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Geschichte der Heraldik. IV. 2.
ren Schwein, Hirschen, Hunde, Fuchsen, Wölffe unddergleichen von der Begehenheit einer Jagt, erhaltenhaben. Die Soldaten aber haben meistentheils etwasvon Waffen, mit welchen sie umzugehen pflegen, aus-gebetten.
23. D. Von etlichen werden die Vögel höher ge-halten, als die Thiere, so auf Erden leben, weil siedem Himmer näher, und trefflicher Natur sind, als derAdler, welcher einen scharffen Verstand bedeutet; derSperber einen guten Schützen,, die Gänse einen sorg-fältigen Wächter; die Nachteul einen sinnreichen Mann,der Brach einen Rahtgeber.
24. V. Die Fische in dem Wapen bemercken mehr-mals das Ort, oder die Statt, in welcher sie gefangenwerden. Die Schlangen sind ein Bildniäs der Klugheit.Wer wolte aber alles erzehlen ? den Poeten stehet frey,seine Auslegung darüber zu machen, wie er woL
15. J. Ich habe sagen hören, dass die Wapen beyden Turnieren daher hommen, dass man den gewaffne-ten Ritter durch den Schild erkennen können, weil eraus dem Angesicht nicht erkäntlich seyn mögen.
26. R. Die Vrsach ist nicht zu verwerffen. und hatder siegende Ritter mehrmals eine Krone oder Krantzzu seinem Helm erlangt.
27. A. Ist aber ein Unterscheid unter den Kronen V
28. D. Freylich, und verfahren die Mahler, in die-sen wie vielen andern dergleichen Sachen unbedachtsam,und unverantwortlich: indem sie einem jeden eine Kroneauf den Helm mahlen, die mehrmals keinem Grafen oderFreyherrn gebühren.
29. C. Wie ist dann solcher Kronen Vnterscheid zu,beobachten ?
30. V. Die Frantzosen und Italiäner, welche vonder Heroldskunst geschrieben, setzen also, dass ein jederStand an der Krön, so dem Wapen beygesetzt, zu er-kennen. Solcher sind sechserley:
I. Die Kaiserskron ist oben geschlossen mit einem
Reichsapfel und dem CreutzII. Die Königskron ') hat überschlagne Kleeblätter,mit Edelgesteinen versetzt. Wann aber die KönigeParlement und keine Erbkönigreiche besitzen,haben sie vor Alters die Krone mit den vier Bö-gen geführt
III. Der Hertzogen und Fürsten Krone hat auf denSpitzen grosse Perle. 2 )
IV. Die Marggrafenkron hat ein gantzes, und zweyhalbe Kleeblätter, mit drei Perlen [auf Zacken]versetzet
V. Die Grafenkron hat eine Perle an dem andernum und um (nämlich direct auf dem Reif, ohneZacken)VI. Die Freyherrnkron ist nur ein Cirkel, mit Rautenund ablangen Steinen.Denen von Adel geziemet keine Krone, auf demHelm, es sey dann aus sonderer Begnadigung, wegeneiner loeblichen That. Wie aber unsre Zeit mit der«lten Tugend und Einfalt niemals zufrieden ist, alsokan man keinem genug Titel, und Ehrenzier zumessen,weil sich niemand, mit seinem Stand vergnüget
31. J. Es ist wie mit den Müntzen beschaffen: dieWapen- und Titelschrift nimmet zu, aber die wesent-liche Gut, an Schrot und Korn nimmet ab, und ist mitdem alten Geld nicht zu vergleichen.
32. R. Man sagt, dass die schönsten Wapen dieschlechsten sind: weil die neugegebenen von den AltenArt gantz unterschieden, und leichtlich zu erkennen.
1) Die Laubkrone.
2) Die Zackenkrone mit Perlen.
Die Abtheilung des Schilds vergleichen die Herold mitdem Angesicht, wie wir andersmals gesagt.
33. A. Weil wir von dieser adelichen Wissenschaftder Wapen zu reden kommen, so möchte ich hören, wieman den Adel bilden könte.
