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Geschichte der Heraldik. IV. 2.
(Am Schluss des XII. Spiels).
8. J. Müssen aber auch die Farben bey den Sinn-bildern in Acht genommen werden?
9. V. Davon ist unter den Künstleren noch eineschöne Frage und stehe ich in den Gedanken, dass esbesser, dass das Sinnbild der Farben nicht von-nöthen......
10. R. Ich halte dafür, man könne die Farben ins-gemein bey den Sinnbildern wol erdulten: weil sowol inWachs als Holtz selbe zu sonderlicher Zierde gelangen,und auch in Kupfferstich von den Meistern inWelschland, sonderlich bey den Wappen, inAcht genommen werden.
11. ü. Wie dann?
(XIII. Spieli.Reymund.
Nächstfolgender Gestalt: das getipfelte bedeutetGold und gelbs, das weisse Silber und weiss, die geradenLinien roht. die Zwerchlinien blau, die Rechts nach derquer grün, die Links nach der quer violbraun (ist aberselten in den alten Wappen zu finden) 'und dann dieKreutzlinien schwartz bedeuten.
(Am Rand steht: „Farben Schild 5«~ CXXIX. 8")[Vergl. S. 594.]
2. V. Dess Herrn Meinung gefället mir wol, underscheinet daraus, dass er von den Farben und derMahlerey eine bewährte Wissenschaft habe: Bitte des-wegen im Namen anwesender Gesellschaft, er wolle unsvon denselben einen mehreren Bericht ertheilen, weilsonderlich zu vielen Spielen deren Erkundigung vou-nöhten.
3. R. Dem Herrn, sowol als der Ehrlüblichen Ge-sellschaft zu gehorsamen, erkenne ich mich schuldigund erbietig: Gestalt dann selbe alle nicht zu bitten,sondern mir vielmehr zu gebieten haben.
4. A. Des Herrn wolgefärbte Höfligkeit ist unssonsten genugsam bekant und darf er solche dieses Ortsferners nicht erweisen, sondern vielmehr von den Far-ben versprochener massen sich hören lassen.
5. R. Ich weiss zwar meinen Reden kein Färblein,gleichwie die Jungfrau anzustreichen, will aber dochgethaner Zusage, nach meiner Geringfügigkeit, Folgeleisten. Anfänglich übergehe ich wissentlicher, wegengeliebter Kürtz die Streitfragen welche von den Farbenbey den Vernunftlehrern erregt werden: Als, ob selbeallein in der eussersten Fläche enthalten, bestehen ? Obsie von dem Liecht allein herrühren? Ob sie von denwesentlichen Eigenschaften seyen oder nicht? Welchesalles von subtilen müssigen Geistern zusammengewircket,aber gleich den Spinnenweben mit ihrer zarten löcher-ichten Reinigkeit niemand nutzen kan. Das ist gewiss,dass die vornemsten derselben seyn welche Heroldsfar-ben genennet, weil sie allein in den Wappen Visir-ungen gebräuchlich, und werden derselben gezehlet,zwey Metall, benebens noch sieben andern, von welchenmit me hrer n zu gedencken.
[ä^F" CXXIX., 11. — Balthasar Schmid, auxblasons d'armes. Lemnius de gemmis i. 2. c. 9].
Das erste und vortrefflichste Metall ist Gold, dieFärb gelb, der Planet die ©, das Edelgestein, welchesdarzu verglichen, der Topas; bedeutet Herrlichkeit,Ansehen und Reichthum: desswegen dann vor Altersniemand Gold zu tragen verlaubet, als die, so vonAdelichem Geblüt herstammende, angeborue Tugenden■durch Ritterliche Thaten bezeuget hatten. Wie auchaus der H. Schrift zu Besteiffung dieser Bedeutung,viel von der Sonnen und Gold angeführet werden könnte,wenn es vnserem Vorhaben gemäss.
6 j- V ' Von dem To P as schreiben die Naturkundiger,dass die Tugend desselben mit dem Mondschein ab- undzunehme, habe auch unter andern diese Kraft, dassman mit demselben in siedendes Wasser, ohne Verletzung
der Hände, greiffen könne, und dass -er Aberwitzige vndMonsüchtige Leute in etwas wider Zurecht zu bringenvermöge.
