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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. IV. 2.

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17. V. Gleichwie man zu Erbauung eines Hausesvielerley bedarf, also hat man auch in einem RegimentViel und allerley Leute vonnöhten, welche zu unter-scheiden, und nach ihrer Beschaffenheit anzuwendenein jeder Fürst wissen solU). Alle Wapen zu erzehlenist nicht wol thunlich, etlicher dieses Orts zu gedenken,so finden sich in denselben Balken (Bande ou baston)oder Steeb, welche auch etliche Zwergstäbe nennen,an statt derselben führen auch etliche gewekte oderßantendurchschnied. Etliche wollen, dass die so inVnehe gebohren werden durch das Erbwapen einenschwartzen linken Balken führen sollen: die aber vonFürsten erzeugt werden, mögen einen Balken vonMetall führen 2).

18) A. Man kan die alten Wapen leichtlich vondem Neuen erkennen: jene sind schlecht und einfältig;diese prächtig und aufgezieret.

19) R In den ältesten Wapen find man das Band(fasce), welches auf viel Art verändert werden kan;als: ein weises Band, durch einen schwartzen Schild,oder ein grünes Band in einem silbern Schild , es istauch vielmal das Band auf zwo Reyen, roht und weissoesteindelt: etliche nennen es ein Schachband (la bändeeschiquedee).

Ist es aber auf folgende Weise, so heisst es keinBand, sondern ein grüner Schild mit einem silbernHaubt, oder Kopf. Und solchergestalt heist es einWauer Schild, mit einem aussgespitztem (du Chef Denchi«u dantele) güldenem Haubt.

20. C. Man findet auch vielmals mehrbekante Dingein den Wapen, als: Kronen, Berge, Schiff, Steine, Maur-sinnen, Turn, Wage, Buchstaben, etc.

21. D. Solche Sachen kan ein jeder leichtlich zuverstehen geben, und ist darbey zu beobachten, dass^ie die edelsten Thier, als der Low, der Adler, dasPferd, etc. den hohen Stand dessen, der sie führet, an-z eigen; also haben auch andere Dinge ihre Schätzungnach befindlicher Würde und Gestalt*).

*) Ul. Aldvovandus in Aquila.^ 22. J. Kan man aber auf solche Weise von denWapen reden, dass man selbe ohne Beyfügung dess Ge-ralds verstehen kan?

23. V. Der, welcher der Kunst erfahren ist, wirdseines gleichen wol verstehen, von andern ist nichts zugedenken. Dann wann ich sage, der Schild ist ge-spalten (cöupe) Schwartz und Gold, oder Silber undftoht, etc. so weiss der Herolt leicht, dass der SchildIn zwey gleiche Theil von oben ab gesondert und dieerstbenante Farbe zur rechten Seiten befindlich. Istaber der Schild getheilet (party) Silber und Grün,Gold und Blau, etc. so versteht er wieder, dass dieLini gleich durchgehe, und die erstbenante Farbe zudem obern Felde gehöre. Gleichermassen ist der SchildRechts durchschniden (tranchc) oder linksdurch-Sohniden, (taille) so wird die zuerstbenante Farbe zuden obern, die folgende zu den untern Feld verstanden,*ie bey den Frantzosen*) diese Kunst fast zur Vol-kommenheit gelanget.

*) Sommai. Armorial. Varennes. Colombiere.

24. R. Vnd dieses sind die einzeligen Visirungen,Welche vielmal zusammengesetzt werden, dass ein Schildls t getheilet und gespalten, oder mit einem Wort zuSagen ge viert (compose du party et du coupe) wel-ches man auf Unteutsch quatriert nennet: Oder es ist*in gespalten, und zweygetheilter oder dreygetheilterSchild, oder getheilt und dreygespaltner Schild, etc.\Paux, contre-paux ou eontre-palU).

1) Süoh en son Ministre d'Etat 1. 2. c. 4.

2) Guüliaume Sckmid aux blasons M. S.

Ist die Abtheilung richtig, so sind die Farben leicht-lich zu benennen, denn die erste allezeit zu den obernTheil, oder der rechten Spitzen zu verstehen, als eingevierdter Schild, schwartz und Silber, oder Silber undschwartz, oder feldirt, das ist ein Feld umb das andermit den erwähnten Farben belegt. Wann der Schildkeine Theilung hat, so behält er seinen Namen, undheist nicht Feld, in der Heroltssprache.

