Geschichte der Heraldik. IV. 1.
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Beiner Beineck ') (1676) spricht sich dahin aus: „dieWappen oder Schiidtzeichen nahen nicht einerley an-fing, sind aber doch fürnemlich von einer sondernBeschichte genommen, wie man denn auch vomSyllafindet, das er dess Iugurthae vberantwortung zum in-siegel gebraucht."
Paul Winkler 1676: „wie denn auch die FürstlichenWappen zierlicher, als des gemeinen Adels ausgeführtund ihnen nur alleine Pfauen-Schwäntze, den Soldatenaber Strauss-Fedem, wie auch nur denen Kayserlichen,Königlichen und Fürstlichen Schilden zugelassen ward,
über ihre Helmen, Kronen und Fürsten-Hütte.....
aufzusetzen..... Ingleichen kam nur gantzen Län-dern oder Städten zu, gantze Thiere, als Löwen, Bee-ren und dergleichen in ihren Wappen zu führen, unds ie mit Henckeln oder Figuren ausserhalb einzufassen,wiewol auch dieses bei den Teutschen etwas ungemei-nes war, da hingegen .... heut zu Tage jedwedergeadelter Garnhändler, nicht nur ein gantzes Thier,sondern ganze Heerden, Wälder und Landschafften inihrem mit eben solchen Handhaben ausgezierten Schil-den. Die Kinder so nicht aus einem ehelichen Bettegezeuget, waren nicht befuget, ihrer Eltern vollständig-stes Wappen zu führen, sondern selbiges mit einerQuer-Linie von der Lincken Seiten, durch den Schild2 u gemercken."
In einer Predigt des Pfarrers Bosecker zu Alten-Kunstatt (München 1614) wird gelegentlich vom Adelbemerkt:
„Besicht man dem, so sich grosses Adels und hoherGeburt berümet, ankunfft, so befindet man, dass ihreherrliche und 'adeliche Insignia anders nichts als Kriegs-^affen, damit jhre Eltern und Uhreltern die Tung auffden Wagen geworfen. Dessgleichen dass die sich gros-ser Thaten und weiter Reisen aussgethan, etwan drey■Meyl hinder Weyhenachten gewesen vnd gleich wie je-a w Schneider siben Mucken — ey ich versprich mich— siben Türken anff ainen straich erschlagen"1- S. w. 2)
Chleophas Heinr. Otto Krüger schreibt 1753 in sei-^** handschriftlich im Geh. Staatsarchiv zu Berlin lie-genden histor. Beschr. des Sgl. Preuss. Wappens:T „Von den neuern Wapen, die etwa innerhalb 209J aren ans Licht gekommen, könte man wol gewisseresWaren weil die Urkunden und Adelsbriefe davon nocheher vorhanden sind. Allein da viele Familien von ge-ringer Extraction in die Höhe gekommen, da mancherJunker einen Schneider oder Schuster zum Stammvater**ti auf dessen Handwerk das Geschlechts-^.apen zilet: so leidet es die adliche Honneur nicht,u'e sichern Nachrichten bekant zu machen. Man leitet>eber seinen Ursprung von grossen Standeepersonen herUnd erdichtet Ursachen und Erklärungen von seinemgtamwapen, die einen in die gröste Verwunderung sezen.f*ald wird ein Schäferhaken in einen »Bi-schofsstab, bald eine Bratwurst in einen Or-densband, bald ein umgekehrterKuhschwanzn eine Fakkel verwandelt Bei so bewandten Um-bänden ist es kein Wunder, wenn man bei Untersuch-ung der Wapen so viel Schwierigkeiten findet. Undrj ese tragen nicht wenig dazu bei, dass die Wapen-"issenschaft, die ohnedem den Brodkorb nicht füllet,enen meisten auch unter den gelehrten, verdrüslichu »d verächtlich wird."
, Die Wappenwissenschaft des 16. und 17. Jahrhun-derts erblickt daher lediglich in der symbolischen Aus-
i. . *) Eon ber meißner anfenglidjcn t]erFommen ic. teigiguei t?ans Steitunati irtMjjoj. 4°. 181 S.*; Pfeiffers Germania N. F. V. 92.
legung der Wappen ihre praktische Aufgabe. Leiderkann ich nicht umhin, diese umfangreiche Thätigkeitwenigstens durch einige Beispiele zu charakterisiren.
