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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. IV. 2.

Sable, vnd also menigklich wirdt sich zu behelffen vndzu richten wissen."

Johann Sibmacher, welcher dem ersten Bande sei-nes Wappenbuches (1605) einen die Anweisung zumColoriren enthaltenden Text beigegeben hatte, ging dem-nächst ebenfalls zur Farbenbezeichnung durch Buchsta-ben über. Er sagt 1612:Es hat mich auch für gutund rathsam angesehen, den zuvor besondern lang undim Lesen verdrüslicheu einverleibten Truck von unter-schiedlichen Farben der jetzt angedeutten Schild undWapen, wegen handsamer Bindung und Lesung zusam-men, wie auch wegen Illuminirung und Mahlung fort-hin auszulassen und die Farben mit Buchstaben,gleich dem andern Theil zu verzeichnen." Die Buch-staben wurden in die Kupferplatten nachgetragen.Als Zeichen für Grün bedient sich Sibmacher zuweileneines Kleeblättchens z. B. Grünberg I, 57. ')

In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts kamenendlich drei verschiedene Systeme der Farbenbezerch-nung durch die Schraffirung auf.

Die Schraffirung an sich war nichts Neues; viel-mehr sehen wir dieselbe schon im 16. Jahrhundert viel-fach angewendet. Sie hat aber bis dahin nur denZweck, die verschiedenen Felder von einander abzuhe-ben, oder die Verwechslung der Farben deutlicher her-vortreten zu lassen.

So sind z. B. in Brotuff's Anhaltischer Genealogie(Leipzig 1556) welche mit zahlreichen Holzschnittenausgestattet ist, die mehrfach getheilten Felder durchSchraffirung je des zweiten Feldes von einander abge-sondert. Ein bestimmtes System ist dabei nicht inAnwendung gebracht; die Schraffirung folgt meist derRichtung der heraldischen Figur; die Schachfelder sindeinmal mit Quer- einmal mit Schräglinien schraffirt.Auch gemeine Figuren (z. B. Seeblätter immer, derhalbe Adler mehrfach) finden sich hie und da schraffirt. Aehnlich verwendet auch das Schrot'sche Wappen-buch die Schraffirung, zum Theil in recht wirksamerWeise.

In den Kupfertafeln 2 ) zu Wiguleus Hund's Baye-rischem Stammenbuch Theil I und II (1598) finden wirdie Farbenbezeichnung durch Buchstaben in Verbindungmit einer willkürlichen Schraffirung zur Absonderungder verschiedenen Farben. Zu diesem Behufe sindPuncte, senkrechte, wagrechte und Schräg-Striche an-gewendet.

In folgendem Werke:

Itinerarium, d. i. historische Beschreibung weyl.Herrn Georgen von Ehingen reisens nach der Bitter-schaft etc. neben beygefügten Contrafacturen etc. vonDom. Custode Burgern zu Augspurg in Kupfer ge-stochen und in Truck gefertigt Anno M.DC. fol.

1) v. Meding, Nachrichten v. adel. Wp. II. TheilVorrede S. XII schreibt:

Allein Siebmacher hat noch überdas durch selbst-gewählte Zeichen hie und da Unrichtigkeiten in denWappen verursacht; so habe ich z. B. auf .einem be-schworenen Stammbaum im rothen Felde einen silbernenmit einem grünen Blatt belegten Balken, als ein Grün-berg'sches Wappen angegeben gefunden, da dieses Ge-schlecht doch im rothen Felde einen grünen nicht be-legten Balken führet. Vermuthlich war dieser Fehlerdurch das Siebmacherische Wapenbuch veranlasset, wo-selbst um die grüne Farbe dieses Balken anzudeutenauf selbigem ein kleines Blatt als Sinnbild dieser Farbegelegt ist."

