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Geschichte der Heraldik. IV. 2.
Vespasian.
Weil wir sonderlich dieses Orts, auf Erhärtung derTeutschen Sprache sehen, wollen wir uns hemühen, einesolche 8ache herfürzubringen, welcher unsers wissens,in keinem Teutschen Buch absonderlich zu finden ist.Nemlich, von der Heroltskunst.
2. Julia: Diese Sache aber ist uns gantz unbekant,wir können nichts darzusagen.
3. Vespasian: Aber wol fragen: weil die Weibs-personen gleich so wol, als die Mannsperson Wapenund Kleinod führen, *) und die Müntzen, darauf derHerren und Oberern Wapen gebregt, offter mehr alsdie Männer lieben.
*) Caspar Lerch, vom Teutschen Adel f. 67.
4. Angelica: Was wir nicht wissen, das wollen wirlernen. Der Herr berichte uns dann, was Wapen undPetschaften seyn ?
5. V. Wapen komt her von Waffen, weil die altenHelden an Bemerkung jhrer Waffen kenntlich gewest. *)Pettschaft aber wird gesagt, gleichsam als Bettschadenoder Bettscheiden, weil beeder zusammengebetteter Ehe-leut Wapen darinnen gemahlet werden. Wie heut zuTag selbe die Geschlecht und die Namen der Anver-wandten unterscheiden.
*) Bene Francois aux f. 357.
6. R. Nachmals haben sie diese Bemerkung auf dieSchild gebracht. (daher auch unsere Sinnbilder ent-sprungen) dass Schild und Helm deß Adels Kennzeichensind, welche jhre Vorfahren mit Ruhm und Ehr imKrieg geführet, und dem annoch letzten eines Ge-schlechts Schild und Helm bey gelegt, zerbrochen, undmit ihm begraben werden. *)
*) P. M. Wehner in Buchst. H. am 286 Blat.
7. D. Wapen zu ertheilen ist der Herolt Amt,also genannt', weil sie im Heer alt worden, und ver-suchte Soldaten vor Alters gewesen, *) welche wegenwolgeleister zehenjähriger Dienst, nach dem sie dasviertzigste Jahr erlangt hatten, zu Ruhe gesetzet wor-den. Ehrenherold aber ist ein Kundiger■ und Nach-folger der Wapen gewest, welcher sich bey Fürsteuhö-fen aufgehalten, umb die Heroltskunst zu erlernen. InFrankreich kan keiner Heroltsdienst betretten, er habesich dann sieben Jahr an König- und Fürstenhöfen auf-gehalten. *j So grosse Ehre aber ist Schild und Helmführen, so grosse Schande ist hingegen, den Schild ver-liehren, daher das Wort Schelm, vom Schildnemenkommen soll, weil bey den Teutschen die gröste Schmach,den Schild im Streit verliehren. *)
1) C. Agrippa von Eitelkeit der Wissenschaft am81. cap.
2) Colombiere in der Vorrede.
3) Tacitus, von der Teutschen Sitten 6. 9.
8. V. Der Schild hält sich neun Punct, Stipfeloder Stelle, deren die drey obersten machen dess SchildsHaubt, zur Rechten A. zur Mitten B. zur Linken C.solchermassen, wie hier mit der Kreiten mahle. Folgtdie Ehrenstell D. die Mittelstell E. die Bandstell F.[le nombril) die rechte und linke Stelle GH. die Vnter-stell I. dess Schilds Spitzen. Die Form dess Schildssoll, nach etlicher Meinung, fast wie ein Hertz gemahltseyn, etliche wollen es auf vier Eke,') deren das un-terste gespitzet ist, gerichtet haben. Etliche gestaltenden Schild mit viel und wenig Schnorklen, und Rollennach dem Stand dessen, der ihn führet. Hierinnen istnoch der Zeit nichts verglichen, und bedient sich einjeder der Schildform, so wol als der Kunstwort in die-ser Sache, nach seinem Belieben. Die Frantzosen ge-brauchen zu der Weibspersonen Schild einen Rauten-form, welche die Jungfrauen blank, weiss, leer oderWartschild {d'attentes) wie sie von etlichen genant wer-
den, haben. Der Wittib Schild sind mit einer viermalverknüpften Schnur (cordeliere d'argent) umgeben, zu.unterscheiden, wie ich mit der Kreiten hier auf denTisch male. Es heisst [nämlich das Wappen] eini auss-geschuptes rohtes Creutz in einem silbern Schild. Undhat solches Anna Hertzogin von Bretagne, König Carlsdess VIII. in Frankreich Gemahlin nach tödlichem Hin-tritt jhres Herrn aufgebracht, dardnrch zu verstehengebend, dass sie demselben auch nach dem Tod ver-bunden sey. 2) Stimt das Wapen mit dem Namen über-ein, so kan man es zu Teutsch ein Nam wapen (-Ar-mes parlantes) 3 ) nennen.
