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Geschichte der Heraldik. IV. 1.
kämpfung oder doch zur Verlästerung der Institute derMonarchie und des Adels.
Heinrich Cornelius Agrippa (von Nettesheim) geb.14. Sept. 1486 zu Cöln, erlangte von K. Maximilian dieRitterwürde und erwarb in den Rechten und der Me-dicin den Doctortitel. Er war bald Kriegsmann, baldTheologe, dann Advocat, endlich Arzt und Schwarz-künstler. Er lebte in England, Italien, Lothringen, derSchweiz, in Frankreich, den Niederlanden, verliess seineWohnsitze fast immer als Flüchtling und starb endlichals solcher im Jahre 1535 in Grenoble.
Agrippa handelt im 81. Capitel der angeführtenSchrift de arte heraldica, — jene „heroische Herolds-Kunstund Philosophie, die mit der Censirung und Austheilungder Wappen beschäftigt sei. Ein Zugthier, Kalb Schaf,Kapaun, Henne, Gans oder ein anderes dieser Thieredie für den Dienst oder Gebrauch des Menschen unent-behrlich sind, in den Wappen zu führen, gelte als un-erlaubt und infam Dagegen gelten grausame, räuberi-sche , wilde Thiere als Zeichen eines edlen Wappens.So wählten die Römer den Adler, den räuberischstenaller Vögel u s. w. Er bezeichnet diess gewissermas-sen als Undank gegen die Gänse, welche das Capitolgerettet und daher verdient hätten, der WappenvogelRoms zu werden.
Den Hahn und den Ziegenbock nehmen sie aberin die Schilde, weil jene Thiere als stolz und üppiggelten, was ja vorzugsweise Eigenschaften der Edelleuteseien. Aus demselben Grunde nehmen sie auch denPfau und den Wiedehopf (?) an, welcher sogar alsetwas königliches geachtet werde und eine Krone führe;dass er im Kothe sein Nest macht, ist dem Adel nichtentgegen, — hat doch einst der Kaiser Vespasian ausUrin Einkünfte gezogen und gesagt das erlöste Geldhabe keinen schlechten Geruch. — Solche Wappenbilder,werden als Ausdruck der Grausamkeit. Ranbsucht, Ge-waltsamkeit, Tapferkeit, Verwegenheit und andereradelicher Tugenden (nach Meinung der Herolde) füredler gehalten, als andere. Schilde, welche unschäd-lichere Bilder haben, als Bäume, Blumen, Sterne u.s.w.oder die blos durch die Varietät der Farben unterschie-den sind, halten sie für neuer und weniger vornehm,weil sie nicht durch ritterliche Tapferkeit oder anderesBlut- und Verderbens-Handwerk erworben sind.
Der Verfasser verurtheilt nun die After-Weisheit,der Herolde, welche in den Wappen astrologisireu, phi-losophiren und theologisiren. Sie schreiben die s c h w a r z eFarbe dem Saturn zu, und geben ihr desswegen dieBedeutung von Beharrlichkeit, Verschwiegenheit undGeduld. Blau ist dem Jupiter gewidmet und soll Treue,nach Meinung der Franzosen den Eifer bedeuten; Rothsteht unter dem tobenden Mars und zeigt daher Zornund Rachsucht an Die gelbe Farbe des Goldes istder Sonne geweiht und soll wegen des Werthes desMetalles und daes lichtvollen Glanzes der Sonne Ver-langen und Freude bedeuten. Der Venus geben siePurpur und Grün; Purpur soll die Liebe, nach denFranzosen aber die Schlauheit des Verraths, Grün da-gegen nach allgemeiner Ansicht die Hoffnung bedeuten,denn von den grünenden Feldern werden Früchte er-hofft. Die weisse Farbe wird dem Mond zugeschrie-ben weil sie einfach und unvermischt, dabei für alleMischung empfänglich ist und soll darum Reinheit,Einfachheit und Fügsamkeit anzeigen. Alle übrigengemischten Farben weisen sie dem Merkur zu; wie die-ser selbst unstät und veränderlich ist, so drücken alle
eloquijs atque eminentia verbi dei latere. AnnoM. D. XXXI. (120.).
