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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. IV. 2.

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der gesamten Heroldswissenschaf t verbor-gen liegt, wofern man unter der Bezeichnung Be-kleidung nicht blos dasjenige versteht, was denKörper unmittelbar bedeckt, sondern auch dasjenige,Was ober und um dem Körper befindlich ist, im Kriegs-wesen und im Hause angewendet wird, z. B. Schilde,Bahnen (vexilla, flammulae, labara) Zeltdecken, DeckenWomit Betten, Stühle. Pferde, Wagen, Tische bedecktWerden, sodann Staatskleider, Unterkleider, KöniglicheGewänder, welche mit goldenen und silbernen Emblemengeschmückt sind. ..."

2.Aus dieser Beobachtung scheinen wirklich, dieReisten Regeln der Wappenkunst erklärt werden zukönnen ; hieraus erkennt man die Meinung des heral-dischen Lehrsatzes: dassMetall nicht aufMetall,noch Farbe auf Farbe gemalt werden dürfe.Metalle nennt man Gold und Silber, welche jetzt alsGelb und Weiss bezeichnet werden." Er meint, dassdie Regel aus der Weberei und Stickerei zu erklärens ei es wäre weder ökonomisch richtig noch geschmack-v °ll auf goldenen Grund silberne Fäden zu weben.»Dies beweist, dass auch die Webe- und Stickkunst indieser Disciplin ihren Platz hat, weil aus ihren Hand-griffen (eigentlich Berechnungen, ratiociniis) nicht wenigeLehrsätze der Heroldskunst sowohl erlernt als erhärtetWerden können.

3.Diesem Ursprünge der Wappen kann der Sinndes folgenden Heroldsgesetzes entnommen werden: die** appenbilder dürfen nicht die Spitze deskphildes berühren, sondern müssen in ihrem^genen Schwerpunkt hängen. Daher werden^llien abgeschnitten, Rosen ohne Stamm, Löwen ohneBoden abgebildet. . . . Wenn die Herolde in Wappeneine dem widersprechende Darstellung sehen, so sagenJe nach einem unter ihnen bekannten Sprüchworte, dassdadurch die Fruchtbarkeit des ländlichen Mistes darge-stellt werde. Ein homo novus, gleichsam ein Sohn derwde, der sich ein derartiges Wappen ersonnen hat,^onderte sich dadurch weit ab von dem Ursprünge desAdels, welcher, wie gesagt, die Wappen nicht aus der^de wachsend auf der Kleidung führte, als er von demgemeinen Volke unterschieden zu werden anfing; denndie durch Tugend Edlen sind gleichsam vom Himmel

jud den Gestirnen geboren und gegeben.....Diese

Beobachtung giebt die Ursache an die Hand, ausWelcher Figuren, die ein menschliches Bild bis zurBrust darstellen, an den Armen meist entwaffnet sind:denn sie haben ihren Ursprung von Trophäen oder der^eute der Feinde, so wie sie nach dem Vorbilde derRaulen, Postamente und Triumphbogen in Tuch einge-lebt wurden. . . .*

4. (verschiedene Formen der Schilde).

,. 5.Es darf nicht ausser Acht gelassen werden, wie2 1 ®. Alten im Hinblick auf die Form des° c nildes die Figuren geordnet haben: z. B.Mehrere Vögel , Sterne oder Aehnliches; sie stelltendämlich die grössere Zahl stets in den obersten Theildes Schildes, die kleinere in den unteren Theil, weilJener ausgespannter und dieser enger wie jener ist.*üt Hilfe dieser Regel kann man die WahrnehmungMachen, dass viele neue Wappen erdichtet sind.", 6)Zu beachten ist, wie das Feld des Schil-des in bestimmte imaginäre Abtheilungeuunterschieden war und wie diese Sonderung mitgewissen Regeln dargestalt eingerichtet war, dass der-J e, ? l ge, welcher das Wappenbild an eine Stelle desSchildes brachte, wohin es nach jenen Begeln nicht ge-n J r te, durch diesen Irrthum auf die leichteste Weiseals ein Neuling (novus homo) erkannt wurde. . . .