2) Die Kupfertafeln kommen übrigens nur seltenvor und erhöhen den Werth der betreffenden Exemplareerheblich.

kommen nach Lang')bey den Abbildungen verschie-dener Grosser Herren auch ihre Wappen vor. Und beydiesem werden schon Punkte und Striche als Zeichender Tincturen gebraucht. Doch darf ichs nicht ver-schweigen, dass man sich der Punkte und Striche nichtso genau bestimmt, und unveränderlich als nachher ge-schehen ist, zur Bezeichnung dieser oder jener Farbenbedienet habe, indem hier schon die blaue Farbe balddurch Punkte, bald durch schräglinke Striche ange-deutet wird, die horizontalen aber sich überhaupt nichtrecht schicken, noch von einer gewissen Farbe erklärenlassen wollen."

Zur Farbenbezeichnung systematisch angewen-det findet sich die Schraffirung zuerst in dem Werke:

Pompa funebri» optimi potentiss. principis AlbertiPii, archiducis Austriae etc. veris imaginibus expressaa Jac. Francquart Brux. 1623 fol.

Bernd (.Schriftenkunde I, 72) bemerkt:Hier fin-den sich auf den Kupfertaf. XXIX - L von den 65 diesich bei dem Werke befinden, die Abtheilung des Zugesmit Wappen, auf Fahnen und sonst, enthaltend, dieFarben mit bestimmten Strichen etc. bezeichnet, undauf Kupfertaf XLIIa, wo die sämmtlichen 26 Provin-zenwappen nach der Reihe verkleint noch einmal abge-bildet sind, werden diese Striche zur Seite erklärt, sowie es Gatterer in seinem Abrisse der Heraldik aufKupfertaf. 1 angegeben hat."

Das System ist folgendes: Gold: Querstriche; Silber:leeres Feld; Both: senkrechte Striche; Blau: Punkte;Schwarz: Schräg- und Gegenschräg-Striche vergittert;Grün: linksschräge Striche; (Purpur fehlt löblicherWeise).

Ein anderes System stellte der Römische JesuitSilvester Petra Sancta in seinem 1638 zu Rom erschie-nenen Werke Tesserae gentilüiae auf. Ein Jahr späterkam der Franzose Marcus Vulson de la Colombiere mitgenau demselben Systeme, dessen Urheber er sein bean-sprucht. Wir wollen indessen den Streit zwischen die-sen beiden Gelehrten hinsichtlich der Urheberschaft un-entschieden lassen und nur betonen, dass die Prioritätdes Erscheinens für Petra Sancta spricht.

In Deutschland eingeführt hat dieses System derNürnberger Patricier Georg Philipp Harsdörfer, welcherdasselbe in dem im Jahre 1643 erschienenen III. Theileseiner in ganz Deutschland vielgelesenen Gesprächsspielemittheilte.

Ein durchschlagender Erfolg war dem Systeme ge-sichert, als Harsdörfer es seiner Wappenlehre einver-leibte, die er im Auftrage des Buchhändlers PaulusFürst für die neue Auflage des Siebmacher'schenWapp enbuch es (1655) schrieb. Leider konnte dieSchraffirung im Wappenbuche selbst nicht, oder nur aus-nahmsweise angewendet werden. Harsdörfer schreibt:Diesem nach kan man die Farben aller Wappen nur mitder unterschiedenen Schattirung ohne Gemahl, und auchauf den Münzen zu verstehen geben, welches auch infolgendem Buche geschehen [wäre], wann nicht dieFiguren eines theils zu klein, anders theils inden ersten Theilen mit Buchstaben zu verzeichnen ange-fangen worden."

Nächst Harsdörfer hat Sigmund v. Birken für dieVerbreitung des Systemes gewirkt. In der Vorerinner-ung zu seinem Oesterreich. Ehrenspiegel (Nürnberg1668) schreibt derselbe:

Und weil, in den Wappen Schilden das anmeisten zu beobachten, die Metalle und Farben sind:als hat man den Kupferstecher dahin angewiesen, solche

3) Meusel's Geschichtsforscher III. 220.