7. J. Das Gold machet auch die Schwachsinnigenand Blöden, für die Allervolkommensten, erheben, lobenynd preisen: Es stärket das Hertz, erqwicket die Matten,tröstet die Kleinmutigen, erlöset die Gefangenen, undist ein kräftige Artzney in allem Vnfall. Doch bestehetsolche grosse Kraft nicht in Verwahrung, sondern inrechtmässigem Gebrauch desselben, sonsten were der,so für desPabsts Schatzkammer Schildwacht stehet,vor den glückseligsten in dieser Welt zu halten.
8. A. die Vrsach, warum das Gold so hoch ge-achtet, ist vielleicht diese, dass solches nicht gleichandern Metallen von dem Rost und Schimmel verzehret,sondern durch das Feuer, welches alles anders über-wältiget, an seiner Gütigkeit zunimmet, und von allemVereinen geläutert werden kann.
9. C. der Wahn ist hierinnen stärcker, als die Vr-sach dann man im Nohtfall, auch aus Leder und PapyrGeld zu müntzen pfleget.
10. R. Das ander Metall, so in den Wapenviesier-ungen gebräuchlich, ist das Silber, der Planet 3, dieFärb Weiss, das Edelgestein die Perlen: bedeutetKeuschheit, Vnschuld und Freude.
11. V. Desswegen auch bey den Römern die Siegs-fürstin mit weissen Pferden zu Rom einzuziehen ge-wohnet, und die glückseligen Tage mit weissen, dieunglückseeligen aber mit schwartzen Steinlein be-mercket worden.
12. D. Ich hab oft gedacht, warum man doch inTeutscher Sprache sage : D e r Mond und d i e Sonne, dasolches bey allen andern Zungen umgewendet und derSonne und die Mond befindlich ist.
13. J. Vielleicht darum, weil man sagt, die Weiberbeherrschen bey uns die Männer, und singen, wie manim Sprichwort pflegt zu reden, insgemein das Meister-lied.
14. C. Rechtswegen sol das Verständige dem Un-verständigen zu Befehl stehen: ist nun das Weibe ver-ständiger als der Mann, so hat sie die Herrschaft durchList, oder sein selbst Einwilligen, wie dergleichenExempel nicht selten sind, ist aber der Mann verstän-diger als das Weib, wird er derselben Schwachheit mitLindigkeit und Bescheidenheit zu beherrschen wissen.
15. A. Das erste Weib ist nicht von des MannesHaubt noch Füssen, sondern aus seiner Seiten gemachtworden; anzudeuten, dass selbe seine Gesellschafterinseyn sol. Ein Tugendsame Fraue wird gewisslich der-gleichen Herrschaft nicht begeren, sondern vielmehrnach ihres verständigen Manns Neigungen sich in allenbeqwemen, und wie Perlein alle Zier und Schönheitvon der Sonnen empfähet: Also auch allen Ruhm undEhr von schuldigem Gehorsam, desselben Antungen undBefehlsblicken (wann also zu reden verlaubt) erwarten.
16) D. Die unvolkommenen und nngestalten Perlen,wann sie einer Hennen beygebracht. können von selbernatürlicher Hitze widerum erweichet und zu ihremGlantz, Rundung und Schwere gelangen. Aber derHerr wolle nun sein Gespräch von den Farben, ohneferneren Ausschweif fortzusetzen, ihm gefallen lassen.
17. R. Was die Jungfrau von dem Perlen erzehlt,haben die Alchymisten oder gern Goldmacher, auch mitGoldblätlein, wiewohl ohne Frucht, zu Wercke ge-richtet. Aber widerum zu-meinem Fürhaben zuglangen,folget den besagten Metallen, roht, dessen Planet istö", das Edelgestein der Rubin: bedeutet Künheit,Stärck, Grausamkeit, auch bisweilen Blutvergiessenund Verfolgung, wie dann alle Farben gut und bössausgedeutet werden können.
[Albrecht Handwerkszunft f. 102].
Die zweyte Farbe ist b 1 a u, der Planet 21, das