34. D. Man mahlet eine ansehnliche Matone stehend,mit einem langen Römischen Rokk, in der Rechten tra-gend eine silberne und güldne Krön: in der Linkendas Bildniss Minervae, auf dem Haubt tragend einenStern. Den langen Rock hat zu Rom kein unedlerankleiden dörffen. Die zwo Kronen und das Bild Mi-nerva bedeuten, dass man durch Kunst und Tapferkeitzu adelichen Ehren kommen kann, oder auch es kön-nen, durch die Kronen die Güter des Verstands unddie Güter des Leibs bedeutet seyn, welche beede vonGOTT, durch den Stern, bemerket, gegeben werden.
[Die Gesetze der Heroldskunst.]Her groffeSdjou-pioö £uft« unb £ebrreid?ef(Scfcbicbte, bas erfte fjunbert: mit Dielen merdtoürbig« nfejcrjlungeu, Flügen Sprüchen, fdjarffftnnigen Ejof>Heb«iineuen fabeln, uerborgenen Hätbjeln, artigen Scherzfragen«unb barauff roolgefügten 21ntu>orten etc. au§ge3tcret vtv>eröffnet, burd; ein IHitgtieb ber Ejodjlobltcbcn $ ruebtbringe«'bett (Sefellfdjafft. <§um fiebetiben mal gebnicPt, corrigrrtunb mit (fletfj überfein, ^randfurt unb fjamburg. 3"Verlegung (Sottfricb £iebe3eits, Sudj^atibl. in Stocffjalmunb Hamburg. 3m 3abjr 1683. (8<>).
CXXII.Die Herolds-Kunst.
Von dem Ursprung der Wappen ist unter den Ge-lehrten ein Streit. Etliche wollen sie von den Olym'pischen Schauspielen herholen, sagend, dass die Kämpfl* erin denselben gewisse Farben, welche sie den Götternzugeeignet, erwehlet, als das Rote dem KriegsgottMars, das Schwartze dem Saturno, Feuerfarb dem Jovietc. und darvon sey nach und nach hergekommen, dassauch ihre Erben solche Farben in ihren Schilden undWappen (oder Waffen) geführet. Andere wollen, dasssolches von den Thurnieren die Personen zu unterschei-den, den Ursprung genommen; weil nemlich die Ritterin den Helmen nicht erkentlich und ihr Angesicht ver-hüllet ist, haben sie durch äusserliche Zeichen sich müs-sen zu erkennen geben.
2. Beyde Meynung können neben einander stehen,und ist mit Verlauff der Zeit darzu gekommen, dassman die löbliche Thaten, oder derselben Merckmahle mdie Schilde bezeichnet, und also ein Ehrengedächtnis?darauss gemachet, weil man denen, die ihr Leben auff-setzen, nichts dafür geben oder sie darzu anfrischenkan, als vermittelst des verewigten Nachruhms. Dahersehen wir in den Wappen Schwerdter, Fahnen, Thürne,welche die ersten Geschlecht überstiegen, eiserne Hand-schuh mit Kronen und dergleichen. Oder es sind dieSchilde mit Löwen, Adlern, Pferden, Hunden. Füchsen,Wolffen, Bären angefüllet, dass sie entweder solcherThier Tapfferkeit nachahmen, oder derselben eines auflder Jagt bestritten und überwunden, wie wir hiervonin Gesprächspielen umständig von der Herolds-Kunstgehandelt, dahin wir uns beziehen.
3. Die Freyheit Wappen zu geben, ist anfänglichDey Kaysern, Fürsten und Herrn bestanden, welchekeinen Oberherrn gehabt. Nachmals ist solche auff dieHerolden (also genennet, weil sie in dem Heer alt wor-den) gekommmen, welche eine Kunstverfassung daraussgemacht, selbe gar nicht schriftlich, sondern mündlichgelehret und gelernet. Weil wir aber dieses Ortsersetzen, was in unsern Gesprächspielen er-mangelt, wollen wir die Lehrsätze der Heroldkunst