6 )Eine ganz besondere Bestimmung der Herolds-gesetze ist die, dass die heroischen Embleme gemäss"er edlen Art der Natur, nicht kraftlos oder der heroi-

schen Bedeutung und der entsprechenden Tugend un-theilhaftig, gemalt werden müssen; daher werden dieLöwen aufgerichtet, die Löwinnen damit sie nichtdie Euter zu zeigen scheinen, mit allen Vieren auf derErde schreitend gebildet; daher werden die kleinenAdler und die Amseln (Merletten) an Schnäbeln undFüssen gestümmelt gemalt, während die Adler undgrösseren Vögel mit Schnäbeln und Füssen versehen sind.Dieser Bestimmung ist, es nicht entgegen, dass Löwenblau, Sterne schwarz gemalt werden und andere solcheDinge, die von der Uebercinstimmung mit der Naturabweichen; denn die Farbe, welche jenen Gegenständenvon Natur nicht eigen ist, ist doch vermöge der Regel,in deren Sinn wir bei der Beobachtung des Beklei-dungswesens eingedrungen sind, in den Wappen äus-serst angemessen. . . ." ^710).

11.Zu beachten ist, dass von den Heroldsge-setzen die redenden Wappen (arma cantantia)verworfen werden; man sagt aber von den Wappendass sie reden (cantare) einmal in Ansehung des Can-tatoriums, weil das kürzlich erkaufte besiegelte Diplomzur Stunde noch im Privatschein (vulgo Cantoriutn oderCantatorium genannt) i) verborgen liegt und noch nichtwürdig geworden ist, in das Adelsbnch oder die Ma-trikel aufgenommen zu werden. Zweitens giebt esredende Wappen, von welchen der französische Schrift-steller Marcus Gilbert Devarennes sagt: armes parlan-tes, figures d'armes qui ont le mesme nom que celuy quis'en fert dans son escu, das ist, redende Wappen wer-den diejenigen genannt, welche nach dem Eigennamendessen, der den Schild führt, gebildet sind. Ich meine,dass obige Regel durch die Ertbrschuug des Ubisch--mischen Alterthumes, ja gleichsam durch die Ueberein-stimmung aller Völker, ihres Ansehens entkräftet wer-den kann, mit einer kleinen Unterscheidung: sie istnämlich nur insoweit richtig, als sie sich auf Wappenbezieht, welche neuerdings gemacht oder von einemFürsten erkauft sind, sie besingen 2 ) die Zeichen einesKaufladens oder eines Bauerngutes, denHausrath, Werk-zeuge und Benennungen, die hiemit in Zusammenhangstehen, sie sind gleichsam das Gedicht der Krämer-büchse, . . . ich will diesen Gegenstand der üblen Nach-reden wegen nicht durch Beispiele näher beleuchten.Etwas Anderes aber ist es hinsichtlich jener Familien,welche an den Wänden der Kirche, in Fenstern, anMonumenten, Teppichen, Urkunden u s. w. ein Zeug-niss ihres Alters haben, welchen die strengeren Herolds-gesetze Steine des Anstosses nicht sein dürfen, dennwir wissen, dass nach dem meist getragenen Zeichendie Träger desselben benannt wurden. ... In unseremDeutschland sind derartige Benennungen sehr häufigz. B. v. Drachenfels von einem Drachen, v. Salm von

den Salinen.........zur Auslegung jenes Gesetze

sage ich also, dass es ein Anderes ist, einen Ritter undein Anderes einen Kaufmann besingen ; denn jener hatdie Merkmale des Alterthums und der Tugend; diesemjedoch, der sich aus dem Kramladen und bäuerlichemGeräthe Bilder und Namen erdichtet, gesetzt auch, erwiese ein fürstliches Diplom vor, wenn es einen Fehlergegen das Wappenwesen enthält, ist entgegenzuhalten,dass die Herolde des Fürsten aus Dienstbeflissenheit zuGunsten des Staatsschatzes und der Hofbeamten ihreGesetze verhehlt haben. Die Edlen aber, wenn sie vonden minder bedeutenden, durch Gewohnheit oder Zu-stimmung der Völker eingeführten Wappenregeln nochso sehr abgehen, können allein schon durch hundert-

1) EinKalauer" des alten Gelenius, der offenbaran Contor, Comptoir denkt!

2) Weil die lateinischen Schriftsteller singende(statt redende) Wappen sagen.