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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte (1er Heraldi

IV.

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Weher erzehlen, und wie darwider gefehlet werde, kürtz-J'ch heybringen.

4. Erstlich muss in den Wappen der Landsgebrauch] n acht genommen werden. Die Frantzosen haben eineandere Art als die Italiäner, die Italiäner eine andereals die Engeliinder und Spanier, wie auch wir Tent-schen halten die schlechten und einfaltigsten Wappenfjir die ältesten und besten, wenn sie aber gar zuvielFiguren, so sind neu, oder wol falsch und ohne Ver-stand visiret. i)

5. Zum andern sollen die Thier in den Wappennicht erdicht seyn, und in einem solchen Stand gestelletiu welchem sie ihre Deutung am besten aussdrueken.Wann aber einer die ungereimten Farben zusammengattet, wie jener der drey grüne Elephanten in einemgoldfarben Schild geführet, und einer, der drey silberneGänssköpfe in einem güldnen Felde mahlen lassen, 8 ihet man wol, dass der Erfinder des Wappens ein Haasgewesen.

6) Drittens, wann ein Wappen kein Bild hat, soniuss man allzeit ein Metall, und eine oder zwo Far-" e n, niemals aber die Farben allein, oder die Metallenallein gebrauchen. Die Farben sind roth, schwartz,grün und blau: die Metall, Gold und Silber oder gelbund weiss. Die höchste Färb muss allezeit oben in demSchild stehen. Wird der Schild nach der Länge ge-wieilet, so ist die rechte Seite, in welcher man dasGewehr führet, die vornehmste, der Thiere Klauen undSchnäbel oder Halssband sollen von Metall seyn, aus-genommen die Amsel 2 ) wie Cfwssaneus vill. JenerWolte zu einem Wappen drey Schneeballen in einemwarmen Wasser.

^. 7) Vierdtens soll der Helm gezieret seyn, mit dem^Üd dess Schildes. Sind nun Striche und Farben indem Wappen, so sind auf dein Helm Hörner, Federnoder Wulste, welches doch alles mit Unterschied ge-geben wird, und kommet solcher Adel vermuthlich vonder Feder her, wegen wohlgeleister Dienste in Gesand-S^h.&fft, oder andern Aemptern : Ist in dem Schild einthier, so soll auff dem Helm eben solches Thier auchSft yn. Sonsten ist unten ein Kalb und oben ein Esel,Welches etliche der Kunst unerfahrne nicht beobachten... 8) In den Helmen gilt es auch gleich, und habendie blinden oder zugethanen Helm die Deutung, dassdie edlen Knechte, welche solche geführet, ein blindengehorsam haben leisten sollen. Die Freynerren haben* Reiffe, die Graffen fünff, die Fürsten sieben, die«ertzogen neun, und die Könige eilff Beiffe in demVisir geführet. Von den Zentelbinden und Helmdeckennahen wir auch gemeldet, dass solche daher gekommen,Weil die alten Teutsche ihre Wappen fleissig verwahret,und solche auch also mahlen lassen. Es ist auch diesesSU mercken, dass der Helm eines Edelmanns auff derSeiten, eines Herrenstandes aber für sich sehen muss., 9. Die Kronenwulste und Kräntze auff den Helmenhaben auch ihre gemessene Gestalt, und sind die Kronender Könige, der Fürsten, der Graffen etc. unterschieden,ks wird erzehlet, dass eines Kaisers Einheitzer be-gehret, Ihr M. solten ihm sein Wappen verbessern, undßine Perlenkrone darzu geben: der Kaiser hat mitmachendem Munde geantwortet, dass dieses sich nicht*ol schicken würde, weil er in dem einheitzen leichtlicheine Perle von der Krone herab stossen möchte. Der

fe 1) Hier folgt die bereits erzählte Anekdote von demdauern aus Niederland.

^ 2) Nämlich die merlette, welche bekanntlich ihrerWaffen beraubt ist! Im Druck von 1683 ist der Namedes uns bereits bekannten Gewährsmannes inChanas-a «U" verdorben.

