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Geschichte der Heraldik. IV. 2.
Stuck der Deutkunst, nemlich mit der Hand das Zei-chen des H. Kreutzes inachen, welches bedeutet, dasswir Christen seyn, und uns erinneren dessen, der füruns am Kreutze gelitten hat; Gestalt bei den Alt-vätteren zu lesen, dass sie durch solches Zeichen diebösen Gedanken vergessen, mit demselben alles Thunangefangen, und durch solches eusserliche Mahl, deninnerlichen Hertzensglauben erweisend, vielmals Krankegesund gemacht haben, deutende dahin den SpruchEsaiae : der HEBE wird unter den Volkeren ein Zeichenerhöhen. Zu merken ist, dass die Römer bey ihrenKriegsheeren unterschiedliche Thiere auf langen Stangenden Soldaten vortragen lassen; theils den Feinden Furchtund Schrecken einzujagen, theils die Soldaten zurTapferkeit aufzumuntern: jenes zu verursachen, habensie der überwundenen Feinde Häubter und Hände be-sagter massen aufgestecket; dieses auszuwirken, habensie ihrer Götter, ihrer verstorbenen Kaiser und Hert-zogen oder Feldherren Bildnissen vortragen lassen. Alsaber nachmal Kaiser Constantin die Christliche Religionangenommen, hat er dieses alles abgeschaffet, und ansolcher Bilder stat das Kreuz zu gebrauchen verordnet,daher auch noch die Kreutzfahnen in den Kirchen ver-blieben.
6. V. Damit wir aber wieder zu den Kreutzen inden Wapen gelangen, ist unter den gebräuchlichsten:
Das Lilienkreutz (c. florencee).
Das Wiederkreutz (recoizee).
Das Krückenkreutz (potencee)
Das ausgerunde flache Kreutz (pattee).
Das Mackelkreutz') (de maclesK
Das abgekürtzte Kreutz (componee).
Die vier Kreutzatäbe (frettee).
Das schwebende Kreutz (alizee).
Das Pallenkreutz (de besam).
Das Hermelinkreutz (d' hermines)
Das Rautenkreutz (lozangee).
Das Eisenhütleinkreutz (vairee).
Das Wellenkreutz (ondee).
Das Nagelspitzkr eu tz (fichee).
Das geschuppte Creutz (greslce).
Das Schachkreutz (echiquie).
Das Kugelstabkreutz (bourdonnee).
Das gestümmelte Aestkreutz (arboree).
Das Ankerkreutz (ancree).
Das Doppelkreutz (Chargee) 2 ).8. D. Dieses alles last sich noch wol aussagen, esfinden sich aber etliche Wapen, welche sich fast mitnichts wollen vergleichen lassen, und selbe sind amallerschwersten zu visiren. Die Einfassungen, Vm-schweife, oder wie es etliche nennen, der Rand (la bor-dure) wird bisweilen besetzet (chargi) mit Löwen,Adleren, Kleeblätlein, Hermelinen, Lilien, Röslein, Stein-lein, Tropfen, Pfeilerlein: welche Zierad zu Zeitendrang», zu Zeiten schwebend geführet wird, (dasist, dass solche den Rand berühret oder nicht berühret)massen dann auch in den Wapen noch viel anderewunderliche Sachen anzutreffen, deren anders Orts zugedenken, damit die Feinde und Schänderuns ere r Sprach o ersehen mögen, dass solchevollkommen, und alles und jedes in allenKünstenundWissenschaften wol vernemlichAuszureden vermag.
Spiel CLXXX. Der §elm.Vespasian.Recht schicket sich hierher, dass jener Spanier in
seinen Sinnbilderen mahlet einen Helm mit einem Igeltan stat dess Federbusches, weil die Natur dieses sonstfromme Thier gewapnet, dass es sich selbst vertheidigen,und seine Feinde verletzen kan; zu verstehen gebend,dass der Waffen schönste Zierde bestehe in selberrechtmässigem Gebrauche.
