 1700.
1. Ca pitel.Philipp Jacob Spener.
So verdienstvoll für seine Zeit die Leistung Hö-pingks war, die aus dem Nichts ein wohlgegliedertesLehrgebäude der Wappenwissenschaft herausgearbeitethat, so sicher war es mit seiner Schule jetzt zu Ende.In den Arbeiten seiner Epigonen artet die Heraldik zueiner Hülfsdisciplin der abgeschmacktesten Blumen-sprache aus.
Während nun diese Schule in den letzten Zügenliegt, macht sich schon der frische Hauch einer neuenZeit bemerkbar. Die Erben Höpingks treten mit neuenBausteinen in die Bresche. Die Erkenntniss, dass inder Kunde des Mittelalters die „alte wahre Herolds-kunst" verborgen liegt, bricht sich mehr und mehr Bahn.
Dr. Michael Praun, Syndicus der ReichsstadtKempten, der von sich sagt, dass er „eine grosseLust undBegierd bekommen, in altenReichs-Sachen mich wohl umb zu sehen," schreibt imJahre 1672: ')
1) Politische Betrachtung, >on den Heer-Schildendess Teutschen Adels ins gemein! Zu besserer Erklä-rung dess Ersten Heer-schilds, in der Majestät einesRömischen Kaysers bestehend, Vorauss geschicket. Wo-rinn der Schöne alte Staat der Teutschen Regierung,und dessen Qrund-Veste, dess alten Teutschen AdelsErbarkeit, Tugend, Ehr, Macht, Würde und Vorzug,nach den Grund-Sätzen der wahren alten Herolds-Kunsterkläret, und alles mit nutzlichen Anmerkungen, alsköstlichen, aus den Ertz- und Berg-Gruben derwerthen
„Gar schön und herrlich war es, dass die Alte nachUnterscheid der Schild, Helmen und Wappen, auch dieLehen, Pürstenthum und Herrschafften von einanderunterschieden haben. Nach dem Unterscheid der Schild,Helm oder Wappen in den Schilden, wurden die Lehenin den Lehenbüchern aufgezeichnet, Schild und Helmzu jeden Lehen gemahlet, damit man desto besser wissenkönne, wem dieses oder jenes Lehen zuständig seyeiund mit wie viel Mann ein jeder von diesem oder jenemLehen dem Reich und dem Kayser in Kriegs-Zeiten, undbey den Römer-Zügen ... die Lehen-Dienst zu leisten,verbunden seye. Dahero auch so viel daran gelegengewesen, dass keiner nichts in seinen Schild undWappen führete, von den jenigen Stücken, welches einanderer darin hatte, dann dadurch hätte er einen Au"sprach, an dess andern Lehen suchen können.
„Ja die Schild- und Helms-Kleinoden selbsten wur-den nach der Herolds-Kunst, gar wohl anständig undzierlich unter die Ritterschafft außgetheilet, die Zeichen,Gemähle oder Sinnbild der Wappen wurden genommen,entweder von dem Amt und Dienst, das einer trüge;
Teutschen Antiquität, durch grosse Mühe heraus ge"grabenen Steinen aussgezieret wird. Allen hoch-er-leuchteten Staats-Leuten zu tiefferm Nachsinnen, demTeutschen Reich, bey dessen so sehr zerfallenen Hoch-heit und Herrlichkeit, nach erlangten lieben Frieden,wieder aufzuhelffen, Vorgestellet von Michael Praun,beeder Rechten Doctorn, der Römis. Kayserl. MajestätPalatino und Syndico in dess H. Reichs Stadt Kempten-Ulm, Gedruckt bey Christian Balthasar Kühnen, im Jahr1672. 4. (35 S.) und in: Burgermeister, BibliotbecaEquestris IL Band (Ulm 1720) S. 664 ff.