1) &V §• 25 dieses Spiels.
2) Varennes f. 660.
3) Varen. fol. 488.
[Hier folgt der „Farbenschild" mit Angabe derSchraffirungen; vergl. voriges Capitel].
9. R. Von den Farben ist andermal') gesagt wor-den, wie sie in den Wapen dienen, und jhre Planetenhaben.
10. J. Wie schiken sich aber Planeten und Farbenzusammen ?
11. R. Es soll der Vrsprung von den OlympischenKampfspielen herkommen, in welchen die Streitendengewiese Farben, als zu Ehren der Sonnen das Gelbe;dem Mond, das Weise; dem Marti, das Rohte, umb jhreWafen gebunden. Durch welchen Gebraucli nachmalsein jeder Planet seine gewiese Farbe, in Visirung derWapen erhalten, deren man sich noch heunt zu Tagbedienet. *)
*) M. Varennes au Roy d'armes f. 599.
12. D. Der Schild ist mit bekanten oder unbekan-ten Dingen besetzt (ch'arge): beedes ist selten ohneVrsache, und sind in allen guten Wapen Färb und Me-talle zu finden. Man sihet in denselben Drachen, Grei-fen, Löwen, Beeren, Tiger, Wölfe, Ochsen, Hunde,Fuchsen, Adler, Storch, Fische, Schlangen, etc. Früchte,Bäumen, Blumen etc. darbey dann leichtlich zu erach-ten, dass die Wapen, welche der Natur oderKunst nicht ähnlich seyn, für falsch zu hal-ten, als drey grüne Elefanten in einem goldfarbenSchild, drey güldene Gänsköpf in einem rothen Schild,etc. *) und ist von denen Sachen, welche jederman kennet,leicht zu reden.
*) Erasmus in Colloquio de eminentia Nobilitatisf. 669.
13. V. In den Vnbekanten aber, gebraucht mansich der Gleichniss, wie ein Blinder seines Stabs. Wie-wol bey den Alten nichts ohne Vrsach gesetzet worden,ob wir gleich deroselben heunt zu Tag, durch Nach-lässigkeit in dieser Wissenschaft, keine zu sagen wissen.Zum Exempel, ich mahle zween solche Schilde.
Dieses ist ein grüner Pfal (Pal) in einem weisenund silbern Schild: Dieses ein weiser Sparr (chevron)in einen grünen Schild. Zu Zeiten Kaiser Carls dessGrossen ist jenes verständigen Rähten und Gesandten,auf welcher Klugheit, (gleich als auf den Pfälen dieGebäu,) das Regiment bestanden: Jenes ist wolverdien-ten Soldaten ertheilet worden, welche, gleichwie dieDachsparren oder der Forst ,für Vngewitter ein Haussschützet, Land und Leut schützen sollen.
14. C. Wo man eines Sache waare Vrsachen erler-net, so ist es leicht zu behalten.
15. R. Gleiche Deutung haben die in den Wapenbefindliche Hermelin uud Eisenhütlein.
16. J. Diese Auslegung muss mit jedes GeschlechtsHerkommen behauptet werden.
1) Im 13. Spiel des 1. Theils, welches wir alsStück 2 folgen lassen.