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Geschichte der Heraldik. IV. 1.
Martin Schmeizel (1723) erzählt: 1 ) „Dahero musteich vor etwa 19 Jahren mich sehr verwundern, dassder berühmte D. Meyer , als er in Pommern eine neueKirche einweyhete, welche ein gewisser Herr vonEickstedt aufgebauet, der im Wap,pen drey Ro-sen führete, das Exordiüm seiner Predigt von derUeberschrifft des 45. Psalmen genommen („Bin Braut-lied und Unterweisung der Kinder Korah, von denBösen, vorzusingen") und eine solche adplication aufbesagtes Herrn sein Wappen gemacht, dass ich baldgedacht hätte, der Psalm handele von dem Wappen desHerrn von Eickstedt."
Ein heraldisches Handbuch für Kanzelredner, wel-ches grossen Anklang gefunden zu haben scheint, be-gann 1699 unter folgendem Titel an das Licht zutreten :
In nomine Jesul Praxis Heraldico-Mystica bas ift(Setftlidier lDappeti=23raud}, bettelt <£b,rift><2blcn (Semüttem,fo foldje führen, fo rootjl 311m Dcrfolg lüelt unb (Seift-Cblcr(Eugenbett, als aud; 3U täglicher <£itittermtg beto (Eauff-Suttbes, <£t}[idjcr pfTicbt, unb OTcnfdfltdjer Sterbücbreit;IDic ttidjts minder betten £cb,rcrn 311m Jfnlafj (£b,ttft'21be>lieber CEattff», (Erau- uttb £cid;>Sermoneti, fiirtjlicr/ unb ein»fälttgft ctttroorffeti, unb beffen (Erfter (Efyei! beftetjcnbe inXV Bfodi 21bcltd;ett löappen. Dor itjo jutn Drud? beförbertoon 2t b r a b, a in ß e r m a u tt, Vratisl. Siles. Pfarrern 31«Waffel im ©eljjntfdjcn .fürftentbume. ITtaffel ju ftnbenbcytn Autore. Brtcg, (Sebrutft mit 3icobifd?ett Sdjrtff■ten 1699. (40. 171 S.).
Ein II. Band erschien im Jahre 1700 (mir nurdurch die 2. Auflage bekannt) von dessen Einrichtunges in der Vorrede heisst:
„Und demnach ich mit dem Rang nicht umzugehenmeiss; allen auch hierinnen recht zu thun unmöglich;nach dem Alphabeth aber es einzurichten der wenigeNumerus nicht zulassen will; auch diese Methode vielenwunderlichen Köpfen nicht gefällig: So habe ich, ob-gleich das Wercklein hiervon einige Ungestalt erhalten,iedes Geschlechtes Wappen absonderlich drucken lassen,damit ieder, der es kaufft, sich nach seinem Beliebensolche setzen oder binden mag lassen, wohin er will."
Dann folgt:
In nomine Jesu! Praxeos heraldico-mysticae tertiapars. Das ift Dritter (Effet! bes (Seiftlidjctt tt>appen>Sraudjs, benen £b,rtft=(£blcti c3emiitb,ern 2c. (wie oben)furtjlid; unb einfältig enttoorffen von £eonbarb Daoib ßer>mann, Masl. Siles. Pfarrer tn iTtaffe!, (Dels-Bernftäbti*fdjett JürftetttrfUtns. 3auer, gebrutft bey 3°'? aTnl Cfjrifttan£orent3 1724. (4«.).
Auch in diesem Bande sind die einzelnen Abhand-lungen, die je einem Geschlechte gewidmet sind, beson-ders paginirt und alphabetisch geordnet. Demnächstliess Leonhard David Hermann die beiden ersten Theilein neuer Auflage erscheinen:
Abrahami Hermanni, Vrat. Siles. Pfarrers 3U UTaf-fei, Praxeos heraldico - mysticae prima pars bas ift(Erfter (Etjeil bes (Seiftlidjen lüappenbraudjes ic. furtjüdjunb einfältig entmorffen Hebft einem Supplement aber oer>mefn-ter herausgegeben oon beffen Solnte feonljarb Daoibßermautt Masl. Siles. Pfarrern in ITtaffel 2c. mie aui> berKönig!, prcujjifdjen Societät ber IDiffenfdjaften mitgüebe.Bubiffin unb cgörlitj oerlegts Daoib Hinter 1726.