2. D. Der Helm (hinc Heaulme, ital. Elmo et hispan.yelmo) oder Hellem sol von den Helme, weil er dasHaupt verhält und bedecket, seinen Namen haben.
3. R. In den Wapen werden entweder offeneoder zugethane und verschlossene Helme geführet;jenes deutet, dass der Feldherr, mit seinen Oberstenund Befehlhabern, stetwachsame Aufsicht auf den Feindhaben sol, als welchen deswegen die Helme beiderseitsund uuterwerts geöffnet sind, dass sie umsehen und be-fehlen können: den anderen aber liget ob, diesenFühreren und Hertzogen mit fast b.l indem Gehor-sam zu folgen, dann selbe durch kleine runde Löch-lein des Helms für sich nicht mehr mehr sehen können,als sie vonnöthen haben.
4. V. Dieses solten sonderlich die Mahler in Achtnemen, welchen es gleich viel ist, einem jeden Wapeneinen offenen Helm beyzusetzen, ja selben von Gold,mit Kleinodien, güldenen Kronen, und vielen reifen aus-zieren, deren Deutung, noch der es mahlet, noch der esmahlen last, verstehet. Kaiser und Könige führenallein güldene Helm, und das Visier mit eilf Reifen.Chur - Fürsten und Hertzogen, welche unmittelbarregieren, silberne mit neun Reifen; die anderenHertzogen, Marggrafen Grafen und Freyen solleneiserne polirte Helm führen mit sieben Reifen; dieEdlen aber sollen sich der eiser en Helm mit sechsReifen bedienen (Hoepping) 3)
5. R. Es wird auch dieser Vnterschied beobachtet,dass der erste des Geschlechts, welcher den Adelichenoder offenen Helm erlangt, selben der Seiten, oder demDurchschrfied nach (en profil) mahlen last f.
f Moreau des armoiries de France p. 178.
6. D. Wie nun der Schild durch ein gewieses Ge-mähld von anderen gesondert ist, also wird auch des-selben Helm bedecket mit Löwen-, Wolf- und Beeren-häuten, (in denen sie auch geschlaffen, und daher an-noch die faulen Beerenhäuter ihren Namen haben) dar-durch den Feinden Schrecken und Furcht einzujagen.Nachdem aber nachmals die Helm aufkommen, habensie zum theil solcher Thiere Häubter gebildet, behalten.Die gebräuchliche Zierd der Feder, an welchen manvon ferne zu erkennen gewesen, ermangelt auch nichtseiner Deutung, weil der Sieg eilend, und gleichsamfliegend, sol erhalten werden, wie Alexander der Grossefast die Welt durch beharrliche Emsigkeit überwundenhat. Der Helm bedeutet sicheren Schutz und Stärke,und daher kan verstanden werden, was Esaias von demMessias sagt, er werde aufsetzen den Helm des Heils.
6. V. Wie nun die alten Teutschen ihre Waffenund Wapen, in dem Schild, Helm und desselben Zierdbestehende, sehr geliebet, und ausser dem Gebrauchebedecket haben; ist daher entstanden die noch heut zuTag bewuste Gewonheit, eine Helmdeck (und zwar,der Zierd wegen, von gleichen Farben mit den Wapen)beyzumahlen: ist auch glaublich, dass die Scbildlöhreoder Riemen, samt den Helmbrünlöhre, auch Zindel-binden, Vrsachen sind, dass erstbesagte Decke von denanverständigen Mahleren , ausgefräntzt, zerschnitten,und Bandweis verschlungen, gestaltet worden. Mit denKleinodien auf dem Helm hat es auch diese Meinung,
1) aus durchgeschlagenen Rauten gebildet.
2) Hierzu gehören 2 Tafeln mit den entsprechendenAbbildungen.
3) Höpingk (S. 662) citirt zwei französische Schrift-steller, die jeneg Ranghelm-System aufstellen, er be-tont aber, dass man bei uns nur den offenen und de*geschlossenen Helm kenne.