Mahler nehmet Gold, und macht einem jeden eine König-liche güldene Krone auff den Helm, und niemand sagetihm, Mahler, was mahlest du?

[Als No. 10 folgt hier die Anekdote von KönigLadislans von Böhmen betr. den zweigeschwänztenLöwen).

11) Zu Zeiten Kaiser Carls dess Grossen hat manHerolden genennet, welche zehen Jahr in dem Krieggedienet, und das viertzigste Jahr überschritten hatten.Diese waren zu Buhe gesetzt, in wichtigen Geschafftenzu Bath gezogen, mit grossen Freiheiten begabt, allerBeschwernuss und bürgerlichen Auflagen enthoben, wersie beleidigte, der bliebe nicht ungestrafft. Zu ZeitKaiser Friedrichs ist die Heroldskunst in ihren höchstenWürden gewesen, und lieget solche adeliche Wissen-schafft heut zu Tage fast unter der Banck.

12. Jirasmus sagt in seinen Gesprächen, dass dieWirthe nicht ohne sondere Deutung der Löwen, Bären,Füchse, Wölffe und dergleichen gefressig Baubthiere,in ihre Zeichen mahlen liessen; massen sie mit ihrenGästen nicht änderst verfahren, als solche Thier mitden sehwächern, und soll sich ein jeder vorsehen, dasser ja lieber bey der Gans, der Weintranben, oder Lammeinkehre, als bey solchen wilden Unthieren, die nichtfreundlich sind als andern Schaden zu thun.

Georg Philipp Harsdörffer erhielt 1054 durch eineVerlagsnnternehmung des Buchhändlers Paulus Fürstin Nürnberg Gelegenheit, sein heraldisches Wissen kurzund systematisch zusammenzufassen. Paulus Fürst hattesich nämlich entschlossen, das Siebmachersche Wappen-buch neu heraus zu geben. Im J. 1655 erschien der 1.und 2., im J. 1656 der 3., im J. 1657 der 4. Theil( die späteren Theile enthalten nichts von Hars-dörffer). Jeder der genannten Bände ist mit einerheraldischen Einleitung aus der Feder unseres Hars-dörffer versehen, wovon ich nachstehend eine Inhalts-Uebersicht gehe.

Erster Theil 1655.

4. Was hat der Mensch liebers in dieser Weite, alssein Leben, mit welchem alle seine Hoffnung auffhöretund zu Grabe gehet: damit er nun solches für seinVatterland in Gefahr setzen möchte, ziehet ihm dieEhrbegier gleichsam die Waffen an, und verspricht, dasssein Name auch nach seiuem Tod leben, und auff seinemGrabstein unvergesslich beharren solle: Ja welches mehrist, seine Kinder und Nachkommen, denen man mitnatürlichster und brünstigster Meynung beygethan ist,sollen solcher Ehre theilhafftig werden, und mit seinemNamen auch seinen Schild und Helm führen, sichdarbey seiner Adelichen Tugend und derselben Würdi-gung zu erinnern, und so loebliche Fussstapfen eiferigstzu ergreiffen.

5. Dieses ist die Ursache der von unerdenklichenJahren hero gebrauchten Wappen, von welchen diesesBuch eine grosse Anzahl gesamlet, und soll in der Vor-rede folgenden ersten Theils gehandelt werden:

I. Von den Namen der Wappen und derselben An-gehör.

IL Von der Wappen Ursprung.

III. Wer die Wappen gebe.

IV. Von den Mitteln, die Wappen zu erwerben.

V. Von dieses Buches Inhalt und Vermehrung.Zweiter Theil. Mit einer Vorrede von den

Bitterlichen Thurnieren und der Adelichen Heroldskunstvermehrt, Gedruckt zu Nürnberg. ... Im Jahr 1655.

I. Von dem Thurnieren §. 4-31.

IL Von der Heroldskunst. 32. Von den He-rolds-Farben. 33. Wie sie zu unterscheiden. 34. VonGold oder Gelb. 35. Von Silber oder Weiss. 36. Wiesie zu ordnen. 37. Von Roht. 38. Von Blau. 39. VonSchwartz. 40. Von Grün. 41. Von Viol- oder Purpur-