— — Pars seeunda bas ift 3tr>eyter (Efyei! ic. (wieoben).
In der neuen Auflage des 1. Theiles sind die Ab-handlungen ebenso geordnet und paginirt wie im zweitenund dritten Theile; im Uebrigen hat der neue Heraus-
1) Wappen Lehre S. 240 not *
geber jeder Abhandlang ein Supplement beigefügt, inwelchem namentlich die Genealogie der Geschlechterberücksichtigt wird.
In der Vorrede zum I. Theil führt Abrah. Her-mann aus:
„. . . Weil ich ein ansehnliches Adeliches Audito-rium habe, kam ich vor einigen Jahren auf die Gedan-cken, den geistlichen Seelen-Adel und Würde aus dengewöhnlichen Sonn- und Fest-täglichen Evangelien, nachAnlass dess irrdischen Adels Eigenschafften, Geschlech-tern, und dero angestammten Adels-Wappen meinstensaber meiner anvertrauten Adelichen Kirch-Kinder unddero lieben nahen Anverwandten, vorzustellen. DerZweck war, so die Welt- als Geist-Edle ja alle MeineZuhörer zu Beobachtung ihres geistlichen Seelen-Adels,so in Christ Adelicher Tugend-Zucht und Laster-Fluchtbestehet, anzusporen. Jdesmahl ward solcher nach sei-ner Beschaffenheit und Nutzbarkeit durch Veranlassungder Adelichen Wappen-Bilder abgeschattet. Es gingauch durch Göttlicher Gnaden-Beystand ohne Fruchtnicht abe .... so gar, dass ohne Ruhm zu sagen, vonvielen Geistlichen und Weltlichen dieser Jahr-Gang
ans Licht zulegen verlangt ward..... Jedoch bin
ich letzlich auf die Gedancken gerathen, Christ-EdlenGemüttern, sonders aber meinen Adelichen auf Seelevertrauten Kirch-Kindern aus ihrem leiblichen Adels-WappW dero Christ-Edle Tugend-Gebührniss, schuldigenTauff-pelübde, Eheliche Liebs-Pflicht, und tägliche Er-innerung ihrer Sterbligkeit vorzustellen. Neu angeh-enden Lehrern aber der Kirchen, so wol aus der Bib-lischen als Weltlichen Notitia Heraldica zu Christ-Adelichen Tauff- Trau- und Leich-Sermonen Anlass zugeben."
In der Vorrede zum zweiten Theile wird den Pre-digern folgende Anleitung gegeben:
„Nebst diesem zwecket meine Absicht auch dahin,dass neu-antretende und junge Prediger einigen Anlasshätten, bei Hoch-Adelichen geistlichen Verrichtungenals Tauff- Trau- Leich-Sermonen und Parentationen wienicht minder in Aufsatz der Personalien, so dann itzomeistens auf die Geistlichen geworffen werden, das Au-ditorium auf Christ-Edle Gedancken und Betrachtungenzu bringen. Wobey ich aber bitte, diss Tractätgenseiner Kürtze wegen im ersten Augenblick nicht baldwegzuwerffen, sondern das wenige, so hier angeführet,einiges Nachsinnens zu würdigen. Man wird Anlassgenug finden, weitläufftig zu seyn, besonders wenn mansich der Biblischen Verbal- und Realischen Concordan*bescheidentlich bedienen wird und das was man aneinem Orte oder bei einem Geschlechte nicht findenkann, bey einem andern suchen, weil einige bald dissbald jenes Symbolum mit andern gleich führen ..."
Der Verfasser arbeitet nach folgendem Schema:Zuerst giebt er die Beschreibung des Wappens, einigehistorische Notizen, dann folgt der „Gebrauch I. ZumVerfolg Welt- und Geist- Edler Tugenden IL Zu Tauff-Bildern III. Zu Trau-Bildern. IV. Zu Leich-Bildern."
An I. schliesst sich stets eine gereimte Bet-An-dacht, wovon diejenige über das Wappen der von Fei-litzsch als Beispiel folgen mag:
Mein JEsu, Helm und Schild,
Gieb dass mein Wappen-BildIn meiner Seel und Hertzen
Sey Weiss in Reinigkeit,
In Liebe Roth allzeit,
In allem Creutz und Schmertzen
Beständig schwärt z, ohn End
Biss sich mein Lauff vollendGebet und Glauben binde
Als Flügel an die Seel,
Dass sie noch in der HöelDess Leibes sich geschwinde