Am Ende:
Coloniae M. N. excudebat.
jene Farben die Unbeständigkeit des Gemüths ausEs würde zu weit führen, alle anderen Narrenspossenanzuführen über die Temperamente, Jahreszeiten, Mo-nate und Tage, Himmelsgegenden, Winde, Himmels-zeichen , Planeten, Pflanzen, Steine, selbst die Sacra-mente und Mysterien der Kirche; beinahe die ganzeApocalypse wollen sie in diese Fabeln hineinziehen.Und das ist die heroische Philosophie jenerheroischen Herolde!
Soweit Heinrich Cornelius Agrippa.Als Vertheidiger des Wappenwesens traten dieTheologen Cyriacus Spangenberg (im Adelsspiegel) undAbraharh Hermann (Praxis heraldicomystica) auf.
Spangenberg lässt sich folgendermasaen vernehmen:„Es schreibet wol Seb. Franck, das man in den Wa-pen kein heuslichs, kein freundlichs noch lieblichs Thier-lein, sondern nur die allergrewlichsten, schedlicbsten,schrecklichsten, vnd reuberische Thiere genommen, keineTaube, Hüner, Gense, Enten, Fasan, Sittich, Pfawen.Schwanen, Nachtgallen noch Schaffe, Kühe, Pferde, Esel,Hunde etc. sondern nur Adler, Greiffen, Falcken, Geiren,Habich, etc Item, Lewen, Tiger vnd Panterthiere,Wölffe, Beeren, Drachen, Kröten, Schlangen, finde manin der grossen Herren vnd des Adels Wapen, vnd wenngleich etwa ein Han oder Hund drinnen stehe, so seydoch solches Thier mit den allergrimmigsten geberdengemalet, damit ja also der grossen Herrn und des Adelseigentliche art vnd jhre weise, das sie kriegerisch,reuberisch, vnd jederman furchtsam vnd schedlich seyenabgemalt vnd fürgestellet werden. Ja es darff Francksagen, das die alten Weisen eben darumb dem Adelsolche schedliche vnd abschewliche Thiere in jhre Wa-pen gegeben haben, jrer damit zu spotten, vnd also füraller Welt jre schände auffzndecken, etc. also gar mei-sterlich weis dieser Mann alles, was andern zu ehrengeschehen, jhnen zu vnehren zu deuten. Aber er thntsolches nur, seinem Widerteufferischem Schwarmgeistnach, aus lauterm hass vnd Verachtung der Oberkeit.Wie er dann ein sonderlich auserlesener werckzeug desTeuffels gewesen, beide die Oberkeit vnd Weiblichs Ge-schlecht weidlich zu lestern.
„Zu dem wird aus folgender erzelung .... offen-bar werden, das nicht nur allein reissende, grimmige»reuberische Thiere vnd Vogel, sondern auch zame vndfreundliche in den Wapen zu finden.
„Das aber leider etliche in den hohen Ständen vndvnter dem Adel sich mehr, denn gut vnd billig, denwilden vnuernünfftigen Thieren ehnlicher denn den Men-schen, zumal tyrannischer weise erzeigen, ist nicht derWapen, sondern jres eigen vnartigen, vnd auch (so zureden) vnmenschlichen hertzens schuld, darumb nichtdie Wapen zu sehenden, sondern jre vntugend znschelten . . . ."
Abraham Hermann dagegen schreibt aus Veran-lassung des Wappens der v. Kittlitz:
„Es gefällt nicht allen, dass in den Wappen hoherPotentaten und Helden grimmiger und wütender ThiereBilder zu finden 1 ), besonders aber meynen sie, es wollesich mit dem Christenthume nicht reimen, sondern eswäre einein Christ-Edlen Helden anständiger, sich sol-cher Wappen-Bilder zu bedienen, welche nicht tyran-nische und grimmige, sondern sanfftmütige, freundlicheund tugendhalft Geinüther abschatteten. Daher dannbey den Christlichen Philosophis diese Frage pro etcontra ventiliret wird: An ferocinm et superborum ani-malium formas in insignibus ferre sit licitum ? Das ist,ob grimmiger und hoffärtiger Thiere Bilder in Wappenzuführen, erlaubet? Allein mich däneht, dass man dem
1) Es ist namentlich Agrippa gemeint.