Geschichte der Heraldik. IV. 2.
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jedesmal mit Buchstaben, Puncten und Strichen undzwar das Gold oder Geel mit Gedüpfel, das Silber oderWeiss mit der Leere, das Roht oder Rubinfarb mitabwerts-geraden, das Blau oder Lasurfarb mit quär-Strichen, das Purpur (so zwar, in diesem Werk, alleindem Castilischen Wappen Löwen eignet) mit von derRechten linksgezogenen, das Grün mit von der Rechtenlinksgezogenen schräg-Strichen und das Schwarz mitCreutz-Strichen, anzudeuten."
-Das System des Petra Sancta (den er im Uebrigenhoch belobt) wurde von Aegidius Gelenius Chorherrnbei St. Andreas zu Cöln in verbesserter Form heraus-gegeben.
In seinem Werke de magnitudine Coloniae (1645)von dem wir weiter unten eingehender handeln, giebter folgendes Schema der Schraffirnngen:Gold: PuncteSilber: leer
Grün: Schräglinks-LinienRoth: QuerlinienBlau: Schrägrechts-LinienSchwarz: senkrechte Linien.Gelenius betont mit Recht, dass das Wappenwesennur 4 Farben kenne; die überflüssige Schraffirung fürPurpur hat er demzufolge fortgelassen. Obgleich nundas System des Gelenius in diesem Betrachte wirklichein verbessertes ist, so hat er doch auch nicht eineneinzigen Nachfolger gefunden.
Bemerkenswerth ist, dass noch Marquard Freherin seinen Orig. Pal. die 168ö erschienen sind, eine will-kürliche Schraffirung gebraucht: der pfälzische Löwe(leer) steht im quer schraffirten Felde, die bayerischenRauten sind mit rechtsschrägen Linien schraffirt.
Ein besonderes Schriftchen über die Erfindung derSchraffirung ist das folgende:
Jo. Davidis Koeleri P. P. 0. | Programma | deinventoribus | incisvrarvm | , gallice | les hachures |dietarum | qvibvs metalla et colores in tesseris gentili-tüs | absque pigmentis indicantvr | praemissvm | lectio-nibus heraldicis privatis | hoc semestri spatio aestivoR. C. D. a se habendis. Gottingae typis Joh. Frid.Hageri A. MDCCXXXVI (4°. 4 Blätter).
Kohler hat das Programm demnächst im .1. 1753seiner Ausgabe von Immanuel Weber's examen artisheraldieae als Anhang beidruckeu lassen.
In Bezug auf die praktische Anwendung des Systemshat v. Hefner darauf aufmerksam gemacht: „dass beiden Schraffirungen der Wappen immer der Grundsatzaufrecht erhalten werden müsse, dass nach der einmalangenommenen Bezeichnungsweise die Kichtung derStriche sich immer nach der Stellung des Schildes•zu fügen habe, z. B. Roth immer nach der Längenachse,Blau immer nach der Breitachse des Schildes undnicht wie sich diess i. B. bei Tyroff findet, nach derLängen- oder Breitenachse des Papiers, da manausserdem in den argen Widerspruch gerathen niüsste,dass, wenn der nämliche Schild einmal gerade und da-neben schräg gestellt erschiene die nämliche Schraffirungdas einemal Blau, das anderemal Grün bedeutenmüsste."
Dr. Joh. Friedr. v. Meyer sagt in seinen „Blätternfür höhere Wahrheit": Es giebt nur zwei Grundfarben,Blau und Roth; — — Blau ist die horizontale Linieoder das Leidende, Roth die perpendikulare oder dasWirkende; — — Es war eine sinnreiche Wahl derHeraldiker, dass sie Roth mit perpendikularen und Blaumit horizontalen Strichen anzudeuten verordneten, so-wie Purpur und Grün beide mit diagonalen in verschie-dener Richtung.' !)
Das Urtheil ist sehr schmeichelhaft, aber ich glaube,dass in diesem Falle Herr v. Meyer sinnreicher gewesenist, wie die Heraldiker!
In neuerer Zeit beginnt die Schraffirung auch aus-serhalb des Wappenwesens Verwendung zu finden. Ineinem zu Leipzig unter dem Titel „Abendglocken" er-scheinenden Blatte (1882. Nr. 1) werden die heraldischenSchraffirungen bei der Abbildung von Briefmarken zurAndeutung der Farben verwendet.
3. Capitel.Georg Philipp Harsdörfcr.
Der erste Autor, der sich mit des* ausländischenFachliteratur eingehend bekannt und den Versuch machte,den Gewinn seiner Studien für die vaterländische Wis-senschaft nutzbar zu machen, war der Nürnberger Pa-tricier Georg Philipp Harsdörfer, von dem wir bereitswiederholt gesprochen haben.
Harsdörfer ist am 1. Novbr. 1607 zu Nürnberg ge-boren und am 22. Sept. 1658 gestorben. In der Frucht-bringenden Gesellschaft führte er den Namen der Spie-lende. Er war Stifter und erster Präsident des nochheute bestehenden Pegnesischen Blumenordens. Seinezahlreichen Schriften, in denen er sich als abgesagterFreund aller Sprachmengerei bekundet, erfreuten sichin ganz Deutschland einer grossen Beliebtheit. 2 ) Einevon ihm besonders gepflegte Liebhaberei war die He-roldskunst : fast alle seine Werke enthalten Abhandlun-zur Wappenwissenschaft, die vereinigt ein vollkommenesLehrbuch ausmachen, und die vieles enthalten wasfür seine deutschen Zeitgenossen neu sein musste.
Ich halte mich um so mehr zu erschöpfenden Mit-theilungen aus Harsdörffers Werken verpflichtet, als inder modernen Fachliteratur ein durchaus ungerechtesUrtheil über den wackeren Mann verbreitet ist.
(5cf prädjfptcle, fo Beyern« unb Cugeno-(iebenben (Sefelfdjaf t e?t auszuüben. Dritter(Et;eil: Samt einer gugabc genant: Ulelifa »erfaffet burdjeinen ITtitgcnoffen ber l)od)Iöblicben Jrucr/tbringenben <8e>felfcbaft. Nürnberg, 3 n Verlegung Jüolfgaug finbters.N.DC.XXXXIII. (quer 12°).
Personen, welche zu Uebung der Gesprächspieleunterredend vorgestellet werden:
Julia von Fr e wdenstein, eine kluge Matron
Vespasian von Lustgau, ein alter Hofmann
Angelica von Keuschewitz, eine AdelicheJungfrau
Raymund Discretin, ein gereist-und belesenerStudent
Cassandra Schönliebin, eine Adeliche Jungfrau
Degen wert von Ruhmeck, ein verständigerund gelehrter Soldat.
Das 129. Gesprächsspiel S. 153 ff. handelt von derHeroldskunst, wie folgt:
1) Herold 1870. S. 73.
2) Der Hamburger Schuppe sagt (um 1660) in sei-nem Freund in der Noth:
„Wann du von deiner ordentlichen Arbeit müdebist, so suche dein recreation in rebus honestis, davon
du Nutzen haben kannst.....darzu der Hoch Edle
Nürnbergische Rathsherf der sinnreiche und arbeitsameHarfsdörfer gute Anleitung gibt, welchem du ein-mals in meinem Namen auffwarten, und sagen solt,dass er mit seinem Spielen mehr ausgerichtet habeals ein gantz Regiment pedanten und Schulfichse mitihrem Arbeiten, Schlagen und Plagen."