Wie das Herolds Spiel (Hamburg 1695) meldet,sollen die Wecken im Wappen der Herzoge von Bayerndaher kommen, „weil einsten ein Herr von diesem Hausein einer Theuerung durch ein Städtgen gezogen, undweil seine Leute vor Geld nicht viel bekommen mögen,sey er selbst zum Becker gangen und habe 21 weckengeholet und ihnen gegeben."
Abraham Hermann 3 ) berichtet aus einem „sehr ur-alten" Manuscripte, welches das Geschlecht von Fran-kenberg in Händen habe, „dass selbiges zum Stamm-vater haben soll den vortrefflichen Griechischen Messe-nischen Hauptmann Aristomenem, von welchem Pausa-nias, Justinus und andere Historici melden, wie selbigerdenen Lacedämoniern, mit welchen die Messeuier ge-kriegt, grossen Schaden und Abbruch gethan, endlichaber von ihnen gefangen, in eine gemauerte Grube oderGewölbe, worinnen auch andere Hungers zu sterben,enthalten, geworffen worden. Indem er nun nichts an-ders als den Tod zu hoffen, soll er einen Fuchs er-blicket haben, welcher sich unter der Mauer durch einenges Loch ein gedrungen, um von denen todten Cör-pern seine Nahrung zu suchen: Welches dann der Ari-stomenes gemercket und diess enge Loch nach und nachmit grosser Mühe, durch Auskratzung dreyer Ziegelso fern erweitert, dass er endlich können hinaus krie-chen, sich salviren und wieder zu den Seinigen kommen;welche sich denn hierüber höchst verwundert, sein Prin-cipal aber, dem er gedienet, ihn wegen,seiner ritter-liehen That geadelt, dieser Begebenheit wegen ihmedie 3 Ziegel ins Schild und den Fuchs auf denHelm zumDenckmal setzen lassen und mit der Haupt-manns-Charge versehen."
Freiherr Sigmund von Herberstein, der berühmteReisende, giebt 1559 *) seinem Familien-Wappen folgendeAuslegung:
„Weill da dem also vnd meine vor Eltern auch ainanfang Ihres Adels gehabt, wes sy sich aber zuuor be-tragen, gehalten vnd geholffen haben, mues ich ainglaubwirdigen verstandt aus vnsern Erblichen Wappenabnemen, In demselben Sy gef^ert vnd wir noch füren,ein weisse fchlaipffn, daran man den pflüg auff denacker vnd wider dauon fuert, Das Sy Ackers vnd Bau-leut gewest fein, So bestadt auch dise mein mainung,Weil Her Günther von Herberstain seines Anherrn Mut-terhalb Herrn Günthers des letzten des Namens vonHaag Wappen einen gelben Rosskhumet im roten feldt,Im 1409 Jar zu Lehen Empfangen, der khumet gehörtauch zum Ackerpaw, Solcher meiner ausslegung bedarfffich kainer befchwären, Dann wo mein Vatter oder auchmit dem Ackerpaw vnnd Pflueg gearbait oder generthetten, wolt dasselb in warhait auch nit vorhalten, Ichauch vil über der erst Edel gemacht fein wolt, Danndas ich meinen Eltern vngleich befunden solt werden."
Zu den kühnsten Wappen-Auslegern und Meisternder Geschichts-Klitterung gehört Erpold Lindenbruch ')
3) Praxis heraldico-mystica II. Theil.
4) Sigmunb Jreyb,crr ju Ejerbcr- | ftein JTeypcrg, pnb(Sufteriljag, obcrfter <Erb> | camrer rmb oberftcr I>rud]fas inKarnttn. | Seit (Segenumrtign rmb nadjfo* | menbe f reyljerm3U | fjerberftatu | . Seines tbmis Dienften vnnb Haifcns mitixevoet | permanting ficb 311 (Eugeitben »11b | gucttem roeefnfdjitfen. | (Sebnirft 311 VO'mm m (Dftcrrcid? | burd; Hapljaelnfjoffbaltcr. (0. J. folio). Auf der Rückseite des Titelsdas Herbeistein'sche Wappen in Holzschnitt.
5) Newe vermeinte Chronica von dem Grossmeclr