25. D. Wie nun Schild und Helm wegen wolge-leister Dienstbeweisung sonderlicher Mannheit und Ade-lichen Thaten ertheilet; als find man im Gegenspiel,dass auch die begangene Schande dadurch erkennetwerden, als einen Ruhmredigen durchschneid man dzrechte Spitzlein am Schild (la pointe dextre partie) diemit einer Rundung abgenommene Schildspitzen (le baspoint erondy) bemerk, den, welcher seinen Gefangenenim Krieg erwürgt. Eine link aussgerunde Spitzen aufdem Mittelpunct (la göre) bedeut Zagheit und Furcht.Eine Vierung mitten im Schild (la delf), gibt zu ver-stehen, dass der solche führt, sein Wort wieder zu rükzu nehmen pflege. Ferners ist die untere Schildspitzendurchschniden (la bas point coupe) so bedeut es einen,der seinen Fürsten mit der Vnwarheit berichtet. Istdann ein kleiner umgewandter Schild, dem Grössern einvisiert (in escusson renversc) , so bemerkt es einenFlüchtigen. Der aussgerunde gerade Triangul (un bastriangle erondy) gibt die Trag- und Faulheit zu ver-stehen, dessen, dem es zugetheilet. Ist aber der gantzeSchild umgewandt, so bemerkt er einen Verrähter.Dergleichen Schandmahl hat man führen müssen, bissman derselben-durch eine rühmliche That wieder ent-kommen können*). Wann sich aber einer an Kaiserl.Majest. Hoheit vergriffen, oder sonsten das Leben ver-wirkt hat, so verleurt er mit seinem ehrlichen Namenauch sein Wapen, und wann solche That nach seinemTode eröffnet wird, so pflegt man auch wol Schild undHelm, welches jhm zu sonderlichen Ehrengedächtniss inder Kirchen aufgehenget worden, wieder abzuwerffenund abzuthun.

*) Th. Höping c. 13 §. 11 c. 16 n. 84.

26. V. Es gibt auch sonsten viel wunderlicherSachen in den Schilden, welcher rechte Name ins gemeinunbekannt ist, als ein Winkel, ein Dreyek, Bogen,Wellen, Spitzen, Flammen, Makel, etc. Derrunde Zwergstab, (baston pery en bände) unter-schied die Befreunde in einem Geschlecht, die Bank(Lambel) über dem Erbwapen (wie es Spangenberg imAdelspiegel nennet) führet der eheste Bruder mit zweyenGestellen (pendants) so lang der Anberr im Lebenist. Jedoch wird dieser Gebrauch bey uns Teutschennicht beobachtet, wie bey den Frantzosen und Enge-ländern. Die weisen Rundungen heist man Pallen,die güldene Pillen, die schwartzen Kugel. Dieseund dergleichen Sachen werden steif, schlim, quer,zwey- und dreyreihig, übergittert, und auf mancherleyWeise besetzt. Er were auch noch viel zu sagen vonden Helmen, Helmdeken, Kleinoden, Wülsten, Kronen,Hörnern, Hüten, Küsslein, Büchsen und anderem Wapen-schmuk, etc. Aber die Aussfübrung dieser Sachen kanin kein Gesprächspiel vollständig eingeschränkt wer Tden. Dann obwol die Scribenten, welche von den Wapenhandeln, nicht alle gleiche Wort brauchen, und auchjetzt erzehltes in alten Wapenbriefen vieleicht änderstzu befinden: So möchte man sich doch hierinnen leicht-lich vergleichen, wann diese Adeliche Wissenschaftgrosse Herren angelegen were.

^rauen3tmmer (Sefpräcfesfptele fo bey 02br> unb üu>genbltebeuben ©efetlfdjaftcn mit rtu^hdjer OZrgetjIicbfcit,beliebet unb geübet werben mögen I. Cbril 21us Jtaliäni-fdjen, ^rantjöftfdfen unb Spanifcben Scribenten artge«miefen.....Ztürnberg 1644 quer 12.