Geschichte der Heraldik. IV. 2.
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Aus dieser schnöden Welt,Aufschwinge in das Zelt
Wo man vor Gottes ThroneAls Könige Scepter trägt,Und wo uns heygelegt
Der Freyheit Hutt und Crone u. s. w.
Bei den Tauf-, Trau- und Leichbildern wird dasWappen oder vielmehr ein dem Wappen entnommenesBild zu einem Symboluin benützt, an das sich sodanndie Betrachtung anschliesst. So wird zu dem Wappender von Kottwitz folgendes Tauf-Bild gegeben:
„Ein schwartzes Hertz an einen Mühlstein gebun-den, so von einer Hand ins Meer versencket wird, mitdiesem Lemmate:
Nocivum mergitur unda!Was hier bringt Gefahr,Wird ersäuffet gar.
„Wie wir mit dem Schwerte des Geistes in derHeil. Tauffe zum geistlichen Kampff und Streite aus-gerüstet werden, ist kurtz zuvor gemeldet. Itzo belie-ßet uns den ein schwartzes Hertz ins Meer versencken-
den Mühlstein zu beschauen..... Damit uns aber
der Mühlstein solcher sündlichen Aergerniss nicht mögein das ewige Schwefel-Meer, woraus keine Erlösung Ps.XLIX, 15. verseucken, verordnete seine Güte das rotheTauff-Meer, um das alte Adamische ärgerliche Hertz,samt seinem ärgerlichen Tichten und Trachten drinnenzu ersäuffen. Und dass dieses geschehe, drückt es derMühlstein der sauren Arbeit und blutigen Seh weisses,
ja gantzen Verdiensts JEsu in solchem Meer darnie-der .. . ."
Auch der Kanzelberedsamkeit der katholischenKirche ist der Wappenbrauch nicht fremd geblieben.
Der als Geschichtsforscher bekannte P. Ignaz Gropphielt auf den Abt Jannarius von St. Felicitas zu Schwarz-ach im Hochstift Würzburg (t 31. Mai 1742) eine dem-nächst unter dem Titel „Eine im Leben und nach demTod allezeit schönblühende und lieblich-riechende Tu-gend-Rose" gedruckte Leichenpredigt. In derselbenkommt folgende Stelle vor:
„Waren dann die in dem Januarischen Wappenfeldeingepflanzte beyde Balcken nicht vest genug dieTodtes-Pfeil von der ihnen untergesetzten Bösen abzu-halten? Cecidit flos. Auch diese seynd nicht starckgenug gewesen, dieselbe vor den Tod zu schützen."
Der Wappenschild des Abtes enthielt zwei BalkenÜber einer Rose.
Aehnlich ist der Wappenbrauch in der polemischenLiteratur.
Der bekannte Jesuit Gretser polemisirte') gegendas Wappen Melanchtons (ein Kreuz mit einer Schlange)in folgender Weise:
„Es ist eine wunderliche Sache, dass die Prädican-ten das Bild dem Gegenbilde vorziehen, und an demCreutze, so sie zu ihrem Wappen erwehlen, lieber eineSchlange, als den gecreutzigten JEsum unsern Erlöser,sehen wollen. Und noch Wundernswürdiger ist es,dass sie ihre Hände lieber zum Bilde der Schlangen,als des gecreutzigen Hey Landes aufheben wollen."
II. Abschnitt.
IMe systematische Wappenwissensehaft.
21m heften färjret ein Jlutor, ber merjr fam>mclt als erfmbet, — roeil bas £et;terc miteinem ängftlidjcn Jeucr bas £jcr3 calciniretil— ich lobe ben JIntiquar, £?eralbifcr, Zloten«madjer, Sammler;"
Jean Paul, Quintus Fixlein.
1. Capitel.
Petra Sancta und Httpingk.
Die deutsche Wappenkunst des 16. und des 17.Jahrhunderts stand auf einer sehr hohen Stufe und war^ der Lage mit allen Nationen zu wetteifern, — dasWappenwesen hatte im öffentlichen Leben eine be-deutsame Stellung, aber die WappenwissenschaftWar bis jetzt im Vergleiche mit den Leistungen ande-rer Völker in der Wiege geblieben; sie war unfertig injeder Beziehung, das einzige Interesse, auf welches sie•Anspruch hat, ist dasjenige, welches die Culturgeschichteanch den Verirrungen des Menschengeschlechtes ent-gegenbringt. Die deutsche Wappenkunst liess diegroßartigsten Wappensammlungen erstehen, welchetonser Land zum Range der Classicität erhob, aber denGebrauch dieses Rohmaterials mnsste die deutsche Wap-
peuwi ssenschaft erst vom Auslande lernen, dasunsere Sammlungen trefflich zu benützen verstand.Silvester Petra Sancta erzählt, dass er für sein Werkin Deutschland und Belgien Vorstudien gemacht habeund wir erkennen auf den ersten Blick, welch' eineFülle von Material er aus dem Sibmacher'schen Wap-penbuche geschöpft hat.
Wenn man von der Geschichte des Wappen-wesens absieht und überhaupt die Zeitumstände berück-sichtigt, so darf man sagen, dass Petra Sancta unserenGelehrten ein trefflicher Lehrmeister der Wappenwis-senschaft gewesen ist. Er hat ihnen gelehrt, das We-sen des Wappens zu erkennen, die Substrate desselbeneiner wissenschaftlichen Prüfung zu unterziehen; ergabeine systematische Gliederung des Bilderschatzes, die
1) Koch Nachr. v. Wappen d. Gelehrten S. 91.